Programm

Montag, 13. Juni 2022

   13.30 Offizielle Begrüssung

  • 13.45 Keynote #1: Hans Joas – Säkularisierung und Entzauberung: Forschungsergebnis oder Mythos der Moderne?

    In den Geistes- und Sozialwissenschaften, aber auch in der breiteren Öffentlichkeit, galt lange Zeit Säkularisierung im Sinne einer fortschreitenden Schwächung von Religion als notwendiger Bestandteil von Modernisierung. Der Vortrag entwickelt die Gründe dafür, warum sich dies heute geändert hat. Insbesondere geht es um eine alternative Erklärung unbestreitbarer Tendenzen zur Schwächung von Religion in Europa und um die Frage, ob die moderne europäische Säkularisierung nur die Spätfolge eines Impulses ist, der in der jüdisch-christlichen Tradition seit den alttestamentlichen Propheten wirksam war.

    Referent

    Hans Joas ist ein deutscher Soziologe und Sozialphilosoph. Er ist derzeit Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Professor für Soziologie an der Universität Chicago. Er hat eine Reihe bedeutender akademischer Auszeichnungen erhalten. Seine letzten Buchpublikationen sind «Die Macht des Heiligen» (2017), «Im Bannkreis der Freiheit» (2020) und «Warum Kirche? Selbstoptimierung oder Glaubensgemeinschaft» (2022).

   14.30 Pause

  • 15.00 Keynote #2: Joachim Negel – "Der Mond ist aufgegangen ..." – Wie man das Heilige verstehen und missverstehen kann

    Referent

    Joachim Negel hat Philosophie und Theologie in Würzburg, Paderborn, Paris, Bonn und Münster studiert. Er war danach für lange Jahre Dekan des Theologischen Studienjahres Jerusalem an der Abtei Dormitio B.M.V. und ist nun seit 2015 Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Fribourg sowie Direktor des Instituts für Ökumenische Studien.

  • 15.30 Keynote #3: Ralph Kunz – Prämoderne Säkularisierung? Prophetische Religionskritik als Arbeit am Mythos

    Es gibt Menschen, die zweifeln ernsthaft, dass die Erde (mehr oder weniger) kugelrund ist. Sie haben im eigentlichen Sinn des Wortes eine Scheibe vor dem Kopf. Vor allem dann, wenn sich diese sogenannten «Flacherdler» auf die Bibel berufen. Denn die biblische Schöpfungsgeschichte wagt einen Blick auf die Gestirne, die Erde und alles, was darauf lebt, mit der ungeheuren Kühnheit der selbstbewussten Naturwissenschaft. Was es mit den Pflanzen, Tiere und Menschen auf sich hat, wird in dieser durchaus religionskritischen Sichtweise als «Welt» erkannt, d.h. als ein Bereich, indem eine gewisse Freiheit herrscht – eine Freiheit, ohne die es keine Würde, keine Verantwortung und keine Liebe gäbe. An zwei ausgewählten Beispielen («biblisches Alter» und «Sintflut») zeige ich, wie die biblischen Autoren ihre «Arbeit am Mythos» (Blumenberg) verstehen und was daran topmodern ist.

    Referent

    Ralph Kunz studierte evangelische Theologie in Basel, Los Angeles und Zürich, war danach Assistent am Lehrstuhl Praktische Theologie an der Universität Zürich, Pfarrer in Seuzach und Fachmitarbeiter der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Seit 2004 ist er Ordinarius für Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Gottesdienst und Seelsorge an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich.

   16.00 Kurze Pause

   16.15 Reaktion und Diskussion

   16.45 Pause

   19.00 Ökumenischer Gottesdienst in der St. Nikolaus Kathedrale von Fribourg

 

Dienstag, 14. Juni 2022

   08.45 Morgengebet mit Taizé

  • 09.15 Keynote #4: Hans Joas – Selbsttranszendenz und Sakralisierung. Grundlagen einer alternativen Geschichtserzählung

    Um den Fallstricken der Narrative notwendig fortschreitender Säkularisierung und Entzauberung zu entgehen, bedarf es eines angemessenen Verständnisses der menschlichen Erfahrungen von Selbsttranszendenz. Auf solchen Erfahrungen beruht, was Menschen für heilig bzw. sakral halten. Dieses Verständnis verändert auch radikal unsere Sicht auf das Wechselspiel von Religion und Politik, Sakralität und Macht. Besonders wichtig ist dabei, die in der Religionsgeschichte entstandenen Ideen von Transzendenz und moralischem Universalismus zu berücksichtigen. Durch diese Ideen wird eine kritische Distanzierung von irdischen Herrschaftsordnungen und den Ansprüchen partikularer Gruppen ermöglicht.

    Referent

    Hans Joas ist ein deutscher Soziologe und Sozialphilosoph. Er ist derzeit Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Professor für Soziologie an der Universität Chicago. Er hat eine Reihe bedeutender akademischer Auszeichnungen erhalten. Seine letzten Buchpublikationen sind «Die Macht des Heiligen» (2017), «Im Bannkreis der Freiheit» (2020) und «Warum Kirche? Selbstoptimierung oder Glaubensgemeinschaft» (2022).

   10.00 Pause

  • 10.30 Keynote #5: Carmody Grey – The Sacralisation of Nature: How Not to Respond to the Environmental Crisis

    Referentin

    Prof. Dr. Carmody Grey ist Professorin für Theologie an der Universität Durham und assoziierte Professorin an der Universität Bern (Institut für Systematische Theologie). Sie arbeitet im Bereich der philosophischen Theologie und Ethik, mit einem Schwerpunkt auf Wissenschaft, Natur und Umwelt. Letztes Jahr war sie Visiting Fellow am Laudato Si' Research Institute an der Universität Oxford. Sie verfügt über Abschlüsse der Universitäten Oxford, Cambridge, Edinburgh, Nottingham und Bristol in Philosophie, Theologie und Biowissenschaften. Ihre Monographie Theology, Science and Life wird 2023 bei Bloomsbury erscheinen. Sie arbeitet mit öffentlichen Einrichtungen, Kirchen, zivilgesellschaftlichen Gruppen, Wohlfahrtsverbänden und NGOs in den Themenbereichen Natur, Umwelt und Werte.

  • 11.00 Keynote #6: Silvianne Aspray – "Ihr sollt heilig sein..." oder: Warum Gnade und Verantwortung zusammengehören
    Alles ist Gnade, und doch sind Christinnen und Christen dazu berufen, in der Welt Verantwortung zu übernehmen: Die fruchtbare Spannung zwischen Rechtfertigung und Heiligung im christlichen Glauben reicht zurück bis in die Anfänge des Christentums. Dieser Vortrag nähert sich dieser Spannung durch den Fokus auf Heiligkeit und Heiligung. In welchem Verhältnis steht Gottes Heiligkeit zur menschlichen Berufung zur Heiligung? Wie können wir an Gottes Heiligkeit teilhaben, obwohl Gott “ganz anders” ist? Wie kann unser Handeln “heilig” sein, auch wenn wir endlich, sündhaft und fehlbar sind? In der Beantwortung dieser Fragen geht der Vortrag darauf ein, wie wir als Christinnen und Christen unser Handeln in der Welt verstehen können.

    Referentin

    Silvianne Aspray ist ordinierte Pfarrerin in der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und British Academy Postdoctoral Fellow an der Universität Cambridge. In ihrem akademischen Schaffen setzt sie sich mit der Rolle der spätmittelalterlichen und reformatorischen Theologie für die Entstehung der Neuzeit auseinander. Sie lebt mit ihrer Familie in Oxford.

   11.30 Kurze Pause

   11.45 Reaktion und Diskussion

   12.15 Mittagsgebet mit Taizé

   12.45 Mittagspause

   14.00 Breakout-Sessions 1

   15.15 Pause

   15.45 Talk: Taizé Brüder im Gespräch mit Walter Dürr

   16.45 Abendgebet mit Taizé

   17.15 Pause

   19.30 Kulturabend: Vorpremiere "Der letzte Ketzer"

Mittwoch, 15. Juni 2022

   08.45 Morgengebet

   09:45 Pause

  • 10.15 Keynote #8: Hans Joas – Ist Transzendenz organisierbar? Ideen zu einer Soziologie der Kirche

    Referent

    Für die Menschen in christlich geprägten Ländern und Kulturen ist die Existenz von Kirche etwas Selbstverständliches. Dies gilt unabhängig davon, wie sie zu Christentum und Kirche stehen. Dabei haben keineswegs alle Religionen die Organisationsform „Kirche“ hervorgebracht. Der Vortrag versucht, auf das spezifische Organisationsproblem derjenigen Religionen einzugehen, die „moralisch universalistisch“ über ein einzelnes Volk oder einen einzelnen Staat hinausgreifen. Weiterhin geht es um die Vielfalt der Organisation der Christen auch jenseits von Kirche und um die Frage, wie wir uns der Dimension Macht in religiösen Organisationen zu nähern haben.

    Hans Joas ist ein deutscher Soziologe und Sozialphilosoph. Er ist derzeit Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Professor für Soziologie an der Universität Chicago. Er hat eine Reihe bedeutender akademischer Auszeichnungen erhalten. Seine letzten Buchpublikationen sind «Die Macht des Heiligen» (2017), «Im Bannkreis der Freiheit» (2020) und «Warum Kirche? Selbstoptimierung oder Glaubensgemeinschaft» (2022).

  • 11.00 Keynote #9: Ralph Kunz – Warum die Gemeinschaft der Heiligen auch in einem unorganisierten Haufen zu finden ist...

    Die «Gemeinschaft der Heiligen» ist ein Ehrentitel der Gemeinde, der ihr peinlich ist. Sind wir wirklich heilig? Es ist kein Zufall, haben auch Individuen Hemmungen, sich selbst als Heilige oder nur schon als Menschen auf dem Weg zur Heiligung zu bezeichnen. Zu tief ist das Missverständnis der Kirche und das Missverständnis in der Kirche. Wir haben ein Verständnis von Heiligkeit, die organisiert werden kann. Das Heilige ist ein moralisches Ideal, das wenn es je erreicht würde, das Produkt von Zucht und Ordnung, Disziplin und Gehorsam wäre. Aber das ist so kreuzfalsch wie kreuzdumm. Wir müssten es nach 2000 Jahren Kirchengeschichte eigentlich besser wissen …

    Referent

    Ralph Kunz studierte evangelische Theologie in Basel, Los Angeles und Zürich, war danach Assistent am Lehrstuhl Praktische Theologie an der Universität Zürich, Pfarrer in Seuzach und Fachmitarbeiter der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Seit 2004 ist er Ordinarius für Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Gottesdienst und Seelsorge an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich.

   11.30 Kurze Pause

   11.45 Reaktion und Diskussion

   12.15 Mittagsgebet mit Taizé

   12.45 Mittagspause

   14.00 Breakout Sessions 2

   15.15 Pause

   15.45 Talk: Hans Joas im Gespräch mit Walter Dürr

   16.45 Kurze Pause

   17.00 Abendgebet mit Taizé

   17.30 Schlussbemerkungen