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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)
Fünfzigste Homilie. Kap. XIV, V.23-36.

4.

Das sage ich aber nicht, um euch davon abzuhalten, solche Weihegeschenke darzubringen. Nur bitte ich euch, dass ihr zugleich, ja noch früher als das, euer Almosen spendet. Gott nimmt zwar auch jene Geschenke an, noch viel lieber aber diese. Bei den Weihegeschenken hat nur der einen Nutzen, der gibt, beim Almosen auch der, der empfängt. Dort hat die Sache auch einen Anschein von Ehrgeiz; hier ist das Ganze Erbarmen und Liebe. Oder was nützt es dem Herrn, wenn sein Tisch voll ist von goldenen Kelchen, er selber dagegen vor Hunger stirbt? Stille zuerst seinen Hunger, dann magst du auch seinen Tisch schmücken, soviel du kannst. Du lässest einen goldenen Kelch herstellen, und reichst ihn dafür nicht einmal einen Becher kalten Wassers. Welchen Gewinn hast du also davon? Du fertigst goldgewirkte Decken für den Altar; ihm selber willst du aber nicht einmal die notwendige Hülle geben. Was nützt dich also das? Sage mir, wenn du einen Menschen siehst, dem die notwendige Nahrung fehlt, und es ihm überließest, wie er seinen Hunger stillen könne, und nur einen silbernen Tisch vor ihn hinstelltest, würde er dir wohl Dank dafür wissen, oder nicht noch mehr sich erzürnen? Und ferner, wenn du einen siehst, der in Lumpen gehüllt ist und vor Kälte erstarrt, und, anstatt ihm Kleider zu geben, würdest du ihm goldene Bildsäulen errichten und sagen, es geschehe ihm zu Ehren, würde er nicht sagen, du treibst Spott mit ihm, und müßte er nicht das Ganze für einen Hohn ansehen, und zwar für den allerschlimmsten? Geradeso denke auch bei Christus, wenn er verlassen und fremd umhergeht und um ein Obdach bittet; denn anstatt ihn aufzunehmen, schmückst du den Fußboden seines Hauses, die Wände und die Kapitäle der Säulen, hängst Lampen an silberne Ketten auf, und ihn selbst, der im Kerker gefesselt liegt, willst du nicht einmal sehen?.

Und das sage ich nicht um euch abzuhalten, in solchen Dingen miteinander zu wetteifern; nur bitte ich euch, dass ihr das eine und das andere, oder vielmehr dieses vor jenem tut. Dafür, dass einer keine solchen Gaben1 brachte, ward noch niemand getadelt; für das andere aber ist sogar die Hölle angedroht, sowie ewiges Feuer und die Strafe mit den Dämonen. Schmücke also nicht das2 Haus, während du dem Bruder, der in Not ist, keine Beachtung schenkst; dieser Tempel ist ja noch viel wichtiger als der andere. Solche kostbare Weihegeschenke könnten ja auch ungläubige Herrscher, Tyrannen und Räuber wegnehmen; was du aber einmal deinem Bruder getan hast, der hungert, fremd ist und ohne Kleidung dasteht, das kann dir selbst der Teufel nicht mehr nehmen, das bleibt dir in sicherer Schatzkammer geborgen. Was sagt denn nur der Herr selbst? "Die Armen habt ihr stets bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch"3 . Gerade das muß uns ja am meisten anspornen, Almosen zu geben, dass wir ihn nicht immer als Hungernden bei uns haben, sondern nur während dieses zeitlichen Lebens. Willst du aber den vollen Sinn seiner Worte erkennen, so beachte, dass er dies nicht zu den Jüngern gesagt hat, wenn es auch so scheint, sondern es war nur für die Schwachheit des Weibes4 berechnet. Da sie eben noch etwas schwach im Glauben war, und die Jünger sie in Verlegenheit brachten, so sagte der Herr dies, um sie zu gewinnen. Dass er es wirklich nur zu ihren Troste gesagt hat, ergibt sich aus dem Zusatz: "Was fallet ihr diesem Weibe beschwerlich?"5 . Dass nämlich auch wir ihn immerdar bei uns haben, spricht er aus mit den Worten: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt"6 . Aus all dem geht klar hervor, dass er dies aus keinen anderen Grunde gesagt hat, als damit die Scheltworte der Jünger den eben erst im Aufblühen begriffenen Glauben des Weibes nicht verwelken. Machen wir also keinen Einwand mit dem, was nur in ganz bestimmter Absicht gesagt worden ist. Lesen wir lieber all die Gesetze, die des Neuen und die des Alten Bundes, die der Herr über das Almosen gegeben, und zeigen wir großen Eifer in dieser Sache. Das ist es, was uns von Sünden reinigt; denn: "Gebet Almosen, und ihr werdet ganz rein sein"7 . Das ist besser als Opfer; denn: Erbarmen will ich und nicht Opfer"8 . Das öffnet die Himmel; denn: "Deine Gebete und deine Almosen stiegen empor zur Erinnerung im Angesicht Gottes"9 . Das ist notwendiger als Jungfräulichkeit; denn aus diesem Grunde wurden jene10 aus dem Brautgemach ausgeschlossen, aus diesem Grunde die anderen eingelassen. Seien wir also all dessen eingedenk und säen wir reichlich Almosen aus, damit wir auch in um so reichlicherer Fülle ernten und der himmlischen Güter teilhaft werden durch die Gnade und Liebe unseres Herrn Jesus Christus, dem Ehre sei in Ewigkeit. Amen!

1: für die Kirche
2: Gottes
3: Mk 14,7
4: Maria Magdalena
5: Mt 26,10
6: Mt 28,20
7: Lk 11,41
8: Osee 6,6
9: Apg 10,4
10: törichten Jungfrauen

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger