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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Vierzehnte Unterredung, welche die elfte des Abtes Nesteros ist, über die geistliche Wissenschaft.

17. Welchen die vollkommene Lebensweise kund gemacht werden müsse?

Hüte dich auch, daß du nicht Das, was du in Lesung und mühevoller Erfahrung gelernt hast, wenn dich das reifere Alter zum Lehren führt, aus eitler Ruhmsucht ohne Unterschied selbst unreinen Menschen vortragest und so in Das fallest, was der so weise Salomon verboten hat: 1 „Führe nicht den Gottlosen auf die Weide des Gerechten und laß dich nicht verleiten durch die Sattheit des Leibes!“ „Denn 2 nicht nützen dem Thoren die Freuden,“ und 3 „Weisheit ist nicht Bedürfniß, wo der Verstand fehlt; höher wird ja die Thorheit geschätzt,“ denn 4 „ein hartköpfiger Knecht wird nicht durch Worte gebessert; denn wenn er dich auch verstanden hat, wird er nicht gehorchen;“ ferner: 5 „Sage doch Nichts in das Ohr des Thoren, damit [S. 124] er nicht deine weisen Reden verlache;“ und: 6 „Gebet nicht das Heilige den Hunden und werfet eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie dieselben nicht mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden, euch zu zerreissen.“ Du mußt also vor solchen Menschen die Geheimnisse des geistigen Sinnes verbergen und nachdrücklich sagen: 7 „In meinem Herzen berge ich deine Worte, um nicht zu sündigen vor dir.“ Aber du sagst vielleicht: „Welchen sind dann nun die Geheimnisse der hl. Schriften mitzutheilen?“ Es belehrt dich hierüber der weise Salomon: 8 „Gebet starkes Getränke denen, die in Traurigkeit sind, und Wein den Schmerzbeladenen, damit sie vergessen ihrer Armuth und der Schmerzen nicht fürder gedenken,“ d. h. Denen, welche in Neue über ihre frühern Thaten von Schmerz und Trauer gedrückt werden, gießet die Wonne der geistlichen Wissenschaft wie Wein, der das Menschenherz erfreut, reichlich ein und erquicket sie mit der Trunkenheit des Heilswortes, damit Solche nicht in beständigen Schmerz und tätliche Verzweiflung sinken und von zu großer Trauer verzehrt werden. Von Jenen aber, die sich in Lauheit und Nachlässigkeit befinden und von keiner Herzenspein gequält werden, heißt es: 9 „Wer wohlig und ohne Schmerz ist, wird in Armuth sein.“ Verhüte also mit aller Vorsicht, daß du nicht etwa von eitler Ruhmsucht hingehalten keinen Theil mit Jenem habest, den der Prophet lobt, weil er 10 „sein Geld nicht auf Wucher lieh“. Es heißt von den Aussprüchen Gottes: 11 „Die Worte des Herrn sind keusche Worte, im Feuer geläutertes Silber, bewährt der Erde und siebenfach gereinigt.“ Wer nun immer die Worte Gottes aus Sucht nach Menschenlob mittheilt, der gibt sein Geld auf Wucher und wird für dieses Lob nicht nur keinen Lohn, sondern sogar Strafe empfangen. Denn dazu wollte er das Geld Gottes verschwenden, daß er selbst [S. 125] dafür zeitlichen Lohn erhalte, nicht daß, wie geschrieben steht, der Herr, wenn er kommt, mit Zins wieder bekomme, was sein ist.

1: Sprüchw. 19, 10.
2: Sprüchw. 19, 10.
3: Sprüchw. 18, 2.
4: Sprüchw. 29, 19.
5: Sprüchw. 23, 9. Die Vulgata ist in all diesen Stellen sehr abweichend.
6: Matth. 7, 6.
7: Ps. 118, 11.
8: Sprüchw. 31, 6.
9: Sprüchw. 21, 5.
10: Ps. 14, 5.
11: Ps. 11, 7.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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