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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Vierundzwanzigste und letzte Unterredung, welche die des Abtes Abraham ist über die Abtödtung.

[S. 386] 1. Das Verlangen, die Verwandten zu besuchen.

So wird denn nun mit Christi Hilfe als vierundzwanzigste Unterredung die des Abtes Abraham vorgelegt, um die Lehren aller Altväter abzuschließen. Wenn ich dann diese mit Hilfe eurer Gebete vollendet habe, so daß die Zahl geheimnißvoll mit jener der 24 Ältesten übereinstimmt, die im Himmel, wie es in der hl. Apocalypse heißt, ihre Kronen dem Lamme darbringen, 1 so glaube ich, daß ihr mich von all meinen versprochenen Verpflichtungen entbinden müßt. Wenn ferner diese unsere vierundzwanzig Altväter wegen des Verdienstes ihrer Lehre irgend mit Ruhm gekrönt sind, so werden sie jenem Lamme, welches für das Heil der Welt geschlachtet wurde, mit gesenktem Haupte [S. 387] opfern; denn es hat sich um der Ehre seines Namens willen herabgelassen, sowohl ihnen einen so hohen Sinn, als auch uns irgendwelche Beredsamkeit zu verleihen, durch die eine solche Tiefe ausgedrückt werden könnte. Und es ist doch nothwendig, daß auf den Urheber aller Güter die Verdienste seiner Gnade zurückbezogen werden, da man ihm gerade um so mehr schuldig wird, je mehr man bezahlt. 2 — Also dem obigen Abraham hinterbrachten wir in ängstlichem Bekenntnisse die Anfechtung in unsern Gedanken, weil wir täglich durch heisse innere Sehnsucht gedrängt wurden, wieder in unsere Provinz zu gehen und unsere Verwandten 3 zu besuchen. Die meiste Veranlassung zu solchem Verlangen entstand uns nemlich daraus, daß wir daran dachten, unsere Verwandten seien ja von so großer Religiosität und Liebe erfüllt, daß wir ihnen unser Unternehmen nicht (fürder) vorziehen dürften. Dabei erwogen wir beständig, daß wir mehr Nutzen aus deren Beharrlichkeit ziehen würden, und mit keiner Sorge um zeitliche Dinge, mit keinen Zerstreuungen wegen Beschaffung des Lebensunterhaltes mehr beladen wären, da ja Jene reichlich und mit Freuden alle Spenden für unsere Bedürfnisse leisten würden. Überdieß weideten wir auch unser Gemüth an der Hoffnung auf eitle Freuden, in dem Glauben, daß wir die reichsten Früchte erzielen würden durch die Bekehrung Vieler, als wären dieselben durch unser Beispiel und Mahnen auf den Weg des Heiles zu leiten. Dazu malte sich noch die Lage der Gegend, in welcher die Besitzung unserer Ahnen war, und die liebliche Anmuth der Landschaft vor unsern Augen aus, wie sie sich hinbreite in Strecken voll erwünschter und passender Einsamkeit, so daß den Mönch die Stille der Wälder nicht nur ergötzen, sondern ihm auch großen Vorrath an [S. 388] Lebensunterhalt bieten könne. Als wir nun dem obengenannten Greise all Dieß nach der Treue unseres Gewissens in Einfalt offenbarten, und mit reichlichen Thränen versicherten, daß wir die Macht der Versuchungen nicht weiter ertragen könnten, wenn uns nicht die Gnade Gottes durch seine Hilfe beistehe: da antwortete Jener nach langem Schweigen und Zögern zuletzt mit schwerem Seufzer also:

1: Es sind aber nicht 24, sondern nur 15 Redner bei den 24 Unterredungen.
2: Weil eben die Gnade der Dankbarkeit, die man von Gott erhält, selbst immer wieder zu Dank verpflichtet.
3: Parentes. Es sind aber nicht nur die Eltern, sondern auch Großeltern, ja sogar Verwandte der Seitenlinie gemeint.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger