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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Dreiundzwanzigste Unterredung, welche die dritte des Abtes Theonas ist, darüber, daß der Apostel sagt: „Denn nicht das Gute, welches ich will, thue ich, sondern was ich nicht will, das Böse, das thue ich.“

11. Auslegung jener Stelle: „Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetze Gottes nach dem innern Menschen &c.“

Sie haben also zwar Wohlgefallen an dem Gesetze Gottes nach dem innern Menschen, der alles Sichtbare übersteigt und beständig mit Gott vereint zu sein sucht; aber sie sehen ein anderes Gesetz in ihren Gliedern, d. i. in dem Zustande der menschlichen Natur eingewurzelt, das dem Gesetze ihres Geistes widerstreitet und den Sinn mit dem gewaltthätigen Gesetze der Sünde gefangen fortreißt, indem es ihn antreibt, jenes höchste Gut zu verlassen und in irdisches Denken herabzusteigen. Obgleich nun Dieses notwendig und dem Körper nützlich scheint, wenn es auf Veranlassung irgend eines religiösen Bedürfnisses angewendet wird, so erklären es doch im Vergleiche zu jenem Gute, welches den Blick aller Heiligen ergötzt, Diejenigen für böse und der Flucht würdig, welche durch Dasselbe irgendwie auch nur für kurze Zeit von der Wonne jener vollkommenen Seligkeit abgezogen werden. Denn es ist wahrhaft ein Gesetz der Sünde, welches die Untreue des Stammvaters in das menschliche Geschlecht hereingebracht hat, also die Schuld Desjenigen, gegen welchen das Urtheil des gerechtesten Richters gefällt wurde: 1 „Verflucht sei die Erde ob deines Thuns; Dornen und Disteln wird sie dir tragen und im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brod essen.“ Das sage ich, ist das Gesetz, welches in die Glieder aller Sterblichen eingewurzelt ist, das dem Gesetze unseres Geistes widerstreitet und ihn von der göttlichen Schauung abhält, das auf der verfluchten Erde nach der Ertenntniß des [S. 369] Guten und Bösen die Dornen und Disteln der Gedanken sprossen läßt, deren Stacheln den Samen der Tugenden im Keime ersticken, damit wir jenes unser Brod, welches vom Himmel kam und das Menschenherz stärkt, nicht ohne den Schweiß unseres Angesichtes essen können.

1: I. Mos. 3, 17 nach der Septuaginta.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger