Fundamentaltheologie. Theologie und Biographie. Trinitätstheologische Spurenlese eines prekären Verhältnisses. Hauptvorlesung
UE-TTH.00919

Dozenten-innen: Negel Joachim
Kursus: Master
Art der Unterrichtseinheit: Vorlesung
ECTS: 3
Sprache-n: Deutsch
Semester: SP-2022

Unter den Bedingungen der Spätmoderne wird christlicher Glaube aus der Perspektive menschlicher Subjektivität als Grundvollzug praktischer Vernunft gefaßt, der einerseits die Sinnvorgaben von Heiliger Schrift und kirchlicher Tradition kritisch prüft, andererseits sich durch eben jene Vorgaben selber bereichert und vertieft, auf seine eigenen Bedingungen hin ver­abgründet und insofern auf produktive Weise in Frage gestellt sieht.

Die Vorlesung versucht, diese Zusammenhänge an dem engen Korrelationsverhältnis von Theologie und Biographie evident zu machen. Ausgangspunkt dieses Korrelationsverhältnisses ist das christliche Glaubensbekenntnis, daß der göttliche Logos in dem Menschen Jesus von Nazareth selber biographische Gestalt angenommen habe. Was aber bedeutet dies für das Selbstverständnis christlicher Theologie? Muß sie (wie dies eine prominente Phalanx von Meister Eckhart bis Karl Rahner gefordert hat) ihre objektiven Gehalte ins existentielle Erfahren transponieren, um zu sich selbst zu kommen? Inwiefern aber kann ein subjektives Selbst- und Welterleben objektiven Erkenntniswert im Blick auf Gott und seinen Selbstoffenbarung in Jesus Christus haben?

Die hier angerissenen Fragen berühren recht eigentlich alle Themenbereiche der Fundamentaltheologie: den wissenschaftstheoretischen Zusammenhang von Glaube und Vernunft, den religionsphilosophischen Zusammenhang von Subjektivität und Gottesfrage, den ekklesiologischen Zusammenhang von Offenbarung und Tradition, den religionstheologischen Zusammenhang von Theismus und Monismus, und schließlich den sowohl elementar orthopraktischen als auch eschatologischen Zusammenhang von Geschichte und Erlösung. Allen diesen Zusammenhängen liegt als tiefengrammatischer Fokus jedoch die nur selten gestellte Frage nach dem spezifischen Lebenswert des Trinitätsdogmas zugrunde. Speziell ihr gilt das besondere Interesse der Vorlesung.


Dokumentation

(zur ersten Vorbereitung; weiterführende Literatur wird in der Vorlesung genannt):

 

Klaus Müller, Über-Setzen. Biographische Theologie als Grundform der Verkündigung, in: PrKat 136 (1997) 638-649.

Johann Baptist Metz, Theo­logie als Biographie?, in: Ders.: Glaube in Geschichte und Gesellschaft. Studien zu ei­ner praktischen Fundamentaltheologie, Mainz: Grü­newald (51992) 211-219.

Karl Rahner, Theologie und An­thropologie, in: Schriften zur Theologie VIII, Einsiedeln: Benziger (1967) 43-65.

Karl Rahner, Der dreifaltige Gott als transzendenter Urgrund der Heilsgeschichte, in: Mysterium Salutis. Grundriß heilsgeschichtlicher Dogmatik, Einsiedeln u.a. 1967, Bd. I, 317-401.

Hans Urs von Baltha­sar, Theologie und Heiligkeit, in: Ders., Verbum Caro. Skizzen zur Theologie I, Einsiedeln: Johannes (31990) 195-225; Spiritualität, in: ebd. 226-244; Die Einheit von Theologie und Spiritualität, in: Ders., Einfaltungen. Auf den Wegen christlicher Einung, Einsiedeln/ Trier: Johannes (31987) 15-42.

Gotthard Fuchs, Gott ist die Liebe. Die Trinitätslehre als Inbegriff christlicher Glaubenserfahrung, in: RhS 24 (1981) 1-15.

Gisbert Greshake, Der dreieine Gott. Eine trinitarische Theologie, Freiburg i.Br.: Herder (1997).

Joachim Negel, Weil die Welt nicht ganz dicht ist… Eine philosophisch-theologische Erörterung der Frage nach dem Wirken Gottes in der Welt, in: Wilfried Eisele (Hg.): Gott bitten? Theologische Zugänge zum Bittgebet (QD 256), Freiburg/Br.: Herder (2013) 102-185.