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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreiundzwanzigste Unterredung, welche die dritte des Abtes Theonas ist, darüber, daß der Apostel sagt: „Denn nicht das Gute, welches ich will, thue ich, sondern was ich nicht will, das Böse, das thue ich.“

9. Von Gott zu weichen ist verderbenbringend und der sofortige Untergang.

Nicht mit Unrecht dürfte ich nun sagen, daß die Heiligen, welche beständig das Andenken an Gott bewahren, und so gleichsam auf hoch gespannten Pfadlinien mit erhabenern Schritte einhergehen, den Schönobaten, die man gemeinhin Seiltänzer nennt, zu vergleichen seien, da sie all [S. 366] ihr Heil und Leben auf den so engen Pfad jenes Seiles gesetzt haben und nicht zweifeln, daß sie sich sofort in den schrecklichsten Tod stürzen würden, wenn ihr Fuß auch nur mit unbedeutendem Schwanken vom Wege abkäme oder diese heilsame Richtschnur überschreiten würde. Wenn diese also, während sie mit wunderbarer Kunst die ätherischen Schritte durch die leeren Räume lenken, jenen Pfad, der enger ist als eine Fußtapfe, nicht mit vorsichtiger und sorgsamer Abmessung festhalten, so wird ihnen die Erde, welche doch für Alle der natürliche Standpunkt und Jedem die festeste und haltbarste Grundlage ist, zum sofortigen und offenbaren Untergang, nicht weil sie ihre Natur verändert hätte, sondern weil Jene mit der jäh reissenden Last des Fleisches auf sie fallen. So verletzt auch jene unermüdliche Güte Gottes und sein unwandelbares Wesen selbst Niemanden, aber wir bereiten uns selbst den Tod dadurch, daß wir vom Höchsten abweichen und zum Tiefsten streben, ja die Abkehr selbst wird dem sich Abkehrenden zum Tode. Denn es heißt: 1 „Wehe ihnen, weil sie abgewichen sind von mir. Verwüstet sollen sie werden, weil sie untreu wurden gegen mich.“ Und wieder: 2 „Weh’ ihnen, wenn ich gewichen sein werde von ihnen.“ „Denn überführen wird dich deine Bosheit und deine Untreue dich schelten. Wissen sollst du und sehen, daß es böse und bitter ist, den Herrn deinen Gott verlassen zu haben.“ 3 „Denn mit den Banden seiner Sünden wird Jeder gebunden.“ 4 An diese wird ganz passend jenes Zorneswort vom Herrn gerichtet: 5 „Siehe, ihr Alle, die ihr Feuer anzündet, sollt wandeln von Flammen umgürtet im Lichte eures Feuers und in den Flammen, die ihr entzündet habt.“ Und wieder sagt er: 6 „Wer Bosheit entzündet, wird an ihr umkommen.“

1: Ose. 7, 13.
2: Ose. 9, 12.
3: Jerem. 2, 19.
4: Sprüchw. 5, 22.
5: Isai. 50, 11.
6: Sprüchw. 19, 5.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger