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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zwölfte Unterredung welche die zweite des Abtes Chäremon ist, über die Keuschheit.

15. Antwort, innerhalb welcher Zeit die Keuschheit erlangt werden könne.

Chäremon: Es wäre leichtfertig genug, für die volle Erreichung der genannten Keuschheit, besonders bei der so großen Verschiedenheit der Leidenschaften und der Kräfte, ein bestimmtes Zeitmaaß festsetzen zu wollen, was ja schon in den materiellen Künsten und in den Wissenschaften des Sichtbaren nicht leicht bestimmt werden kann; denn sie müssen nach der innern Anspannung und der Begabung des Geistes von den Einzelnen schneller oder langsamer erlernt werden. Jedoch die Art des Verhaltens und ein Zeitmaaß, innerhalb dessen ihre Erreichung wenigstens möglich ist, können wir ganz bestimmt angeben. Wer immer also fern von müssigen Schwätzereien, todt für Zorn, Kummer und weltliche Sorgen, zufrieden ist mit einer täglichen Labung von zwei Broden und nicht nach Genügen Wasser trinkt; wer die Schlafesruhe auf drei oder, wie Andere bestimmen, auf vier Stunden einschränkt, jedoch glaubt, daß er nicht durch Das Verdienst dieser Enthaltsamkeit und Mühe, sondern durch Das Erbarmen Gottes sie erlangen werde — denn ohne diesen Glauben ist alle An- [S. 55] strengung der menschlichen Arbeit eitel —: der wird erkennen, daß ihm die volle Erreichung derselben in nicht mehr als sechs Monaten keine Unmöglichkeit sei. Es ist übrigens ein deutliches Zeichen, daß man der Reinheit schon sehr nahe ist, wenn man nicht hofft, sie mit eigenem Mühen und Thun beginnen zu können. Denn wenn Einer die volle Bedeutung jenes Verses wahrhaft erfaßt hat: „Wenn der Herr Das Haus nicht baut, arbeiten die Bauleute vergebens“ — so folgt, daß er sich weder wegen der Verdienste seiner Reinheit überhebt, voll Einsicht, daß er sie ja nicht durch seinen Eifer, sondern durch Gottes Barmherzigkeit erlangt habe, noch daß er gegen Andere in unnachsichtiger Strenge auffährt, da er weiß, daß die menschliche Tugend Nichts ist, wenn die göttliche Kraft sie nicht unterstützt.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger