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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Zwölfte Unterredung welche die zweite des Abtes Chäremon ist, über die Keuschheit.

13. Daß nur Die, welche sie erfahren, die Süßigkeit der Keuschheit erkennen.

Zu einer je höhern Reinheit nun ein Geist in all Dem vorgedrungen ist, desto erhabener wird auch seine Anschauung Gottes sein, und seine Bewunderung wird zu sehr wachsen, als daß er die Fähigkeit darüber zu reden oder Worte zur Darstellung finden könnte. Denn wie ein Unerfahre- [S. 53] ner die Macht dieser Freude nicht in seinem Geiste erfassen kann, so kann auch der Erfahrene sie nicht mit Worten erklären, gerade wie wenn Jemand Einem, der nie etwas Süßes verkostet hat, die Süßigkeit des Honigs mit Worten begreiflich machen wollte; es würde doch wohl weder Jener die Annehmlichkeit eines Geschmackes, den er nie mit dem Munde wahrnahm, so mit den Ohren erfassen noch der Andere eine Süßigkeit, welche er im Genusse des Geschmackes erfuhr, mit Worten ausdrücken können; man muß eben den lieblichen Reiz selbst erfahren und kann dann nur schweigend bei sich selbst die erprobte Lust des Geschmackes bewundern. So wird nun auch Jeder, der zu der genannten Tugendhaftigkeit zu gelangen vermochte, all Das, was der Herr durch besondere Gnade in den Seinen wirkt, mit stillem Geiste durchdenken und von staunender Bewunderung entflammt mit innigster Herzensrührung ausrufen: „Wunderbar sind deine Werke, o Gott, und meine Seele erkennt sie gar wohl.“ Das ist also Das wunderbare Gotteswerk, daß der fleischliche Mensch, selbst solange er noch im Leibe weilt, die fleischlichen Neigungen verachtet und bei dem so großen Wechsel der Verhältnisse und Drangsale doch einen Gemüthszustand bewahrt und unbeweglich ausbauen bei all der Veränderung des Zufälligen. Ein in solcher Tugend gegründeter Greis wurde einst bei Alexandria von Schaaren der Ungläubigen umringt und nicht nur durch Verwünschungen, sondern auch durch die schwersten Unbilden der auf ihn Eindringenden bedrängt, wobei sie ihm spöttisch zuriefen: „Was für ein Wunder hat der Christus, den ihr verehrt, gethan?“ „Dieses,“ sprach er, „daß ich durch solche und noch größere Unbilden, wenn ihr sie mir zufügen würdet, weder aufgeregt noch beleidigt werde.“

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger