Gender und soziale Gerechtigkeit: Globalisierung und Geschlecht: Strukturen, Prozesse, Institutionen
UE-L20.00058

Dozenten-innen: Ludi Regula
Kursus: Master
Art der Unterrichtseinheit: Vorlesung
ECTS: 3
Sprache-n: Deutsch
Semester: SP-2022

Grenzschliessungen, der Unterbruch von Lieferketten, der drohende Zusammenbruch der Reisebranche und die Furcht vor Versorgungsengpässen haben uns seit Ausbruch der Corona-Pandemie den hohen Grad der globalen Interdependenz in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Die wachsende Vernetzung macht Gesellschaften nicht nur abhängig von einander, sondern auch verletzlicher gegenüber Verwerfungen jeglicher Art. Lokale und regionale Krisen können leicht ein weltweites Ausmass annehmen. Die Klimakatastrophe lehrt uns, dass die negativen Auswirkungen der forcierten Ausbeutung und Zerstörung natürlicher Ressourcen vor Landesgrenzen nicht haltmachen.

Globalisierung ist indessen kein automatischer, unaufhaltsam fortschreitender oder scheinbar natürlicher Prozess, sondern das Ergebnis politischen Handelns und politischer Entscheide. Sie basiert auf Strukturen, die durch koloniale Eroberungen, Imperialismus, Geopolitik und die weltweite kapitalistische Integration geschaffen wurden. Gender ist zusammen mit anderen stratifizierenden Differenzkategorien ein zentrales Organisationsprinzip dieser Ordnung.

Das Seminar stellt die Geschlechterverhältnisse ins Zentrum der Analyse globaler Interdependenzen. Wir untersuchen die wichtigsten institutionellen Rahmenbedingungen des internationalen Genderregimes, wie es sich seit der Gründung der UNO herausgebildet hat. Dazu gehören internationale Normen wie die Menschenrechte oder sicherheitspolitische Resolutionen, Apparate zu ihrer Durchsetzung ebenso wie transnationale Koalitionen von Aktivist*innen, die für die Erweiterung und Durchsetzung dieser Normen sorgen. Wir befassen uns weiter mit geschlechtsspezifischen Effekten des globalen Kapitalismus, wie sie sich exemplarisch in der Care-Migration, dem Femonationalismus oder den Arbeitsbedingungen in Sonderwirtschaftszonen des Globalen Südens manifestieren. Schliesslich fokussiert der Kurs auf jüngere Protestbewegungen mit weltweiter Resonanz und den transnationalen Transfer von Wissen und Methoden des Widerstands gegen Sexismus, Rassismus und Ausbeutung.


Lernziele

Erwartet wird:

  • regelmässige Teilnahme an den Sitzungen, Lesen der Pflichtlektüre und aktive Beteiligung an der Diskussion
  • Inputreferat 15-20 Minuten zu einem Thema nach Absprache (Vertiefung zum Sitzungsthema, keine Zusammenfassung der Pflichtlektüre)
  • Schriftlicher Essay von max. 5 Seiten (12 Times Roman, 1.5 Zeilen Abstand) basierend auf dem Inputreferat (Abgabetermin - 2 Wochen nach dem Referat)

Für die Benotung zählen:

  • das Referat (kollektive Note, 40%)
  • Essay (60%) Für eine genügende Note muss der Essay den Anforderungen wissenschaftlichen Schreibens genügen (Problemstellung, Aufbau, Referenzen, korrekte Zitierweise; für die Benotung relevant sind die Stringenz der Argumentation, sprachliche Klarheit, die Originalität der Argumente).
  •  Mündliche Beteiligung (Aufrunden der Gesamtnote)