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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)
Siebtes Buch

10. Kap. Valerian und seine Verfolgung.

10. Gallus und seine Mitregenten wurden, nachdem sie kaum zwei Jahre die Herrschaft innegehabt, aus dem Wege geräumt. Sein Nachfolger in der Herrschaft wurde Valerianus und dessen Sohn Gallienus. Wie Dionysius über diesen Herrscher urteilt, läßt sich aus seinem Briefe an Hermammon ersehen, worin er also berichtet: ‚Ebenso ist dem Johannes geoffenbart worden: ‚Es wurde ihm — heißt es1 — ein Mund gegeben, zu reden große Dinge und Lästerungen, und es wurde ihm gegeben die Herrschaft und 42 Monate.’ In der Geschichte des Valerianus muß man sich über das eine wie über das andere wundern, insbesondere aber die Art und Weise seines früheren Verhaltens ins Auge fassen, wie gütig und freundlich er gegen die Männer Gottes war. Denn keiner der früheren Kaiser war gegen sie so wohlwollend und loyal, auch jene nicht, die offen Christen gewesen sein sollen, Valerianus begegnete ihnen, wie man wußte, am Anfange (seiner Regierung) sehr vertrauensvoll und [S. 329] freundlich; sein ganzes Haus war voll von Gläubigen, es war eine Gemeinde Gottes. Der Lehrer und oberste Führer der ägyptischen Magier2 aber überredete ihn, sich davon loszusagen, und hieß ihn die reinen und heiligen Männer töten und verfolgen. Denn diese bekämpften und verhinderten ihre gar schmutzigen und häßlichen Beschwörungen. Es gibt und gab nämlich Christen, welche die Kraft haben, durch ihre Gegenwart und ihren Blick und durch bloßes Anhauchen und ein Wort die Pläne der frevelhaften Dämonen zu vereiteln. Dafür riet er Valerianus, unreine Weihungen, unsaubere Zaubereien und Gott mißfällige Opfer vorzunehmen, unglückliche Kinder zu schlachten, Kinder bedauernswerter Eltern zu opfern, die Eingeweide Neugeborener zu durchforschen, die Gebilde Gottes zu zerschneiden und zu zerhacken, als ob das ihnen Glück bringen sollte.“ Dionysius fährt also fort: „Makrianus hat also den Dämonen herrliche Dankopfer um der erhofften Regierung willen dargebracht. Obwohl er früher höherer kaiserlicher Finanzbeamter3 gewesen sein soll, dachte er weder vernünftig (εὔλογον) noch katholisch (καθολικόν). Er war dem Fluche des Propheten verfallen, der sagt:4 ‚Wehe denen, die nach ihrem Herzen prophezeien und nicht auf das allgemeine Wohl (τό καθόλον) achten!’ Er hatte keinen Begriff von der allgemeinen Vorsehung und achtete nicht auf das Gericht dessen, der vor allen und durch alle und über allen ist. Daher wurde er auch zum Feinde seiner katholischen Kirche, entfremdete und entfernte sich von der göttlichen Barmherzigkeit und ging seiner eigenen Rettung möglichst weit aus dem Wege, hierin seinem Namen Ehre machend.“5 Weiter unten sagt Dionysius also: „Valerianus ließ sich von diesem Menschen zu solchen Taten verführen. Dadurch setzte er sich dem Hohn [S. 330] und dem Spotte aus gemäß dem an Isaias gerichteten Worte:6 ‚Und diese erwählten sich ihre Wege und ihre Greuel, wie ihre Seele sie wollte. Und ich werde erwählen ihr spottend Tun und Vergeltung üben an ihren Sünden.’ Makrianus strebte in toller Gier nach der Herrschaft, deren er nicht würdig war. Und da er seinem verkrüppelten Körper den kaiserlichen Purpur nicht umlegen konnte, schob er seine zwei Sohne vor, welche damit die Sünden des Vaters übernahmen.7 An ihnen erfüllte sich deutlich die Prophezeiung Gottes:8 ‚Vergeltend die Sünden der Väter an den Kindern bis auf das dritte und vierte Geschlecht bei denen, die mich hassen.’ Denn indem er die eigenen bösen Wünsche, die sich ihm nicht erfüllten, auf das Haupt seiner Söhne legte, übertrug er auf sie zugleich seine eigene Schlechtigkeit und seinen Gotteshaß.“ Über Valerianus berichtet Dionysius soviel.

1: Offenb. 13, 5.
2: =Makrianus
3: ἐπὶ τῶν καθόλου λόγων βασιλέως. Mit Rücksicht auf diese Bezeichnung heißt es gleich darauf: οὐδὲν εὔλογον οὐδὲ καθολικὸν ἐφρόνησεν
4: Ezech. 13, 3.
5: Das Wort Makrianus hängt mit μακράν = ferne, zusammen.
6: Is. 66, 3 f.
7: Die Usurpation des Makrianus begann im Sept. 260 und wurde Ende 261 oder Anfang 262 niedergeworfen.
8: Exod. 20, 5.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kirchengeschichte des Eusebius

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Gregor Emmenegger