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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zwölfte Unterredung welche die zweite des Abtes Chäremon ist, über die Keuschheit.

10. Antwort, daß eine im Schlafe entstehende fleischliche Aufregung der Keuschheit nicht schade.

Chäremon: Es zeigt sich, daß ihr die Tugend der wahren Keuschheit noch nicht erkannt habt, da ihr glaubt, sie könne nur mit Hilfe der Strenge von den Wachenden bewahrt werden. In Folge dessen meint ihr, daß, wenn im Schlafe der Ernst des Gemüthes erschlafft, auch die Unversehrtheit nicht bleiben könne. Nun besteht aber die Keuschheit nicht, wie ihr glaubt, durch den Schutz der Strenge, sondern durch die Liebe zu sich selbst, durch Das Wohlgefallen an ihrer eigenen Reinheit. Denn nicht Keuschheit, sondern Enthaltsamkeit nennt man es, wo immer ihr noch irgend eine Lüsternheit feindlich widersteht. Ihr seht also, daß denen, welche durch Gottes Gnade die Liebe zur Keuschheit im Innern erhalten haben, jener Nachlaß der Strenge im Schlafe nicht schade, da ja dieselbe sogar den Wachenden sich nur zu deutlich als treulos beweist. Denn was immer mit Mühe unterdrückt wird, Das gewährt zwar dem Kämpfenden einen zeitweiligen Waffenstillstand, aber nicht beständige, sichere Ruhe nach der Arbeit. Was aber durch tief gewurzelte Tugend besiegt ist, Das ist ohne jeden Schein von Unruhe beigelegt und läßt dem Sieger die dauernde Sicherheit des Friedens. So lange wir also fühlen, daß wir durch die Erregung des Fleisches beunruhigt werden, mögen wir wissen, daß wir noch nicht zu dem Gipfel der Keuschheit gelangt sind, sondern noch in dem schwächern Zustande der Enthaltsamkeit uns befinden und durch Kämpfe ermüdet werden, deren Erfolg immer zweifelhaft sein muß. [S. 47] Wenn ihr aber die Aufregung des Fleisches dadurch als unvermeidlich beweisen wollt, daß selbst die Verschnittenen nach Wegnahme der Zeugungstheile nicht von ihr frei sein können, so müßt ihr wissen, daß diesen nicht die fleischliche Brunst und die lüsterne Begierde fehlen, sondern nur die Kraft des zeugenden Samens. Es ist also klar, daß auch diese, wenn sie zu der von uns angestrebten Keuschheit gelangen wollen, in der Demuth, Zerknirschung des Herzens und Strenge der Enthaltsamkeit nicht schlaffer sein dürfen, obwohl man nicht läugnen kann, daß die Keuschheit von ihnen mit weniger Mühe und Anstrengung erreicht werden könne.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger