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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreiundzwanzigste Unterredung, welche die dritte des Abtes Theonas ist, darüber, daß der Apostel sagt: „Denn nicht das Gute, welches ich will, thue ich, sondern was ich nicht will, das Böse, das thue ich.“

[S. 372] 13. Auslegung der Stelle: „Ich weiß aber, daß in mir d. i. in meinem Fleische nichts Gutes wohnt.“ 1

Weil also jener erste Fluch Gottes uns fleischlich machte und uns zu Dornen und Disteln verurtheilte und unser Stammvater uns in einem so frevelhaften Handel verkaufte, daß wir das Gute, welches wir wollen, nicht thun können, da wir uns, abgezogen von dem Andenken an den höchsten Gott, angetrieben fühlen, an Das zu denken, was Sache der menschlichen Gebrechlichkeit ist, und trotz unserer brennenden Liebe zur Reinheit so häufig von den natürlichen Glutpfeilen, die wir gar nicht kennen möchten, selbst gegen unsern Willen getroffen werden: so wissen wir, daß in unserm Fleische nicht Gutes wohnt, d. i. nicht die immerwährende, beständige Ruhe der genannten Beschauung und Reinheit. Es ist vielmehr jener gar arge und traurige Bruch in uns geschehen, daß wir mit dem Geiste dem Gesetze Gottes dienen wollen, voll Verlangen, niemals den Blick von der göttlichen Klarheit abzuwenden; dagegen aber, umgossen von fleischlicher Finsterniß, durch ein gewisses Gesetz der Sünde gezwungen werden, uns von Dem zu trennen, was wir als Gutes erkannt haben. So fallen wir von jener Erhabenheit des Geistes zu den irdischen Sorgen und Gedanken ab, zu denen uns nicht mit Unrecht das Gesetz der Sünde verurtheilte, d. i. jener Spruch Gottes, welchen der erste Sünder empfieng, und daher kommt es nun, daß der hl. Apostel, da er ganz offen gesteht, wie sowohl er als alle Heiligen durch die unvermeidliche Notwendigkeit dieser Sünde gebunden seien, dennoch kühn behauptet, daß Keiner von ihnen deßhalb zu verdammen sei: 2 „Es ist also Nichts von Verdammung an Jenen, welche in [S. 373] Christo Jesu sind; denn das Gesetz des Lebens in Christo Jesu hat mich befreit von dem Gesetze der Sünde und des Todes;“ d. i. die tägliche Gnade Christi befreit alle seine Heiligen von diesem Gesetze der Sünde und des Todes, dem sie beständig auch gegen ihren Willen verfallen müssen, wenn sie vom Herrn Nachlaß ihrer Schuld erflehen. Ihr seht also, daß der hl. Apostel nicht aus dem Munde der Sünder, sondern Jener, welche wahrhaft heilig und vollkommen sind, den Ausspruch genommen habe: „Denn nicht was ich will, das Gute, das thue ich, sondern was ich hasse, das Böse, übe ich;“ und: „Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetze meines Geistes widerstreitet und mich gefangen führt in das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“

1: Röm. 7, 18. „Fleisch“ ist gewöhnlich von dem ganzen Menschen zu verstehen, besonders soweit er sündenbefleckt ist.
2: Röm. 8, 1. 2.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger