Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)
Fünfzigste Homilie. Kap. XIV, V.23-36.

2.

Warum hat also Christus es ihn geheißen? Weil Petrus bei seinem Feuereifer widersprochen hätte, wenn er gesagt hätte: Du darfst nicht. Er will ihn also durch die Tatsachen selbst belehren, damit er für die Zukunft gewitzigt wäre. Aber auch so läßt Petrus sich nicht zurückhalten. Nachdem er also das Schifflein verlassen hatte, begann er zu sinken, denn er hatte Furcht. Diese war schuld daran, dass er sank; er fürchtete sich aber infolge des Windes. Johannes berichtet hier:"Sie wollten ihn in das Schifflein nehmen, und alsbald gelangte das Schifflein ans Land, dem sie zusteuerten"1 . Er sagt damit im Grunde dasselbe. Während sie also im Begriffe standen zu landen, kam der Herr auf das Schifflein zu. Und Petrus stieg aus dem Schifflein und ging ihm entgegen , wobei er sich nicht so sehr darüber freute, dass er auf dem Wasser wandelte, als darüber, dass er zum Herrn kam. Nachdem er aber das Größere überwunden, sollte er dem Geringeren unterliegen, ich meine der Gewalt des Windes, nicht der des Sees. So ist eben die Menschennatur: oft vollbringt sie das Große und fällt dafür im Kleinen. So ging es zum Beispiel dem Elias mit der Jezabel, so dem Moses mit dem Ägypter, so David mit Bersabee. Auch bei Petrus ging es so: während ihn noch die Furcht beherrschte, hatte er den Mut, über dem Wasser zu wandeln; dem Andrang des Windes aber konnte er nicht mehr standhalten, und das, obgleich Christus in der Nähe war. So nützt es also nichts, dass Christus einem nahe ist, wenn er nicht durch den Glauben nahe ist. Das zeigte denn auch den Unterschied zwischen dem Meister und dem Schüler und war zugleich eine Beruhigung für die anderen. Denn wenn sie schon über die zwei Brüder2 unwillig geworden waren, so werden sie es noch mehr hier geworden sein. Sie hatten eben die Gnade des Hl. Geistes noch nicht empfangen. Später waren sie ja nicht mehr so. Da lassen sie überall dem Petrus den Vorrang, schicken ihn in den öffentlichen Versammlungen voran, obgleich er an Feinheit der Bildung den anderen nachstand. Warum hat aber der Herr nicht den Winden befohlen aufzuhören, sondern hat selbst die Hand ausgestreckt und den Petrus gefaßt? Weil es auch des Glaubens Petri bedurfte. Wenn es nämlich auf unserer Seite fehlt, so tut Gott auch das Seinige nicht. Der Herr zeigt also, dass nicht die Gewalt des Windes, sondern die Kleingläubigkeit des Petrus schuld an seinem Unfall ist, und sagt daher: "Warum hast du gezweifelt, Kleingläubiger?" Wäre er also nicht im Glauben schwach geworden, so hätte er auch dem Winde gegenüber leicht standgehalten. Darum läßt auch der Herr, nachdem er ihn gefaßt hatte, den Wind weiter wehen, um zu zeigen, dass er nicht schaden kann, wenn der Glaube festgewurzelt ist. Wenn ein junges Vögelchen vor der Zeit das Nest verläßt und schon im Begriffe steht, herabzufallen, so stützt es die Mutter mit ihren Flügeln und bringt es wieder ins Nest zurück. Geradeso macht es auch Christus.

V.32: "Und als sie das Schifflein bestiegen hatten, da hörte der Wind auf." Früher hatten da die Apostel gesagt: "Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar die Winde und das Meer gehorchen"?3 . Jetzt reden sie nicht so. Denn, heißt es weiter,

V.33: "Die Insassen des Schiffleins kamen, beteten ihn an und sagten: Wahrlich, Du bist Gottes Sohn." Siehst du, wie der Herr sie langsam zu Höherem anleitet? Da er auf dem See gewandelt und auch einem anderen befohlen, dasselbe zu tun, und den Petrus aus der Gefahr errettet hatte, so besaßen sie jetzt einen starken Glauben. Damals hatte der Herr dem Meere geboten; hier gebot er ihm nicht, und zeigte dafür seine Macht auf andere noch wirksamere Art. Darum sagten auch die Apostel: "Wahrhaftig, Du bist Gottes Sohn." Und der Herr? Hat er ihnen diese Rede verwiesen? Ganz im Gegenteil, er bekräftigte noch ihre Worte, indem er nicht bloß so wie früher, sondern mit noch erhöhtem Machterweis diejenigen heilte, die zu ihm kamen.

V.34: "Und als sie ans andere Ufer übergesetzt waren, kamen sie in die Landschaft Genesareth.

V.35: Und als ihn die Leute daselbst erkannt hatten, sandten sie Boten in die ganze Umgegend, und man brachte zu ihm alle, die krank waren.

V.36: Und man forderte sie auf, den Saum seines Kleides zu berühren, und alle, die ihn berührten, wurden gesund." Die Leute kamen schon nicht mehr zu ihm wie früher, wo sie ihn in ihre Häuser genötigt hatten und wollten, dass er4 mit der Hand berühre, und ihnen mit Worten befehle. Jetzt suchten sie die Heilung schon in viel höherer und vollkommener Art, und mit viel m ehr Glauben. Die blutflüssige Frau hatte allen den rechten Weg gezeigt. Der Evangelist wollte hier auch zeigen, dass der Herr erst nach langer Zeit wieder in diese Gegenden kam; deshalb sagte er: "Als ihn die Leute daselbst erkannt hatten, sandten sie Boten in die Umgegend und brachten alle zu ihm, die krank waren". Die Länge der Zeit hatte ihnen also gleichwohl ihren Glauben nicht bloß nicht genommen, sondern sogar vermehrt und ihn in voller Kraft bewahrt. Berühren also auch wir den Saum seines Kleides, oder vielmehr, wenn wir nur wollen, können wir Jesum selbst ganz und gar in unserem Besitze haben. Denn auch sein heiliger Leib liegt jetzt vor uns; nicht bloß sein Kleid, sondern auch sein Leib; und nicht, damit wir ihn bloß berühren, sondern ihn auch essen und uns mit ihm sättigen. Treten wir also gläubig hin, wer immer an einer Krankheit leidet. Wenn schon diejenigen, die nur den Saum seines Kleides berührten, eine solche Kraft empfingen, um wieviel mehr dann jene, die ihn ganz besitzen? Das gläubige Hinzutreten verlangt aber, dass wir nicht bloß empfangen, was vor uns liegt, sondern dass wir es auch mit reinem Herzen berühren, dass wir dabei in solcher Verfassung seien, wie wenn wir zu Christus selbst hinzuträten. Was macht es denn, wenn du auch seine Stimme nicht hörst? Du siehst ihn dafür vor dir liegen, ja du hörst auch sogar seine Stimme, denn er spricht ja durch die Evangelisten.

1: Joh 6,21
2: die Söhne des Zebedäus: Mt 20,24
3: Mt 8,27
4: die Kranken

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. Zweiundvierzigste Homi...
. Dreiundvierzigste Homi...
. Vierundvierzigste Homi...
. Fünfundvierzigste ...
. Sechsundvierzigste ...
. Siebenundvierzigste ...
. Achtundvierzigste Homi...
. Neunundvierzigste Homi...
. Fünfzigste Homilie. ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. Einundfünfzigste Homi...
. Zweiundfünfzigste ...
. Dreiundfünfzigste ...
. Vierundfünfzigste ...
. Fünfundfünfzigste ...
. Sechsundfünfzigste ...
. Siebenundfünfzigste ...
. Achtundfünftigste ...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger