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Origenes († 253/54) - Vom Gebet (De oratione)
Zweiter Teil: Über das Vaterunser
XXIX

18.

Wenn wir uns aber auch durch die Geschichte erinnern lassen wollen, so müssen wir wissen, dass der leicht zu täuschende Sinn [der Eva] und das fehlerhafte ihrer Überlegung nicht (erst) damals, als sie, statt auf Gott zu hören, auf die Schlange hörte1, eintrat, sondern auch schon früher nachweislich vorhanden war; denn die Schlange hatte sich ihr deswegen genähert, weil sie bei ihrer eigenen Klugheit die Schwäche der Frau zum Ziel ihres Angriffs machen konnte. Auch in Kain begann die Bosheit nicht erst damals zu entstehen, "als er seinen Bruder tötete2", denn auch vorher beachtete der herzenskundige Gott Kain und seine Opfer nicht3"; offenkundig aber wurde Kains Schlechtigkeit, [S. 134] als er den Abel umbrachte. Hätte ferner Noah nicht von "dem Wein", den er gebaut, getrunken und "sich berauscht" und seine Blöße aufgedeckt4, so wäre weder die Frechheit und Ruchlosigkeit des Ham seinem Vater gegenüber an den Tag gekommen, noch die Ehrbarkeit und das Schamgefühl seiner Brüder gegen ihren Erzeuger5. Auch Esaus Nachstellungen gegen Jakob schienen den Raub "des Segens6" zum Grund zu haben; aber schon vorher lagen in seiner Seele die Keime dazu, dass er "ein Unzüchtiger und Unheiliger" wurde7. Und die glänzende Keuschheit des Joseph, der dazu gerüstet war, von keiner Begierde überwunden zu werden, wäre uns verborgen geblieben, wenn die Herrin nicht leidenschaftliche Liebe zu ihm empfunden hätte8.

1: Vgl. Gen. 3,1-6.
2: Vgl. Gen. 4,8.
3: Vgl. Apg. 15,8; Gen. 4,5.
4: Vgl. Gen. 9,20.21.
5: Vgl. Gen. 9,22.23.
6: Vgl. Gen. 27,41.
7: Vgl. Hebr. 12,15.16 (Deut. 29,18).
8: Vgl. Gen. 39,7ff.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes
Einleitung: Vom Gebet

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger