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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreiundzwanzigste Unterredung, welche die dritte des Abtes Theonas ist, darüber, daß der Apostel sagt: „Denn nicht das Gute, welches ich will, thue ich, sondern was ich nicht will, das Böse, das thue ich.“

8. Nur sehr Wenige erkennen die Größe und Häßlichkeit der Sünden.

Wenn dagegen Diejenigen, welche ihre höchste Wonne und Freude und Seligkeit in die Betrachtung der göttlichen und geistigen Dinge legen, hievon gegen ihren Willen durch gewaltsam sich aufdrängende Gedanken abgezogen werden, so strafen sie Dieß an sich wie eine Art Gottesraub durch sofortige rächende Buße; und voll Trauer darüber, eine so elende Kreatur, zu welcher der Blick des Geistes sich hingewendet hat, ihrem Schöpfer vorgezogen zu haben, werfen sie sich, ich möchte fast sagen, ein Verbrechen der Gottlosigkeit vor. Mögen sie auch die Augen ihres Herzens mit der größten Schnelligkeit wieder zu der Beschauung der glänzenden Herrlichkeit Gottes hinwenden dürfen, so können sie doch selbst die kürzesten Finsternisse irdischer Gedanken nicht ertragen und verabscheuen Alles, was das Geistesauge von jenem wahren Lichte abzieht. Sagt ja der hl. Apostel [S. 365] Johannes, da er diese Stimmung Allen einflößen will: 1 „Kindlein, wollet nicht die Welt lieben noch auch Das was in der Welt ist. Wenn Jemand die Welt liebt, so ist die Liebe Gottes nicht in ihm, denn Alles, was in der Welt ist, ist Begierlichkeit des Fleisches und Begierlichkeit der Augen und Hoffart des Lebens. Das ist nicht aus dem Vater, sondern aus der Welt, und die Welt sammt ihrer Begierlichkeit vergeht; wer aber den Willen Gottes thut der bleibt in Ewigkeit.“ Es haben also die Heiligen Ekel vor Allem, worin diese Welt sich bewegt; aber es ist unmöglich, daß sie nicht, wenn auch nur in einer kurzen Abschweifung ihrer Gedanken dazu hingerissen werden, und Keiner, mit Ausnahme unsers Herrn und Erlösers, hat bis heute die natürliche Zerstreutheit des Geistes durch beständige Sammlung in der Betrachtung Gottes so im Zaume gehalten, daß er nie von ihr durch Wohlgefallen an irgend einer weltlichen Sache wäre weggerissen worden und so gesündigt hätte. Sagt ja die Schrift: 2 „Selbst die Sterne sind nicht rein vor seinem Auge.“ Und wieder: 3 „Wenn er in seinen Heiligen nicht Verlässigkeit fand und in seinen Engeln Verkehrtheit sah“ oder wie die bessere Übersetzung hat: „Siehe, unter seinen Heiligen war Keiner unveränderlich und die Himmel sind nicht rein vor seinen Augen.“

1: I. Joh. 2, 15 ff.
2: Job 25, 5.
3: Job 15, 5. Das erste ist die Leseart der Vorhieronymiana nach der LXX., das zweite die Vulgata nach dem Hebr.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger