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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreiundzwanzigste Unterredung, welche die dritte des Abtes Theonas ist, darüber, daß der Apostel sagt: „Denn nicht das Gute, welches ich will, thue ich, sondern was ich nicht will, das Böse, das thue ich.“

10. Daß Jene, welche nach der Vollkommenheit [S. 367] streben, sich in Wahrheit demüthigen und fühlen, daß sie immer der Gnade Gottes bedürfen.

Da also die Heiligen täglich fühlen, wie sie durch die Last des irdischen Denkens beschwert werden, von jener Geisteshöhe herabfallen und gegen ihren Willen ja selbst ohne ihr Wissen in das Gesetz der Sünde und des Todes hineingezogen werden; wie sie ferner, um Anderes zu übergehen, wenigstens durch jene oben genannten guten und gerechten, aber doch irdischen Werte von der Anschauung Gottes abgerufen werden: so haben sie doch in der That Etwas, weßwegen sie beständig zu Gott seufzen können, haben Etwas, weßwegen sie in Wahrheit voll Demuth und Zerknirschung nicht nur mit Worten, sondern von Herzen sich als Sünder bekennen und wahrhaft Verzeihung für Alles, was sie in den täglichen Niederlagen des gebrechlichen Fleisches begehen, sowie die Gnade Gottes erflehen mögen unter unaufhörlichem Fließen ächter Bußthränen. Sie sehen nemlich, daß sie in dieselben Leidenschaften, wegen welcher sie von beständigem Schmerze gequält werden, bis zum äussersten Lebensende verstrickt bleiben und also selbst ihre Bittgebete nicht ohne ängstliche Gedanken darbringen können. Da sie also erfahren, daß sie mit menschlichen Kräften wegen der hindernden Bürde des Fleisches das ersehnte Ziel nicht erreichen und mit jenem vorzüglichen und höchsten Gute nicht nach Herzenswunsch sich vereinigen können, sondern daß sie von seiner Anschauung hinweg wie Gefangene zu den weltlichen Dingen geführt werden, so eilen sie zu der Gnade Gottes, welche die Sünder gerecht macht, und bekennen mit dem Apostel: 1 „O ich unglücklicher Mensch, wer wird mich befreien von dem Leibe dieses Todes? Die Gnade Gottes durch Jesum Christum unsern Herrn.“ Sie fühlen also, daß sie das Gute, welches sie wollen, nicht vollbringen können, sondern immer in Das [S. 368] fallen, was sie nicht wollen, was sie hassen, in daß Böse, nemlich in die Aufregung der Gedanken und in die Sorge für leibliche Dinge.

1: Röm. 24, 25.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger