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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Achtzehnte Unterredung, welche die des Abtes Piammon ist, über drei alle Arten von Mönchen und eine vierte, neu entstandene.

7. Von dem Anfange und der Lebensweise der Sarabaiten.

Während sich nun die christliche Religion dieser beiden Mönchsarten erfreute, da entstand hernach, als selbst diese Lebensweise allmälig anfieng, in Verschlimmerung zu fallen, [S. 221] jenes schlechteste, treulose Mönchsgeschlecht, oder vielmehr es wuchs zu neuem Leben auf jene schädliche Pflanzung die mit Ananias und Sapphira im Anfange der Kirche keimte, aber durch die Strenge des Apostels Petrus ausgeschnitten wurde, und die unter den Mönchen so lange für verabscheuungs- und fluchwürdig galt und bei Keinem Annahme fand, als im Gedächtnisse der Gläubigen der Schrecken über jenes so strenge Urtheil haftete, in welchem der hl. Apostel die genannten Urheber eines neuen Verbrechens nicht durch Buße, nicht durch irgend eine Genugthuung zur Heilung kommen ließ, sondern den verderblichen Sprößling in schnellem Tode hinwegriß. Als nun dieß Strafbeispiel, welches gegen Ananias und Sapphira mit apostolischer Strenge aufgestellt worden war, aus der Erwägung Mancher durch lange Sorglosigkeit und die verwischende Zeit nach und nach hinweggenommen war, da entstand jene Art der Sarabaiten, welche davon, daß sie sich selbst von den Klostergemeinden zur Selbstständigkeit abtrennten, und ihre Bedürfnisse für sich besorgten, nach der Eigenthümlichkeit der ägyptischen Sprache Sarabaiten genannt wurden. 1 Sie giengen also aus der Zahl Jener hervor, welche, wie oben gesagt, die evangelische Vollkommenheit lieber heucheln als in Wahrheit annehmen wollten, angeregt von der Eifersucht mit Jenen oder deren Lob, welche die vollkommene Blöße Christi allen Reichthümern der Welt vorziehen. Während also Diese mit schwachem Gemüthe eine Sache von höchster Kraft anstreben, oder nur von Noth getrieben zu diesem Berufe kommen und nur dem Namen nach für Mönche gehalten werden wollen ohne jede Nachahmung der Bestrebungen, suchen sie keineswegs die Zucht der Klöster, [S. 222] noch wollen sie sich dem Willen der Altväter unterwerfen oder nach Anleitung dieser ihre Neigungen überwinden lernen und in geordneter Schule irgend eine Regel der gesunden Vernunft annehmen, sondern indem sie nur nach aussen, d. i. vor den Augen der Menschen entsagen, verharren sie entweder in ihren Wohnungen unter dem Schutze des Mönchs-Namens bei den alten Beschäftigungen, oder sie bauen sich Zellen, nennen sie Klöster und wohnen darin nach eigenem Recht und Gutdünken, ohne sich irgend wie den evangelischen Geboten zu beugen, daß sie sich nemlich mit keiner Ängstlichkeit um den täglichen Lebensunterhalt, mit keinen zerstreuenden Vermögensangelegenheiten abgeben sollen. Das thun allein Jene ohne ungläubiges Schwanken, welche frei von allen Gütern dieser Welt sich den Klostergesetzen so unterworfen haben, daß sie bekennen, sie besäßen nicht einmal sich selbst. Jene aber, welche, wie gesagt, die Strenge des Klosters vermeiden, und zu Zweien oder Dreien in Zellen wohnen, nicht zufrieden, durch die Sorgfalt und den Befehl des Abtes geleitet zu werden, sondern nur darauf besonders bedacht, daß sie los von dem Joche der Väter die Freiheit haben, ihren Willen zu thun, nach Belieben auszugehen und umherzuschweifen und zu thun, was ihnen gefällt, — sie verzehren sich bei Tag und Nacht noch mehr in ihren täglichen Arbeiten als Jene, die in den Klöstern leben, aber nicht mit demselben Glauben und dem gleichen Ziele. Denn sie thun Dieß nicht, um die Frucht ihrer Arbeit dem Gutdünken des Austheilenden zu überlassen, sondern um Geld zu erwerben, das sie verbergen können. Merket nun, was für ein Unterschied zwischen beiden sei. Jene denken nicht an den kommenden Tag und bringen Gott die angenehmsten Opfer ihres Schweißes dar. Diese aber dehnen ihre ungläubige Sorglichkeit nicht nur auf den folgenden Tag, sondern auch auf die Dauer vieler Jahre aus, und halten Gott entweder für lügenhaft oder für arm, so daß er ihnen die versprochene hinreichende Menge der täglichen Nahrung und Kleidung entweder nicht geben wolle oder nicht könne. Jene streben [S. 223] mit all ihren Wünschen darnach, die ἀκτημοσύνη, d. i. die Entblößung von allen Dingen und die Armuth zu besitzen. Diese aber wollen Überfluß an allen Mitteln erlangen. Jene bemühen sich deßhalb in die Wette, die festgesetzte Zeit mit ihren täglichen Arbeiten zu überschreiten, damit, was immer dem geweihten Gebrauche des Klosters überflüssig ist, entweder in den Gefängnissen oder in der Gastherberge, im Krankenhause oder an die Armen nach des Abtes Gutdünken vertheilt werde; Diese aber, damit, was immer die tägliche Gaumenlust überließ, entweder einem noch ausgelassenern Vergnügen diene, oder wenigstens mit dem Laster der Geldgier verborgen werde. Wenn wir endlich auch zugeben, daß Diese Das, was sie nicht in bester Absicht zusammenbringen, vielleicht besser verwenden, als wir gesagt haben, so haben sie nicht einmal so Anspruch auf das Tugend-Verdienst und die Vollkommenheit Jener. Denn indem Diese dem Kloster solche Einkünfte verschaffen, denen sie täglich entsagen, bleiben sie in solch demüthiger Unterwürfigkeit, daß sie sowohl der Macht über sich selbst als über Das, was sie mit eigenem Schweiße erworben, beraubt sind und den Elfer der ersten Entsagung beständig erneuern, da sie täglich die Früchte ihrer Arbeit hingeben. Jene aber fallen gerade dadurch, daß sie den Armen hochmüthig Etwas geben, täglich jählings abwärts. Die Andern macht die Geduld und Strenge, mit der sie so ergeben in dem einmal ergriffenen Berufe verharren, daß sie nie ihren Willen thun, täglich zu Gekreuzigten für diese Welt und zu lebenslangen Märtyrern; Diese stürzt die Lauheit ihres Eigenwillens lebend in die Hölle. Diese zwei Mönchsarten nun wetteifern mit einander in unserer Provinz bei fast gleicher Zahl. Aber in andern Gegenden, welche zu durchwandern die Noth des katholischen Glaubens mich antrieb, sah ich, daß diese dritte Art der Sarabaiten in der Überzahl und fast die einzige sei. Zu den Zeiten des Lucius 2 nemlich, [S. 224] welcher Bischof der arianischen Ruchlosigkeit war, unter der Regierung des Valens, als ich den Brüdern die Liebesgaben brachte, nemlich jenen, welche aus Ägypten und der Thebais wegen ihrer Sündhaftigkeit im katholischen Glauben zu den Bergwerken von Pontus und Armenien verbannt worden waren, fand ich wohl selbst die Klosterregel in manchen Orten sehr selten, von den Anachoreten aber hatten sie nicht einmal den Namen gehört. 3

1: Der hl. Hieronymus nennt sie Ramoboth, und eifert gleichfalls sehr gegen sie, wie auch Andere, z. B. Benedikt, Isidor &c. Geistiger Hochmuth scheint wohl neben der Habsucht ihr Hauptlaster gewesen zu sein. Daraus entstand die ihnen von Hieronymus so sehr vorgeworfene Heuchelei. — Der Name Sarabaiten ist nach Ursprung und Bedeutung unklar.
2: Lucius, nach dem hl. Athanasius arianischer Gegenbischof von Alexandrien, war sehr grausam gegen die Katholiken, besonders die Mönche. Theodosius vertrieb ihn.
3: Baronius (tom. IV. ann.) sagt dagegen, daß nach Gregor von Nazianz und Basilius damals viele Mönche und Anachoreten in Pontus gewesen seien.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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