Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Sechzehnte Unterredung, welche die erste des Abtes Joseph ist, über die Freundschaft.

26. Antwort, daß der Schwache nicht zuläßt, daß man ihn ertrage.

Joseph: Ich habe auch nicht gesagt, daß die Kraft und und Geduld Dessen, der tapfer und stark ist, besiegt werde, sondern daß der arge Zustand des Schwachen, genährt durch die Duldung des Gesunden, und täglich zur Verschlimmerung sich neigend, Verhältnisse erzeugen dürfte, um deren willen er entweder nicht weiter ertragen zu werden brauchte, oder in der Vermuthung, daß die Geduld des Nächsten ebenso bekannt sei als die Häßlichkeit seiner Ungeduld, lieber einmal selbst sich trennen möchte, als immer von der Großmuth des Andern geduldet zu werden. Wir glauben [S. 164] also, daß Diejenigen, welche den Affekt der Freundschaft unverletzt bewahren wollen, vor Allem Folgendes beachten müssen: Daß fürs Erste der Mönch, er möge durch was immer für Beleidigungen gereizt sein, nicht nur die Lippen, sondern auch die Tiefen seines Herzens in Ruhe bewahre: wenn er aber bemerkt, daß diese auch nur obenhin aufgeregt worden sind, so halte er voll Schweigsamkeit sich im Zaume und beachte sorgfältig, was der Psalmist sagt: 1 „Erregt wurde ich, und nicht habe ich gesprochen.“ Und: 2 „Ich sprach: Wahren will ich meine Wege, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge. Ich setze meinem Munde Wache, so sich der Sünder stellet wider mich. Ich verstummte und beugte mich und schwieg selbst vom Guten.“ Auch bringe er nicht im Hinblicke auf die gegenwärtige Lage Das vor, was ihm im Augenblicke der stürmische Zorn eingibt, oder das erbitterte Gemüth vorspricht, sondern er erwäge die frühere Gunst und Liebe oder schaue im Geiste auf die Erneuerung des wiederherzustellenden Friedens und betrachte ihn selbst zur Zeit der Aufregung als sofort wiederlehrend. Während er sich so spart für die Süßigkeit der bald folgenden Eintracht, wird er die Bitterkeit des gegenwärtigen Zankes nicht merken, und so besonders solche Antworten geben, durch welche er weder vor sich selbst schuldig werden, noch von dem Andern nach Wiederherstellung der Freundschaft getadelt werden kann. So wird er den Ausspruch des Propheten erfüllen: 3 „Im Zorn sei eingedenk der Barmherzigkeit!“

1: Ps. 76, 5.
2: Ps. 38, 2. 3.
3: Habakuk 3, 2.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. Neunte Unterredung, ...
. Zehnte Unterredung, ...
. Vorwort des Johannes ...
. Elfte Unterredung, ...
. Zwölfte Unterredung ...
. Dreizehnte Unterredung, ...
. Vierzehnte Unterredung, ...
. Fünfzehnte Unterredung, ...
. Sechzehnte Unterredung, ...
. . Mehr
. . 11. Daß es Solchen, ...
. . 12. Warum in der Unter...
. . 13. Daß die Liebe ...
. . 14. Über die Stufen ...
. . 15. Von Jenen, welche ...
. . 16. Daß unsere Gebets...
. . 17. Von Jenen, welche ...
. . 18. Von Jenen, welche ...
. . 19. Von Jenen, welche ...
. . 20. Von der erheuchelten ...
. . 21. Frage, wie denn ...
. . 22. Antwort, daß Chri...
. . 23. Daß Jener tapfer ...
. . 24. Daß Schwache gern...
. . 25. Frage, wie Jener ...
. . 26. Antwort, daß der ...
. . 27. Wie der Zorn zu ...
. . 28. Daß Freundschaften, ...
. Siebzehnte Unterredung, ...
. Vorwort des Johannes ...
. Achtzehnte Unterredung, ...
. Neunzehnte Unterredung, ...
. Zwanzigste Unterredung, ...
. Einundzwanzigste Unter...
. Zweiundzwanzigste Unte...
. Dreiundzwanzigste Unte...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger