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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreiundzwanzigste Unterredung, welche die dritte des Abtes Theonas ist, darüber, daß der Apostel sagt: „Denn nicht das Gute, welches ich will, thue ich, sondern was ich nicht will, das Böse, das thue ich.“

18. Daß auch die Gerechten und Heiligen nicht ohne Sünde seien.

Vergebens also setzt man der so klaren Wahrheit die Spitze eines dornenvollen Einwandes entgegen, wie ihr kurz vorher gesagt habt: Wenn Niemand ohne Sünde ist, so ist Keiner heilig, und wenn Niemand heilig ist, wird Niemand selig werden. Denn durch dieß Zeugniß des Propheten kann der Knoten dieser Frage gelöst werden. „Siehe,“ sagt er, „du zürnest, und wir sind in Sünden,“ d. i. da du uns wegen der Überhebung unseres Herzens oder seiner Nachlässigkeit feind wurdest und uns deiner Hilfe beraubtest, da verschlang uns sofort der Abgrund unserer Sünden, wie wenn Einer dem helleuchtenden Sonnenkörper sagen würde: „Siehe, du verbargst dich, und sogleich bedeckte uns finstere Nacht.“ Obwohl aber hier der Heilige gesteht, daß er gesündigt habe, und nicht nur Dieß, sondern auch, daß er immer in Sünden gewesen sei, verzweifelt er doch nicht ganz am Heile, sondern fügt bei: „In ihnen waren wir immer und werden gerettet werden.“ Diesen Ausspruch also: „Siehe, du zürnst, und wir haben gesündigt“ will ich mit jenem apostolischen vergleichen: „O ich unglücklicher Mensch, wer wird mich befreien von dem Leibe dieses Todes?“ Ebenso paßt, was der Prophet beifügt: „Wir werden gerettet werden“ zu den folgenden Worten des Apostels: „Die Gnade Gottes durch Jesum Christum, unsern Herrn.“ Nehmen wir die andere Stelle desselben Propheten: „Weh’ mir, weil ich ein Mann von unreinen Lippen bin, und &c.“ — so scheint sie ganz nach den obigen Worten zu klingen: „O ich unglücklicher Mensch &c.“ Dann folgt [S. 381] beim Propheten: 1 „Siehe, da flog zu mir Einer der Seraphim, und in seiner Hand war eine Kohle (oder ein Glühstein), die (den) er mit einer Zange vom Altäre genommen hatte, und er berührte meinen Mund und sprach: Siehe, damit berühre ich deine Lippen, und hinweggenommen wird deine Ungerechtigkeit und deine Sünde gereinigt.“ Das ist so, daß es aus dem Munde Pauli hervorgegangen scheint, der da sagt: „Die Gnade Gottes durch Jesum Christum unsern Herrn.“ Ihr seht also, wie alle Heiligen nicht sowohl im Namen des Volles als in ihrem eigenen eingestehen, daß sie in Wahrheit Sünder seien, und dennoch durchaus nicht an ihrem Heile verzweifeln, sondern die Fülle der Rechtfertigung von der Gnade und Barmherzigkeit des Herrn erwarten, da sie dieselbe von der menschlichen Gebrechlichkeit nicht hoffen können.

1: Is. 6, 6. 7.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger