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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Dreiundvierzigste Homilie. Kap.XII,V.38-45.

1.

V.38: "Da antworteten ihm einige unter den Schriftgelehrten und Pharisäern und sagten Meister, wir wollen von dir ein Zeichen sehen.

V.39: Er aber antwortete und sprach: Ein böses und ehebrecherisches Ge schlecht verlangt ein Zeichen, aber ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jonas, des Propheten."

Kann es wohl gottlosere und törichtere Menschen geben als diese, die nach so vielen Zeichen, gerade als wäre noch gar keines geschehen, sagen: "Wir wollen von Dir ein Zeichen sehen"? Weshalb sagten sie also dies? Um dem Herrn einen neuen Fallstrick zu legen. Da er sie nämlich bei ihren mündlichen Versuchen einmal, zweimal, ja oftmals zum Schweigen gebracht und ihre unverschämte Zunge geschlossen hatte, so nahmen sie ihre Zuflucht zu Taten. Das vermerkt auch der Evangelist mit Verwunderung, indem er schreibt: "Damals antworteten ihm einige unter den Schriftgelehrten und Pharisäern und verlangten ein Zeichen." Wann: "Damals"? Als es schon Zeit gewesen wäre, sich Christus zu unterwerfen und ihn zu bewundern, da sie hätten erschrecken und willfährig sein sollen, gerade dann ließen sie nicht ab von ihrer Bosheit. Beachte aber auch, wie ihre Worte voll sind von Schmeichelei und Spott. Sie hofften den Herrn dadurch herauslocken zu können. Das eine Mal beschimpften sie ihn, dann schmeicheln sie ihm wieder; einmal nennen sie ihn vom Teufel besessen, ein andermal heißen sie ihn "Meister"; aber jedesmal in böser Absicht, wenn auch ihre Worte das Gegenteil ausdrückten. Darum läßt sie aber auch der Herr ziemlich hart an. Solange sie ihm unfreundliche Fragen stellten und ihn beschimpften, redete er milde mit ihnen; als sie ihm aber schmeichelten, da antwortete er ihnen mit gar heftigem Tadel; er wollte damit zeigen, dass er über beide Leidenschaften erhaben sei, und sich weder im einen Falle zum Zorn verleiten, noch in diesem durch Schmeicheleien sich erweichen lasse. Beachte aber auch, wie ihre Frechheit nicht bloß eine Beschimpfung ent hielt, sondern auch einen Beweis für ihre eigene Schlechtigkeit. Denn was antwortete der Herr? "Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt ein Zeichen." Der Sinn dieser Worte ist der: Was Wunder, wenn ihr an mir so handelt, der ich euch bis jetzt unbekannt war; habt ihr es ja doch dem Vater ebenso gemacht, den ihr recht gut kanntet. Ihr habt ihn verlassen und euch zu den Dämonen gewendet und euch damit schlimme Freunde zugezogen. Dasselbe hat ihnen ja auch Ezechiel unaufhörlich zum Vorwurf gemacht1 . Mit diesen Worten wollte er aber nur seine Übereinstimmung mit dem Vater bekunden und zu verstehen geben, daß ihn die Handlungsweise der Juden durchaus nicht befremde; auch enthüllte er so ihr verborgenes Innere und zeigte, daß sie ihre Frage nur aus Heuchelei und in feindseliger Absicht gestellt hatten.

Deshalb nannte er sie ein böses Geschlecht; sie hatten sich je stets undankbar gegen ihre Wohltäter erwiesen und waren durch Wohltaten nur noch schlechter geworden. Das ist aber ein Beweis äußerster Verkommenheit. Ehebrecherisch aber heißt er sie, um damit ihren früheren, wie ihren jetzigen Unglauben zu offenbaren. Auch dadurch zeigt er wieder seine Gleichheit mit dem Vater, insofern auch der Unglaube gegen ihn jemanden zum Ehebrecher macht. Und wie fährt er nach diesem Tadel fort? "Aber ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jonas, des Propheten." Schon bereitet er auf seine Rede über die Auferstehung vor, und will durch dieses Vorbild den Glauben an ihn wecken. Wie also? Wurde ihnen das Zeichen nicht gegeben, wie der Herr sagt? Es wurde ihnen nicht auf ihre Bitte hin gegeben. Denn nicht, um sie zu gewinnen, wirkt der die Zeichen2 , sondern nur, um andere auf den rechten Weg zu führen. Entweder mußte er also dies sagen, oder aber, dass sie keine solche Zeichen erhalten würden, die jenen gleich wären. Denn das Zeichen ward ihnen zuteil, als sie durch ihre eigene Züchtigung seine Macht erfahren mußten. Hier sprach also der Herr eine Drohung aus, und deutete es auch an; gerade als wenn er sagte: Ich habe euch tausendfache Wohltaten erwiesen; nichts von all dem hat euch gerührt und ihr wolltet meine Macht nicht anbeten. Ihr werdet also meine Macht durch das Gegenteil erfahren, wenn ihr sehen werdet, wie die Stadt niedergeworfen ist, wenn ihre Mauern zerstört sind, wenn der Tempel zu einem Trümmerhaufen geworden ist, wenn ihr euere frühere Verfassung und Freiheit werdet verloren haben, und von neuem heimatlos und flüchtig überall umherwandern müßt. Alles das ist ja nach der Kreuzigung des Herrn eingetroffen. Diese Ereignisse werden euch also statt großer Wunderzeichen dienen. Es ist ja auch ein großes Wunder, dass ihr Unglück bis heute andauert, dass unter tausend Versuchen kein einziger das Gericht aufheben konnte, das wider sie ergangen ist.

Allein, dies sagt der Herr nicht; er wartet vielmehr, dass es ihnen in späterer Zeit klar werde. Zunächst beginnt er die Rede über die Auferstehung, von der er wußte, dass ihre späteren Schicksale sie hierüber belehren würden.

V.40: "Denn", sagt er,"wie Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauche des Fisches lag, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde liegen."

Klar und deutlich hat er nicht gesagt, er werde auferstehen; sie hätten ihn nur ausgelacht. Er hat es aber in solcher Weise angedeutet, dass sie sich davon überzeugen konnten, er habe es vorher gewußt. Dass sie es auch tatsächlich wußten, sagten sie zu Pilatus: "Christus, jener Betrüger, hat gesagt, als er noch lebte: Nach drei Tagen wird er wieder auferstehen"3 . Und doch hatten seine eigenen Jünger dies nicht verstanden; sie waren eben zuvor viel weniger einsichtig als jene Pharisäer; darum haben auch diese sich schon sich selbst gerichtet.

1: Ez 16 u.23
2: er wußte ja, dass sie verhärtet seien
3: Mt 27,63

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger