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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Sechzehnte Unterredung, welche die erste des Abtes Joseph ist, über die Freundschaft.

17. Von Jenen, welche meinen, daß man mit den [S. 155] Weltlichen mehr Geduld haben müsse als mit den Brüdern.

Wie sehr muß man es auch beweinen, daß einige Brüder, wenn sie durch die Beleidigung irgend eines Wortes erzürnt sind und sich nun durch die Bitten eines Andern, der sie besänftigen will, belästigt fühlen, sobald sie hören, wie man gegen den Bruder durchaus keinen Zorn fassen oder behalten dürfe nach jener Schriftstelle: „Wer seinem Bruder zürnt, ist dem Gerichte verfallen“ und: „Die Sonne soll nicht untergehen über eurem Zorn:“ daß diese nun, sage ich, sogleich ausrufen: „Wenn ein Heide oder ein Weltlicher Dieß gethan oder Jenes gesagt hätte, so müßte es freilich ausgehalten werden; wer aber sollte einen Bruder ertragen, der sich einer so schweren Schuld bewußt ist, der eine so unverschämte Schmähung von seinem Munde gab?“ Als ob die Geduld nur den Ungläubigen und Sakrilegischen, nicht aber Allen insgesammt zu bieten wäre, und als ob der Zorn gegen den Heiden für schädlich, gegen den Bruder aber für nützlich zu halten wäre, während doch in allweg die hartnäckige Aufregung des verstörten Geistes den gleichen Schaden bringt, gegen wen sie nur immer gerichtet sein mag ! Welche Hartnäckigkeit, ja welchen Wahnsinn verräth es aber, daß ein Solcher nicht einmal die eigentliche Bedeutung der Worte in der Verblüffung seines stumpfen Geistes unterscheidet! Es wird ja doch nicht gesagt: „Jeder, der einem Fremden zürnt, ist verfallen dem Gerichte,“ womit vielleicht eine Ausnahme gegeben sein könnte Betreffs der Genossen unsers Glaubens und Wandels; sondern deutlich drückt sich das evangelische Wort aus, da es sagt: „Jeder, der seinem Bruder zürnt, wird verfallen sein dem Gerichte.“ Obwohl wir also nach der Regel der Wahrheit jeden Menschen für einen Bruder halten müssen, so ist doch an dieser Stelle mehr der Gläubige und Berufsgenosse als der Heide mit dem Namen Bruder bezeichnet.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger