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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreiundzwanzigste Unterredung, welche die dritte des Abtes Theonas ist, darüber, daß der Apostel sagt: „Denn nicht das Gute, welches ich will, thue ich, sondern was ich nicht will, das Böse, das thue ich.“

16. Was der Leib der Sünde und des Todes sei.

Das ist also der unvermeidliche Leib des Todes, in welchen gerade die Vollkommenen, die da gekostet haben, wie süß der Herr sei, täglich zurücksinken und so mit dem Propheten fühlen, wie böse und bitter es für sie sei, von dem Herrn ihrem Gotte abzulassen. Das ist der Leib des Todes, der sie von der himmlischen Beschauung abzieht und zum Irdischen führt, welcher macht, daß sie beim Psalmensingen und im Gebete niedergeworfen entweder menschliche Gestalten oder Reden, Geschäfte oder überflüssige Handlungen wieder ins Gedächtnis nehmen. Das ist der Leib des Todes, wegen dessen Jene, die der Heiligkeit der Engel nacheifern und beständig Gott anhangen wollen, die volle Erreichung dieses Gutes nicht finden können, da ihnen der Leib des Todes im Wege steht, sondern das Böse thun, welches sie nicht wollen, d. i. auch dem Geiste nach zu jenen Dingen gezogen werden, welche nicht zum Fortschritt in der Tugend und zur Vollkommenheit gehören. Um nun deutlich auszudrücken, daß er Dieß von den Heiligen, den Vollkommenen und den ihm Ähnlichen sage, bezeichnet der hl. Apostel gleichsam mit dem Finger und greifbar sich selbst und fügt sogleich bei: „Daher ich selbst,“ d. i. der ich Dieß verkünde, ich offenbare die Schlupfwinkel meines eigenen, nicht eines fremden Gewissens. Diese Redeweise pflegt in der That der Apostel vertraulich anzuwenden, wenn er gerade sich selbst besonders bezeichnen will, wie dort: 1 „Ich selbst, Paulus, beschwöre euch bei der Sanft- [S. 378] muth und Bescheidenheit Christi;“ und wieder: 2 „Als daß ich euch nicht zur Last fiel,“ oder: „Aber sei es, ich selbst fiel euch nicht zur Last;“ und anderswo: 3 „Ich selbst, Paulus, sage euch, wenn ihr euch beschneiden lasset, so wird euch Christus Nichts nützen;“ und an die Römer: 4 „Ich selbst wünschte verdammt zu sein, hinweg von Christus, für meine Brüder.“ Es kann aber auch nicht unpassend so verstanden werden, daß er ausdrücklicher und mit Emphase sagen will: „Ich nun selbst,“ d. i. ich, von dem ihr wisset, daß er ein Apostel Christi sei, den ihr mit aller Hochachtung verehret, von dem ihr glaubt, daß er so groß und vollkommen sei, und in welchem Christus redet: ich gestehe, daß ich dem Fleische nach dem Gesetze der Sünde diene, während ich dem Geiste nach dem Gesetze Gottes unterwürfig bin; d. h. durch die Zerstreuung gemäß des menschlichen Looses werde ich zuweilen vom Himmlischen zum Irdischen gerissen, und die Höhe meines Geistes sinkt herab zu den Sorgen um niedrige Dinge. Durch dieß Gesetz der Sünde fühle ich mich jeden Augenblick so gefangen, daß ich trotz unbeweglichen Beharrens bei dem Verlangen nach Gottes Gesetz doch einsehe, wie ich auf keine Weile der Gewalt dieser Gefangenschaft entgehen kann, wenn ich nicht immer zu der Gnade des Erlösers fliehe.

1: II. Kor. 10. 1.
2: II. Kor. 12, 14. 16.
3: Gal. 5, 2.
4: Röm. 9, 3.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger