Programm

Montag, 24. Januar 2022

   08.30 Offizielle Begrüssung

   08.45 Morgengebet mit Brüdern aus Taizé

  • 09.15 Keynote #1: Hans Joas – Säkularisierung und Entzauberung: Forschungsergebnis oder Mythos der Moderne?

    In den Geistes- und Sozialwissenschaften, aber auch in der breiteren Öffentlichkeit, galt lange Zeit Säkularisierung im Sinne einer fortschreitenden Schwächung von Religion als notwendiger Bestandteil von Modernisierung. Der Vortrag entwickelt die Gründe dafür, warum sich dies heute geändert hat. Insbesondere geht es um eine alternative Erklärung unbestreitbarer Tendenzen zur Schwächung von Religion in Europa und um die Frage, ob die moderne europäische Säkularisierung nur die Spätfolge eines Impulses ist, der in der jüdisch-christlichen Tradition seit den alttestamentlichen Propheten wirksam war.

    Referent

    Hans Joas ist ein deutscher Soziologe und Sozialphilosoph. Er ist derzeit Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Professor für Soziologie an der Universität Chicago. Er hat eine Reihe bedeutender akademischer Auszeichnungen erhalten. Seine letzten Buchpublikationen sind «Die Macht des Heiligen» (2017) und «Im Bannkreis der Freiheit» (2020).

   10.00 Pause

  • 10.30 Keynote #2: Joachim Negel – "Der Mond ist aufgegangen ..." – Wie man das Heilige verstehen und missverstehen kann

    Referent

    Joachim Negel hat Philosophie und Theologie in Würzburg, Paderborn, Paris, Bonn und Münster studiert. Er war danach für lange Jahre Dekan des Theologischen Studienjahres Jerusalem an der Abtei Dormitio B.M.V. und ist nun seit 2015 Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Fribourg sowie Direktor des Instituts für Ökumenische Studien.

  • 11.00 Keynote #3: Ralph Kunz – Prämoderne Säkularisierung? Prophetische Religionskritik als Arbeit am Mythos

    Es gibt Menschen, die zweifeln ernsthaft, dass die Erde (mehr oder weniger) kugelrund ist. Sie haben im eigentlichen Sinn des Wortes eine Scheibe vor dem Kopf. Vor allem dann, wenn sich diese sogenannten «Flacherdler» auf die Bibel berufen. Denn die biblische Schöpfungsgeschichte wagt einen Blick auf die Gestirne, die Erde und alles, was darauf lebt, mit der ungeheuren Kühnheit der selbstbewussten Naturwissenschaft. Was es mit den Pflanzen, Tiere und Menschen auf sich hat, wird in dieser durchaus religionskritischen Sichtweise als «Welt» erkannt, d.h. als ein Bereich, indem eine gewisse Freiheit herrscht – eine Freiheit, ohne die es keine Würde, keine Verantwortung und keine Liebe gäbe. An zwei ausgewählten Beispielen («biblisches Alter» und «Sintflut») zeige ich, wie die biblischen Autoren ihre «Arbeit am Mythos» (Blumenberg) verstehen und was daran topmodern ist.

    Referent

    Ralph Kunz studierte evangelische Theologie in Basel, Los Angeles und Zürich, war danach Assistent am Lehrstuhl Praktische Theologie an der Universität Zürich, Pfarrer in Seuzach und Fachmitarbeiter der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Seit 2004 ist er Ordinarius für Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Gottesdienst und Seelsorge an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich.

   11.30 Kurze Pause

   11.45 Reaktion und Diskussion

   12.15 Mittagsgebet mit Brüdern aus Taizé

   12.45 Mittagspause

   14.00 Breakout Sessions 1

   15.15 Pause

   15.45 Talk mit Brüdern aus Taizé

   16.45 Pause

   19.00 Ökumenischer Gottesdienst in der St. Nikolaus Kathedrale von Fribourg

 

Dienstag, 25. Januar 2022

   08.45 Morgengebet mit Brüdern aus Taizé

  • 09.15 Keynote #4: Hans Joas – Selbsttranszendenz und Sakralisierung. Grundlagen einer alternativen Geschichtserzählung

    Um den Fallstricken der Narrative notwendig fortschreitender Säkularisierung und Entzauberung zu entgehen, bedarf es eines angemessenen Verständnisses der menschlichen Erfahrungen von Selbsttranszendenz. Auf solchen Erfahrungen beruht, was Menschen für heilig bzw. sakral halten. Dieses Verständnis verändert auch radikal unsere Sicht auf das Wechselspiel von Religion und Politik, Sakralität und Macht. Besonders wichtig ist dabei, die in der Religionsgeschichte entstandenen Ideen von Transzendenz und moralischem Universalismus zu berücksichtigen. Durch diese Ideen wird eine kritische Distanzierung von irdischen Herrschaftsordnungen und den Ansprüchen partikularer Gruppen ermöglicht.

