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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Neunzehnte Unterredung, welche die des Abtes Johannes ist, über das Ziel des Mönches und des Einsiedlers.

2. Von der Demuth des Abtes Johannes.

In diesem Kloster also fanden wir einen hochbejahrten Greis mit Namen Johannes, dessen Wort und Demuth, durch die er vor allen Heiligen sich auszeichnete, wir nicht mit Stillschweigen übergehen zu müssen glaubten, da wir wußten, daß er besonders in jener Vollkommenheit stark war, welche, obwohl sie die Mutter aller Tugenden und die festeste Grundlage des ganzen geistigen Baues ist, von unsern Instituten beinahe in die Verbannung kam. Deßhalb ist es kein Wunder, daß wir nicht zu der Erhabenheit Jener emporsteigen können, da wir ja nicht im Stande sind, ich will nicht sagen bis ins Greisenalter in der Zucht des Klosters auszuharren, sondern auch nur zwei Jahre mit Zufriedenheit das Joch der Unterwerfung zu tragen, so daß wir sogleich wieder eilen, uns schädliche Freiheiten herauszunehmen, während wir doch selbst in dieser kurzen Zeit nicht nach jener Strenge der Regel, sondern nur irgend wie nach der Freiheit unserer Willkür dem Befehle des Obern uns unterwarfen, so daß es scheint, als wollten wir nicht die Frucht der Geduld lernen, sondern nur die Zeit für die Wiedererlangung der Zügellosigkeit abwarten. Nachdem wir also diesen Greis in dem Kloster des Abtes Paulus gesehen hatten, bewunderten wir zuerst das Alter und die Gnade, mit welcher der Mann begabt war, und fiengen dann, das Antlitz zur Erde gebeugt, an, zu bitten, er möge sich herablassen, uns zu offenbaren, warum er die Freiheit der Wüste und jenen hohen Beruf, in welchem ihn vor allen andern Männern derselben Lebensweise der Ruf verherrlicht hatte, lieber verlassen und sich unter das Joch des Klosters beugen wollte. Jener sagte, er sei wegen seiner Unfähigkeit zu der anachoretischen Disciplin und [S. 245] wegen seiner Unwürdigkeit zu einer so hohen und großen Vollkommenheit in die Schulen der Jüngeren zurückgekehrt, ob er vielleicht doch wenigstens die Satzungen dieser so erfüllen könne, daß er die Verdienste dieses Berufes erlange. Als wir durch Wiederholung unserer Bitte diese demüthige Antwort zurückwiesen, begann er endlich also:

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger