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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Achte Unterredung, welche die zweite mit Abt Serenus ist über die Herrschaften oder Mächte.

16. Über die Unterwürfigkeit, welche die Teufel ihren Vorgefetzten gegenüber beobachten.

Daß nun die unreinen Geister von schlechteren Mächten beherrscht werden und ihnen unterwürfig sind, lehren uns jene Aussprüche der hl. Schrift, welche wir in denEvangelien aufgezeichnet lesen, da der Herr den lästernden Pharisäern antwortet: „Wenn ich in Beelzebub, dem Obersten der Teufel, die Teufel austreibe &c.“ Ebenso zeigen es uns die deutlichen Visionen und vielen Erfahrungen der Heiligen. Denn als Einer aus unsern Brüdern in dieser Wüste eine Reise machte, fand er, als der Tag sich schon zum Abend neigte, eine Höhle und blieb dort, um die abendliche Gebetsfeier zu halten. Als er nun, wie gewohnt, die Psalmen sang, war die Zeit der Mitternacht vorbei. Nachdem er sich nun nach beendigter Feier, um dem müden Körper Erholung zu gewähren, ein wenig hingesetzt hatte, sah er plötzlich unzählige Schaaren von Teufeln, die von allen [S. 526] Seiten zusammenströmten und in unendlich dichter und langer Reihe einherziehend ihrem Fürsten theils vorausgingen, theils folgten. Endlich kam dieser, hervorragend an Größe und schrecklicher anzuschauen, und begann, nachdem er sich auf hohem Richterstuhle niedergelassen hatte, die Thaten eines Jeden in genauer Prüfung zu untersuchen. Diejenigen, welche sagten, daß sie ihre Gegner nicht hätten in die Falle bringen können, ließ er es als Träge und Feige mit Schande und Schimpf von sich wegjagen, indem er ihnen die lange Zeit und die vergeblich aufgewendete Mühe mit knirschendem Zorne vorwarf. Diejenigen aber, welche meldeten, daß sie die ihnen Bestimmten verführt hätten, entließ er mit dem größten Lob unter dem Jubel und Beifall Aller und stellte sie als sehr tapfere Kämpen mit vielem Ruhme Allen als Beispiel auf. Als nun unter diesen ein sehr schlimmer Geist gar fröhlich gekommen war, um nemlich einen besonders herrlichen Triumph zu berichten, nannte er den Namen eines wohl bekannten Mönches und versicherte, er sei, nachdem er ihn fünfzehn Jahre beständig angegriffen habe, endlich so Herr geworden, daß er ihn gerade in dieser Nacht durch Unzucht zu Fall brachte; denn er habe ihn nicht bloß angetrieben, daß er mit einem gottgeweihten Mädchen das Verbrechen der Unzucht beging, sondern ihn auch überredet, dieselbe wie mit ehelichem Rechte bei sich zu behalten. Als über seine Erzählung eine unermeßliche Freude Aller entstanden war, wurde er von dem Fürsten der Finsterniß mit höchstem Lobe gefeiert und entfernte sich, gekrönt mit hohem Preis. Als nun die Morgenröthe gekommen und die ganze Menge der Teufel verschwunden war, zweifelte der Bruder an der Behauptung des unreinen Geistes und war eher erzürnt, daß ihn derselbe mit seiner gewohnten alten Schlauheit hätte täuschen und einem unschuldigen Bruder das Verbrechen schändlicher Unzucht hatte aufbürden wollen. Er gedachte des evangelischen Wortes, daß Jener nicht in der Wahrheit blieb, und daß keine Wahrheit in ihm ist; wenn er Lüge redet, spricht er aus seinem Eigenthum, weil er ein Lügner ist und Va- [S. 527] ter der Lüge. 1 Er ging also nach Pelusium, wo, wie er wußte, Jener weilte, dessen Fall der Teufel behauptet hatte, und mit dem er sehr gut bekannt war. Als er ihn suchte, erfuhr er, daß er in derselben Nacht, in welcher jener häßliche Teufel seinen Sturz der Schaar und ihrem Fürsten gemeldet hatte, sein altes Kloster verlassen habe, in das Dorf gegangen und mit dem bezeichneten Mädchen zu dem traurigen Falle gekommen sei.

1: Joh. 8, 44.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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