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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Achtzehnte Unterredung, welche die des Abtes Piammon ist, über drei alle Arten von Mönchen und eine vierte, neu entstandene.

5. Von welchen Gründern der Orden der Cönobiten errichtet worden sei.

Die Regel der Cönobiten nun nahm ihren Anfang von der Predigt der Apostel; denn es war in Jerusalem jene ganze Menge der Gläubigen von dieser Art, wovon in der Apostelgeschichte so geschrieben steht: 1 „Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele, und Niemand nannte Etwas von Dem, was er besaß, sein eigen, sondern es war ihnen Alles gemeinsam.“ Sie verkauften ihre Besitztümer und ihre Habe und verteilten unter Alle, wie es Jedem nöthig war. Und wieder: „Auch war kein Dürftiger unter ihnen; denn Alle, welche Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Erlös für das Verkaufte und legten ihn zu den Füßen der Apostel nieder: ausgetheilt aber wurde Jedem, wie er es nöthig hatte.“ Damals also war die ganze Kirche so beschaffen, wie man jetzt nur Wenige mit Mühe in den Klöstern findet. Aber nach dem Hingange der Apostel fieng die Menge der Gläubigen an, lau zu werden, besonders jene, welche zumeist von fremden und verschiedenen Heidenvölkern her zum Glauben Christi zuströmte, und von welchen die Apostel wegen ihrer Neuheit im Glauben und der veralteten heidnischen Gewohnheiten Nichts verlangen, als daß sie von den Götzenopfern, von der Unzucht, dem Erstickten und vom Blute sich enthalten sollten. Doch diese [S. 218] Freiheit, welche den Heroen wegen der Schwäche des ersten Glaubens vergönnt wurde, fieng allmälig auch an, die Vollkommenheit der Kirche von Jerusalem zu beflecken, und es erkaltete bei dem täglichen Zuwachs an Eingeborenen und Fremden jene erste Glaubensglut. Da ließen nicht nur Jene, welche zum Glauben Christi herbeiströmten, sondern auch Diejenigen, welche die Vorsteher der Kirche waren, von solcher Strenge ab. Denn Manche glaubten, daß Das, was sie den Heiden wegen ihrer Schwäche zugestanden sahen, auch ihnen erlaubt sei, und meinten, sie würden keinen Schaden leiden, wenn sie im Besitze von Hab und Gut dem Glauben und Bekenntnisse Christi folgen würden. Diejenigen aber, welchen noch der apostolische Eifer innewohnte, gierigen eingedenk jener frühern Vollkommenheit hinweg von ihren Städten und der Umgebung Jener, die da glaubten, daß die Sorglosigkeit eines freien Lebens ihnen und der Kirche Gottes erlaubt sei, wohnten auf dem Lande und in verborgenen Gegenden und fiengen an, das, was nach ihrer Erinnerung von den Aposteln allgemein für den ganzen Leib der Kirche eingesetzt war, für sich und getrennt zu üben; und so erstarkte die genannte Schule von Jüngern, welche sich von der befleckenden Berührung mit den Andern getrennt hatten. Diese wurden nach und nach im Verlaufe der Zeit in ihrer Trennung von den Schaaren der Gläubigen, deßhalb, weil sie sich der Ehe enthielten und von dem Umgänge mit den Eltern und dem Verkehre mit dieser Welt sich lossagten, Mönche oder Monazontes genannt, wegen der Strenge ihres besondern und einsamen Lebens. Daraus folgte, daß sie wegen ihres gemeinschaftlichen Zusammenlebens Cönobiten, und ihre Zellen und Wohnhäuser Cönobien hießen. Das war also allein die älteste Art der Mönche, war nicht nur der Zeit, sondern auch der Gnade nach die erste, und dauerte durch sehr viele Jahre unentstellt bis zu den Zeiten des Abtes Paulus oder Antonius. Ihre Spuren sehen wir auch jetzt noch in strengen Klöstern vorhanden.

1: Apostelg. 4, 32. 34. 35.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Gregor Emmenegger