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Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)
Achte Unterredung, welche die zweite mit Abt Serenus ist über die Herrschaften oder Mächte.

13. Daß die Teufel, wie sie die Menschen anfechten, ebenso auch sich gegenseitig bekämpfen.

Es ist nun gewiß, daß sie sich gegenseitig mit dem nemlichen Kampfe anfeinden wie die Menschen. Denn sie sind unermüdet und unaufhörlich in Zwietracht, Kampf und Streit wegen der einen oder anderen Völker, die sie sich gemäß einer gewissen nahen Verwandtschaft in der Bosheit zugeeignet haben. Das lesen wir auch in einer Vision des Propheten Daniel ganz deutlich dargestellt, da der Engel Gabriel also erzählt: 1 „Fürchte dich nicht, Daniel; denn seit dem ersten Tage, da du dein Herz zu der Einsicht wandtest, im Angesichte Gottes zerknirscht zu sein, sind erhört deine Worte, und ich kam wegen deiner Reden. Der Fürst aber des Perserreiches widerstand mir 21 Tage, und siehe, Michael, einer der ersten Fürsten, kam zu meiner Hilfe, und ich blieb dort bei dem Könige der Perser. Ich kam aber, um dich zu lehren, was für dein Volk in den letzten Zeiten sich ereignen wird.“ Man kann nun durchaus nicht zweifeln, 2 daß dieser Fürst des Perserreiches eine [S. 523] feindliche Gewalt gewesen sei, die dem Perservolte günstig, dem Volke Gottes aber feindlich gesinnt war. Diese wollte nun den Nutzen hindern, den sie voraussah aus der von dem Engel zu bringenden Lösung der Angelegenheit, für welche der Prophet Gott gebeten hatte, und warf sich eifrig entgegen, damit nicht die heilsame Tröstung des Engels schnell zu Daniel komme und das Volk Gottes, dem der Erzengel Gabriel vorstand, stärke.

Dieser sagt nun, er hätte wegen der Heftigkeit jenes Widerstandes nicht einmal jetzt zu ihm kommen können, wenn nicht der Erzengel Michael ihm zu Hilfe gekommen wäre und gegen den Fürsten der Perser andringend sich dessen Angriffen entgegengestellt hätte, so daß er ihn vertheidigte und nach 21 Tagen zur Belehrung des Propheten kommen ließ. Bald darauf heißt es: 3 „Und es sprach der Engel: Weißt du, warum ich zu dir gekommen bin? Nun werde ich zurückkehren, um gegen den Fürsten der Perser zu streiten; denn als ich wegging, erschien auch der Fürst der Griechen: aber ich will dir (vorher) verkünden, was im Buche der Wahrheit verzeichnet ist. Und Niemand steht mir in alle Dem bei als Michael, euer Fürst.“ Und wieder heißt es: 4 „In jener Zeit wird Michael aufstehen, ein großer Fürst, der da steht für die Söhne deines Volkes.“ Wir lesen also, daß auch ein anderer Fürst, der der Griechen, genannt wird, der seinem anvertrauten Volke günstig, aber sowohl dem Volke Israel als dem der Perser feind gewesen zu sein scheint. Daraus sieht man klar, daß, wie die Völker auf Anstiften der Geister Zwietracht, Streit und Eifersucht unter sich haben, so auch diese feindlichen Gewalten dergleichen unter sich führen und bei der Freude über den Sieg oder der Qual über den Niedergang ihrer Schützlinge nicht unter sich einträchtig sein können, da Je- [S. 524] der für die, denen er vorsteht, gegen den Fürsten eines andern Volkes in ewig ruheloser Eifersucht streitet!

1: Dan. 10, 12.
2: Man kann daran wohl sehr zweifeln, da die größten heiligen Väter und Theologen anders gelehrt haben: daß nemlich hier der Schutzengel des Perserreiches zu verstehen sei, der vor Gott das Heil der Perser vertrat, das durch den Umgang mit den Juden gefördert wurde. Wie viele redlich strebende Heiden konnten hier die Wahrheit kennen lernen und zu Proselyten werden! Aber die specifische Mission des auserwählten Voltes forderte die Heimkehr, und sie war auch vor Gott deßhalb kräftiger vertreten, wie die Hilfe Michaels zeigt.
3: Dan. 10, 20.
4: Dan. 12, 1.

 

 

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Einleitung: Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern
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