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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)
Siebtes Buch

24. Kap. Die Offenbarung des Johannes.

24. Außer all den erwähnten Schriften verfaßte Dionysius noch zwei Bücher „Über die Verheißungen“. Sie wurden durch Nepos veranlaßt, einen Bischof Ägyptens, welcher lehrte, man müsse die in der göttlichen Schrift den Heiligen gegebenen Verheißungen mehr nach jüdischer Art auslegen, und behauptete, es würden tausend Jahre sinnlicher Freude auf dieser Erde kommen. Da Nepos glaubte, er könne seine eigene Ansicht aus der Apokalypse des Johannes beweisen, schrieb er hierüber eine Abhandlung, welche er „Widerlegung der Allegoristen“ betitelte. Gegen diese tritt Dionysius in den Büchern „Über die Verheißungen“ auf. Im ersten Buche legt er seine eigene Anschauung über die Lehre dar, im zweiten Buche handelt er von der Apokalypse des Johannes. Hier gedenkt er zu Beginn des Nepos und schreibt über ihn also: „Sie verweisen auf eine Schrift des Nepos und berufen sich allzu gerne auf sie, da sie unwiderleglich dartue, daß das Reich Christi auf Erden sein werde. In vielen anderen Dingen halte ich es mit Nepos und ich schätze ihn wegen seines Glaubens, seines Fleißes, seiner Beschäftigung mit der Schrift und seiner zahlreichen geistlichen Lieder,1 an [S. 347] welchen noch jetzt viele Brüder große Freude haben. Und ich hege gegen den Mann um so tiefere Ehrfurcht, als er bereits zur Ruhe eingegangen. Doch über alles wert und teuer ist mir die Wahrheit.2 Neidlos muß man loben und billigen, was richtig gesprochen ist, dagegen untersuchen und berichtigen, was in einer Schrift unrichtig zu sein scheint. Wäre Nepos persönlich zugegen und würde er seine Meinung nur mündlich vortragen, so genügte wohl eine ungeschriebene Unterredung, welche durch Frage und Antwort die Parteien überzeugte und einigte. Da er jedoch eine Schrift veröffentlichte, welche manchen sehr überzeugend erscheint, und da manche Lehrer das Gesetz und die Propheten verachten, den Evangelien nicht folgen wollen und die Briefe der Apostel geringschätzen, den Inhalt dieses Buches aber als großes und verborgenes Geheimnis verkünden und nicht zulassen, daß unsere in Einfalt lebenden Brüder eine würdige und erhabene Auffassung haben von der glorreichen und wahrhaft göttlichen Erscheinung unseres Herrn, von unserer Auferstehung von den Toten sowie von ‚unserer Versammlung zu ihm’ und der Verähnlichung mit ihm,3 sie vielmehr überreden, im Reiche Gottes kleine, vergängliche, irdische Freuden zu erwarten, so ist es notwendig, uns mit unserem Bruder Nepos auseinanderzusetzen, wie wenn er vor uns stünde.“ Nach anderm fährt Dionysius also fort: „Da sich in Arsinoë, wie du weißt, seit langem diese Lehre in einer Weise verbreitete, daß ganze Kirchen schismatisch und abtrünnig wurden, so ging ich dorthin, versammelte die Priester und Lehrer der Brüder in den Dörfern und drang in sie — auch die Brüder konnten teilnehmen, soweit sie wollten —, öffentlich eine Prüfung der Frage anzustellen. Da mir das erwähnte Buch als unbezwingbare Waffe und Mauer vorgehalten wurde, setzte ich mich mit ihnen drei Tage nacheinander vom Morgen bis [S. 348] zum Abend zusammen und versuchte richtigzustellen, was darin geschrieben war. Ich mußte mich dabei über den Ernst, die Wahrheitsliebe, die Gelehrigkeit und die Einsicht der Brüder außerordentlich wundern. In Ordnung und Ruhe entwickelten wir die Fragen, die sich erhebenden Zweifel und die Punkte, worin Übereinstimmung herrschte. Wir vermieden es, hartnäckig und streitsüchtig an einer einmal gewonnenen Ansicht festzuhalten, wenn sie sich als nicht richtig erwies. Einwänden gingen wir nicht aus dem Wege. Soweit wie möglich suchten wir uns auf vorgelegte Fragen einzulassen und sie klarzustellen. Nicht schämten wir uns, wenn Grund vorlag, unsere Meinung zu ändern und (den anderen) beizustimmen. Aufrichtig und ehrlich nahmen wir, das Herz zu Gott gerichtet, das an, was auf Grund der Beweise und Lehren der Heiligen Schrift festgelegt wurde. Korakion, der die Lehre eingeführt und ihr Hauptvertreter war, bekannte schließlich und schwur uns vor allen anwesenden Brüdern, daß er, von den Gegengründen genügend überzeugt, ihr weiter nicht mehr anhängen, nicht mehr darüber disputieren und sie nicht mehr erwähnen und lehren werde. Von den übrigen Brüdern freuten sich die einen über die gemeinsame Aussprache und die gegenseitige Nachgiebigkeit und Einigung…“

1: J. Kroll, „Die christliche Hymnodik bis zu Klemens v. Alexandreia“ (Verz. der Vorlesg. von Braunschweig S. S. 1921, W. 1921/22, Königsberg 1921) S. 26.
2: Aristoteles, Nikomach. Ethik A 4 p. 1096a 16.
3: Vgl. 1 Tim. 6, 14; 2 Thess. 2, 1; 1 Joh. 3, l.

 

 

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Einleitung: Kirchengeschichte des Eusebius

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Gregor Emmenegger