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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)
Viertes Buch

22. Kap. Hegesippus und seine Berichte.

22. Hegesippus hat uns in den fünf Büchern „Erinnerungen“, die auf uns gekommen sind, ein ganz vollständiges Bild seines eigenen Geistes hinterlassen.1 Darin erzählt er, daß er auf einer Reise nach Rom mit sehr vielen Bischöfen zusammengekommen sei und daß er von allen die gleiche Lehre erhalten habe. Hören wir, was er nach einigen Bemerkungen über den Brief des [S. 192] Klemens an die Korinther sagt! Er erklärt:2 „Die Kirche in Korinth blieb im rechten Glauben bis auf Primus, Bischof von Korinth. Auf meiner Fahrt nach Rom kam ich mit den Korinthern zusammen, mit welchen ich einige Tage verkehrte, während welcher wir uns gemeinsam des wahren Glaubens freuten. In Rom verweilte ich bei Anicet,3 dessen Diakon Eleutherus war. Auf Anicet folgte Soter und auf diesen Eleutherus. In jeder Stadt, wo ein Bischof auf den anderen folgte, entsprach das kirchliche Leben der Lehre des Gesetzes, der Propheten und des Herrn.“ Über den Ursprung der Häresien seiner Zeit äußert sich Hegesippus also:4 „Nachdem Jakobus der Gerechte aus gleichen Gründen wie der Herr den Martertod erlitten hatte, wurde Symeon, der Sohn des Klopas, eines Onkels des Herrn, zum Bischof ernannt.5 Alle hatten ihn vorgeschlagen, weil er ein Vetter des Herrn war. Da die Kirche noch nicht durch eitle Lehren befleckt war, wurde sie als Jungfrau bezeichnet. Thebutis machte, da er nicht Bischof geworden war, den Anfang damit, sie zu beschmutzen. Er gehörte den sieben Sekten im Volke an. Zu diesen zählte Simon, der Stifter der Simonianer, Kleobius, der Stifter der Kleobiener, Dositheus, der Stifter der Dosithianer, Gorthäus, der Stifter der Gorathener und Masbotheer. Aus diesen gingen hervor die Menandrianisten, Marcianisten, Karpokratianer, Valentinianer, Basilidianer und Satornilianer, von welchen jede Richtung eine von den anderen abweichende Lehre eingeführt hat. Ihnen entstammen die falschen Christusse, die falschen Propheten und die falschen Apostel, welche die Einheit der Kirche durch verderbliche Lehren über Gott und seinen Gesalbten zerstört haben.“ Hegesippus berichtet auch über die seinerzeitigen jüdischen Sekten. Er sagt:6 „Es gab unter den Söhnen der Israeliten verschiedene Anschauungen be- [S. 193] züglich der Beschneidung gegenüber dem Stamme Juda und gegenüber Christus, nämlich die Essäer, Galiläer Hemerobaptisten, Masbotheer, Samariter, Sadduzäer, Pharisäer.“7 Hegesippus schrieb auch sonst noch sehr viel, worauf wir bereits früher zum Teil hingewiesen haben; an geeigneter Stelle haben wir seinerzeit Berichte von ihm zitiert. Er erwähnt einige Stellen aus dem Hebräerevangelium, aus dem Syrischen und aus dem Hebräischen, wodurch er zu erkennen gibt, daß er vom Judentum zum Glauben übergetreten ist. Auch gibt er Berichte aus der ungeschriebenen jüdischen Tradition. Nicht nur Hegesippus, auch Irenäus8 und der ganze Kreis der Alten bezeichnete die Sprüche Salomons als Wissenschaft der Moral. Bezüglich der sog. Apokryphen erzählt er, daß einige derselben zu seiner Zeit von Häretikern verfaßt worden seien. Doch gehen wir nun zu etwas anderem über!

1: Vgl. oben II 23 (S. 92).
2: Zahn, Forsch. 6, S. 243.
3: Vgl. oben IV 11 (S. 169).
4: Zahn, Forsch. 6, S. 235.
5: Vgl. oben III 11 (S. 121).
6: Zahn, Forsch. 6, S. 228.
7: Vgl. Justin, Dialog 80; Ps. Clement. Recogn. I 44 ff.; Apost. Const. 6, 6; Epiphanius, Häres. 16.
8: Gegen die Häresien IV 20, 3.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kirchengeschichte des Eusebius

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