    Referent

    Hans Joas ist ein deutscher Soziologe und Sozialphilosoph. Er ist derzeit Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Professor für Soziologie an der Universität Chicago. Er hat eine Reihe bedeutender akademischer Auszeichnungen erhalten. Seine letzten Buchpublikationen sind «Die Macht des Heiligen» (2017) und «Im Bannkreis der Freiheit» (2020).

   10.00 Pause

  • 10.30 Keynote #5: Veronika Hoffmann – Ist Heiligkeit übertragbar? Zu Bedeutung und Ambivalenz der Rede von Heiligkeit in theologischer Perspektive

    Gott allein ist heilig. Das markiert seine Entzogenheit gegenüber der Welt und den fundamentalen Unterschied von Schöpfer und Schöpfung. Und doch werden auch Zeiten, Orte, Schriften, Menschen etc. als „heilig“ bezeichnet – in der Bibel und je nachdem in den christlichen Konfessionen. Es scheint also ein Merkmal von Gottes Heiligkeit zu sein, dass sie übertragbar ist. Aber es nicht höchst missbrauchsanfällig, wenn jemand oder etwas Anteil an Gottes Heiligkeit beanspruchen kann? Und kann man aus christlicher Sicht „heilige Sonderbereiche“ aus einer „profanen Wirklichkeit“ ausgrenzen?

    Referentin

    Veronika Hoffmann studierte katholische Theologie in Frankfurt (St. Georgen) und Innsbruck; anschliessend folgte die Promotion an der WWU Münster sowie die Habilitation in Dogmatik und Ökumenischer Theologie in Erfurt. Seit 2018 ist sie Professorin für Dogmatik an der Universität Fribourg.

  • 11.00 Keynote #6: Silvianne Aspray – "Ihr sollt heilig sein..." oder: Warum Gnade und Verantwortung zusammengehören
    Alles ist Gnade, und doch sind Christinnen und Christen dazu berufen, in der Welt Verantwortung zu übernehmen: Die fruchtbare Spannung zwischen Rechtfertigung und Heiligung im christlichen Glauben reicht zurück bis in die Anfänge des Christentums. Dieser Vortrag nähert sich dieser Spannung durch den Fokus auf Heiligkeit und Heiligung. In welchem Verhältnis steht Gottes Heiligkeit zur menschlichen Berufung zur Heiligung? Wie können wir an Gottes Heiligkeit teilhaben, obwohl Gott “ganz anders” ist? Wie kann unser Handeln “heilig” sein, auch wenn wir endlich, sündhaft und fehlbar sind? In der Beantwortung dieser Fragen geht der Vortrag darauf ein, wie wir als Christinnen und Christen unser Handeln in der Welt verstehen können.

    Referentin

    Silvianne Aspray ist ordinierte Pfarrerin in der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und British Academy Postdoctoral Fellow an der Universität Cambridge. In ihrem akademischen Schaffen setzt sie sich mit der Rolle der spätmittelalterlichen und reformatorischen Theologie für die Entstehung der Neuzeit auseinander. Sie lebt mit ihrer Familie in Oxford.

   11.30 Kurze Pause

   11.45 Reaktion und Diskussion

   12.15 Mittagsgebet mit Brüdern aus Taizé

   12.45 Mittagspause

  • 14.00 Keynote #7: Michael Triegel – Das Heilige in der Kunst

    Als ich während meiner ersten Romreise 1990 die Kirche Il Gesù besuchte, fühlte ich den Drang, vor dem Altar einen Kniefall zu vollziehen – als damals ungläubiger Ostdeutscher. Wäre dies die Huldigung an die überwältigende Form durch den Ästheten gewesen, das Bekenntnis zu einem „Evangelium des Schönen“, das Goethe glaubte, von seinem Zeichenlehrer Oeser vermittelt bekommen zu haben? Kunst als Religionsersatz? Es musste doch die Form der Kunst, die mich so begeisterte, einen Inhalt zu transportieren suchen, der noch immer zu mir sprach, eine Ahnung geben von Transzendenz, vom Heiligen. Die Suche danach sollte seither mein Leben und meine Arbeit bestimmen.

    Referent

    Michael Triegel ist ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker. Er lebt und arbeitet in Leipzig und gilt als Teil der "Neuen Leipziger Schule". Michael Triegel führte viele Kunstaufträge für Kirchen aus und hat in seiner Karriere mehrere Kunstpreise gewonnen.

   15.00 Pause

   15.30 Breakout-Sessions 2

   16.45 Kurze Pause

   17.00 Abendgebet mit Brüdern aus Taizé

 

Mittwoch, 26. Januar 2022

   08.45 Morgengebet mit Brüdern aus Taizé

  • 09.15 Keynote #8: Hans Joas – Ist Transzendenz organisierbar? Ideen zu einer Soziologie der Kirche

    Für die Menschen in christlich geprägten Ländern und Kulturen ist die Existenz von Kirche etwas Selbstverständliches. Dies gilt unabhängig davon, wie sie zu Christentum und Kirche stehen. Dabei haben keineswegs alle Religionen die Organisationsform „Kirche“ hervorgebracht. Der Vortrag versucht, auf das spezifische Organisationsproblem derjenigen Religionen einzugehen, die „moralisch universalistisch“ über ein einzelnes Volk oder einen einzelnen Staat hinausgreifen. Weiterhin geht es um die Vielfalt der Organisation der Christen auch jenseits von Kirche und um die Frage, wie wir uns der Dimension Macht in religiösen Organisationen zu nähern haben.

    Referent

    Hans Joas ist ein deutscher Soziologe und Sozialphilosoph. Er ist derzeit Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Professor für Soziologie an der Universität Chicago. Er hat eine Reihe bedeutender akademischer Auszeichnungen erhalten. Seine letzten Buchpublikationen sind «Die Macht des Heiligen» (2017) und «Im Bannkreis der Freiheit» (2020).

   10:00 Pause

  • 10:30 Keynote #9: Fulbert Steffensky – Über die Bedeutung heiliger Räume und Zeiten

     

    Referent

    Prof. em. Dr. Fulbert Steffensky hat katholische und evangelische Theologie studiert und war für 13 Jahre Benediktinermönch in der Abtei Maria Laach. Er hat seine Promotion an der Ruhr-Universität Bochum erlangt und war als Professor an der FH Köln und der Universität Hamburg sowie als Gastprofessor am Union Theological Seminary tätig. Fulbert Steffensky war verheiratet mit Dorothee Sölle (gestorben 2003) und gemeinsam waren sie Mitbegründer des Politischen Nachtgebets, einer Liturgie, welche von 1968 bis 1972 regelmässig in der Antoniterkirche in Köln gefeiert wurde. Mittlerweile ist er emeritiert und lebt im schweizerischen Luzern.

  • 11:00 Keynote #10: Barbara Hallensleben – "Denn das ist der Wille Gottes, Eure Heiligung" – Über unsere Berufung zur Communio Sanctorum

    Die Heiligen bilden ein ökumenisches Kontroversthema – die Berufung zur Heiligung ist uns biblisch aufgetragen und theologisch verbindend, z.B. in dem Thema „Rechtfertigung und Heiligung“. „Heilig“ ist das Prädikat Gottes par excellence. „Heiligung“ bedeutet daher: in den Lebensbereich Gottes einbezogen werden. Auf diese Weise wird „Heiligkeit“ für die Christen zur Berufung und zu einer nicht säkularisierbaren Dimension ihres Lebens. Heilig ist der Mensch nie allein und nie für sich: Der heilige Gott sammelt uns zu seinem heiligen Volk, und die Gemeinschaft der Geheiligten entdeckt in Gottes heiligender Gegenwart eine ganz eigene Art von Gemeingut und Gemeinwohl.

    Referentin

    Barbara Hallensleben ist Professorin für Dogmatik und Theologie der Ökumene an der Universität Fribourg und Direktorin des Zentrums für das Studium der Ostkirchen. Sie ist Herausgeberin der Werke von Sergij Bulgakov in deutscher, kommentierterÜbersetzung. Auf internationaler Ebene ist sie in mehreren Dialogkommissionen engagiert und wurde von Papst Franziskus in die Kommission zum Frauendiakonat berufen.

   11.30 Kurze Pause

   11.45 Reaktion und Diskussion

   12.15 Mittagsgebet mit Brüdern aus Taizé

   12.45 Mittagspause

   14.00 Breakout Sessions 3

   15.15 Pause

   15.45 Talk: Hans Joas im Gespräch mit Walter Dürr

   16.45 Kurze Pause

   17.00 Abendgebet mit Brüdern aus Taizé

   17.30 Schlussbemerkungen