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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Vierundfünfzigste Homilie. Kap. XVI, V.13-23.

1.

V.13: "Es kam aber Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi, und er fragte seine Jünger und sagte: Für wen halten die Leute den Menschensohn?"

Weshalb erwähnt der Evangelist auch den Gründer der Stadt1 ? Weil es noch ein zweites Cäsarea gibt, nämlich das des Straton. Nicht in der letzteren, sondern in jener ersten richtete der Herr die Frage an seine Jünger; weit weg aus dem Jordanlande führt er sie, damit sie frei von aller Befangenheit alles, was sie auf dem Herzen hatten, ungescheut sagen könnten. Warum fragte er sie aber nicht geradewegs um ihre eigene Meinung, sondern um die der Leute? Sie sollten erst die Ansicht jener anführen, um dann schon durch die Art der Frage: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" zu tieferem Verständnis geführt zu werden und nicht in der unzulänglichen Meinung der Menge befangen zu bleiben. Deshalb stellt er diese Frage auch nicht im Anfange seiner Lehrtätigkeit an sie, sondern erst nachdem er schon zahlreiche Wunder gewirkt und ihnen viele Beweise für manche erhabene Wahrheit, für seine Gottheit und seine Übereinstimmung mit dem Vater gegeben hatte. Seine Worte lauten auch nicht: Für wen halten mich die Schriftgelehrten und die Pharisäer? trotzdem sie oft zu ihnen gekommen und sich mit ihnen besprochen hatten, sondern: "Für wen halten mich die Leute?" Die unverfälschte Meinung des Volkes will er erfahren. Denn war sie auch viel unvollkommener, als sie hätte sein sollen, so war sie doch frei von Falsch; die Gesinnung der Pharisäer hingegen strotzte von Bosheit. Um zu erkennen zu geben, wie sehr ihm daran gelegen war, dass man zum Verständnis der Menschwerdung gelange, sagt er: "den Sohn des Menschen"; damit bezeichnet er, wie auch sonst oft, seine Gottheit. So z.B.:"Niemand stiege auf in den Himmel, außer dem Sohne des Menschen, der da ist in dem Himmel"2 , ebenso: "Wenn ihr nun den Sohn des Menschen hinaufsteigen sehen werdet, wo er vordem war"3 .

Da antworteten die Jünger und

V.14: "Die einen sagten: Johannes der Täufer, andere hingegen; Elias, andere aber: Jeremias oder einer der Propheten";

so hatten sie ihre verwirrten Ansichten vorgebracht. Da fuhr der Herr fort:

V.15: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?"

Durch diese zweite Frage regt er sie an, höher von ihm zu denken, und gibt ihnen zu verstehen, dass die eben erwähnte Ansicht weit hinter seiner Würde zurückbleibe. Er erwartet bei ihnen eine andere Meinung und richtet eine zweite Frage an sie, damit sie nicht auf derselben Stufe ständen wie die große Menge, die da größere Wunder gesehen hatte, als ein Mensch sie wirken kann, und ihnen doch für einen bloßen Menschen hielt, wenn auch für einen, der von den Toten auferstanden sei, wie übrigens auch Herodes meinte. Um sie jedoch von einer solchen Vermutung abzubringen, fragte er: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" das heißt: Ihr, die ihr immer mit mir beisammen seid, die ihr mich Wunder wirken sehet und selber durch mich viele Wunder verrichtet habt? Was antwortet nun Petrus, gleichsam der Mund der Apostel, der allzeit feurige, das Oberhaupt des Apostelchores? Die Frage war an alle gerichtet, aber er allein antwortet. Als der Herr zuvor nach der Meinung des Volkes gefragt hatte, hatten alle geantwortet; jetzt, da er nach ihrer Meinung allein fragt, tritt Petrus vor, ergreift das Wort und spricht:

V.16: "Du bist Christus der Sohn des lebendigen Gottes."

Was sagt nun Christus dazu? Er sagt:

V.17: "Selig bist du, Simon Bar Jona! Denn nicht Fleisch und Blut hat es dir geoffenbart."

Wäre sein Bekenntnis, dass Christus aus dem Vater selbst geboren sei, nicht richtig gewesen, so wäre es nicht die Folge einer Offenbarung gewesen: hätte er ihn auch für einen gewöhnlichen Menschen gehalten, so hätte seine Rede keine Seligpreisung verdient. Schon früher, nach dem Sturme, den sie erlebt hatten, hatten sie im Schiffe zu ihm gesagt: "Wahrhaft, Gottes Sohn bist Du!"4 , und waren doch nicht selig gepriesen worden, obgleich die Worte der Wahrheit entsprachen. Sie hatten ihn nicht in derselben Weise wie Petrus als Sohn Gottes bekannt, sondern sie glaubten, dass er einer aus dem Volke und dabei in Wahrheit ein Sohn Gottes sei, auserkoren zwar vor allen, aber nicht unmittelbar aus dem Wesen des Vaters.

1: Philippus
2: Joh 3,13
3: ebd 6,63
4: Mt 14,33

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger