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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zwölfte Unterredung welche die zweite des Abtes Chäremon ist, über die Keuschheit.

4. Daß zur Erlangung der keuschen Reinheit die Anstrengung der menschlichen Mühe nicht hinreiche.

Wir dürfen jedoch sicher sein, daß wir trotz Anwendung der ganzen Strenge der Enthaltsamkeit, nemlich des Hungers und Durstes, der Nachtwachen und beständigen Arbeit und des unaufhörlichen Eifers in der Lesung doch die immerwährende Reinheit und Keuschheit nicht durch Das Verdienst dieser Mühen erlangen werden, wenn wir nicht bei dieser beharrlichen Anstrengung uns durch die Erfahrung belehren lassen, daß die Unversehrtheit dieser Tu- [S. 34] gend durch die Freigebigkeit der göttlichen Gnade geschenkt werde. Es soll also Jeder einsehen, daß er nur darum unermüdet in solchen Übungen ausdauern müsse, um durch derartige Buße die Barmherzigkeit des Herrn zu erlangen und so von der Anfechtung des Fleisches und der Herrschaft der übermächtigen Laster durch göttliches Gnadengeschenk frei zu werden, nicht aber als ob er sich verlasse, durch jene selbst die gewünschte unverletzte Keuschheit des Körpers erreichen zu können. Man soll aber von solcher Sehnsucht und Liebe für die Erlangung der Keuschheit entflammt sein, wie ein sehr Geldgieriger oder Ehrgeiziger oder ein von unerträglicher Liebe zu einem schönen Weibe Hingerissener seine Begierde mit der ungeduldigsten Hitze erfüllt zu sehen wünscht; und so wird es geschehen, daß mir bei dieser unersättlichen Sehnsuchtsglut nach beständiger Reinheit selbst die begehrenswerthe Speise verachten, den notwendigen Trank scheuen und selbst den der Natur gebührenden Schlaf zurückweisen oder ihn doch nur mit scheuem und vorsichtigem Geiste genießen als einen gar betrügerischen Dieb der Reinheit, als Nebenbuhler und Gegner der Keuschheit. Wenn wir so täglich Morgens unsere Reinheit erforschen, so werden wir über die verliehene Keuschheit uns freuen und merken, daß wir sie nicht durch unser Streben und Wachen, sondern durch den Schutz des Herrn erlangt haben. Möge Jeder einsehen, daß die Beharrlichkeit in derselben so lange in seinem Körper wohnen werde, als der Herr in seiner Barmherzigkeit sie ihm schenkt. Denn wer diesen Glauben beständig festhält, der wird durchaus nicht hochmüthig denken und sich auf seine Kraft verlassen, noch wird er, verführt durch langen Waffenstillstand der unreinen Säfte, sich in verweichlichender Sicherheit gehen lassen, da er ja weiß, daß er sogleich wieder durch die Benetzung des unreinsten Flusses befleckt werden müsse, wenn der göttliche Schutz auch nur ein wenig von ihm weichen wird. So muß man also für die beständige Dauer desselben in aller Buße und Demuth des Herzens unermüdet dem Gebete obliegen.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger