{"id":984,"date":"2015-11-02T10:22:11","date_gmt":"2015-11-02T10:22:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2015\/die-eigendynamik-eines-films-ist-zum-gluck-nicht-kalkulierbar-2"},"modified":"2015-11-09T23:18:41","modified_gmt":"2015-11-09T22:18:41","slug":"die-eigendynamik-eines-films-ist-zum-gluck-nicht-kalkulierbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2015\/die-eigendynamik-eines-films-ist-zum-gluck-nicht-kalkulierbar","title":{"rendered":"Frauenpower in der Manege"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Von der Zirkusmanege in den H\u00f6rsaal: Die Filmemacherin und Lehrbeauftragte Anka Schmid portr\u00e4tiert Frauen, die in der Manege Tiger k\u00fcssen \u2013\u00a0und steckt Freiburger Studierende mit dem Filmvirus an.<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Anka Schmid, mit Ihrem j\u00fcngsten Dokumentarfilm \u00abWild Women \u2013 Gentle Beasts\u00bb begaben Sie sich in den Raubtierk\u00e4fig \u2013\u00a0ein gef\u00e4hrliches Terrain. Wie ist dieses Filmprojekt entstanden?<br \/>\n<\/strong>In der Endphase eines Films geht es mir darum herauszufinden, welchem Thema ich mich als n\u00e4chstes widmen werde. In meiner Denkschublade befinden sich immer verschiedene Filmideen, die miteinander wetteifern. Als ich vor vier Jahren an der Berlinale 2011 meinen Film \u00abMit dem Bauch durch die Wand\u00bb pr\u00e4sentierte, sagte ich zu meiner Produzentin Franziska Reck: Ich m\u00f6chte einen Film \u00fcber Raubtierdompteurinnen drehen. Sie war sofort einverstanden, denn sie ist ebenfalls vom Zirkus begeistert, war sogar als junge Frau eine Saison lang mit einem Zirkus als Lehrerin unterwegs. Bereits als M\u00e4dchen wollte ich Raubtierdompteurin werden. \u00abSchuld\u00bb waren die faszinierenden Auftritte der Tigerdompteuse in der Fernsehserie \u00abSalto Mortale\u00bb. Meine Faszination f\u00fcr den Zirkus war ein fr\u00fcher Ausl\u00f6ser, der sich vor vier Jahren wieder aufgedr\u00e4ngt hat. Aber auch die Thematik der Artistinnen, ihre enorme Leidenschaft f\u00fcr ihre Tiere und den aussergew\u00f6hnlichen Beruf ist mir nicht fremd. Und bei einem Dokumentarfilm stellt sich immer auch die Frage, was sich hinter dem Bild verbirgt: Sch\u00f6ne Frauen und wunderbare \u00abwilde\u00bb Tiere, was sind die Vorurteile und was ist die Realit\u00e4t?<\/p>\n<p><strong>Sie haben vier Jahre am Film gearbeitet und vier Raubtierdompteurinnen auf ihrer Reise mit dem Zirkus begleitet. Wie haben Sie die Frauen ausgew\u00e4hlt?<br \/>\n<\/strong>Von Anfang an hat mich die Situation von mehreren Frauen aus verschiedenen L\u00e4ndern interessiert. Das Frauenbild und die Vorstellung vom Umgang mit dem Tier sind jeweils anders, diese Besonderheiten wollte ich zusammen \u00fcber vier Situationen verdichten. Also begann ich mit der Recherche, schrieb Zirkusse weltweit an, besuchte verschiedene Dompteurinnen und fand so schliesslich meine Protagonistinnen und ihre Tiere: Carmen Zander aus Deutschland dressiert Tiger, Anosa Kouta aus \u00c4gypten L\u00f6wen. Aliya Takshantova aus Russland arbeitet mit B\u00e4ren und Namayca Bauer, Schweizerin aus Frankreich, mit L\u00f6wen und Tiger. Im zweiten Jahr erhielt ich die Finanzierung und konnte mit den Dreharbeiten beginnen. Die gemeinsame Reise mit den Zirkusfrauen war eine unvergessliche Erfahrung. Beim Filmen waren mein Team und ich augenblicklich fasziniert von der Sinnlichkeit des Themas.<\/p>\n<p><strong>\u00abWild Women \u2013 Gentle Beasts\u00bb wird an vielen internationalen Filmfestivals gezeigt. Wie reagiert das Publikum auf den Film?<br \/>\n<\/strong>Bis jetzt ist das Echo durchwegs positiv und in der Presse erhielt der Film hervorragende Kritiken. Genauso wichtig ist aber ein direktes Feedback, das ich erhalte, wenn ich den Film begleite. Die Reaktionen auf den Film sind intensiv. Viele Zuschauer waren \u00fcberrascht, dass es kein Zirkusfilm ist, sondern um viel mehr geht. Entgegen ihren Erwartungen werden die Menschen ber\u00fchrt durch die hautnahe Beziehung der Dompteurinnen zu ihren Tieren. Die Eigendynamik eines Films ist zum Gl\u00fcck nicht kalkulierbar!<\/p>\n<p><strong>Seit vier Jahren leiten Sie das \u00abPraxisseminar Film und Fernsehen\u00bb an der Universit\u00e4t Freiburg. Wie findet eine preisgekr\u00f6nte Filmemacherin ihren Weg nach Freiburg?<br \/>\n<\/strong>Im Verlauf meiner Karriere habe ich punktuell immer wieder an verschiedenen Filmschulen unterrichtet, weil mich junge Menschen interessieren. Die Universit\u00e4t Freiburg war ein verlockender Ort f\u00fcr mich, da ich die Vorg\u00e4nger des Seminars kenne und sch\u00e4tze: Karl Saurer war mein Dozent in Berlin und Stephan Portmann kannte ich als Leiter der Solothurner Filmtage. Als Karl Saurer\u00a0aufgeh\u00f6rt hat, durfte ich eine Probelektion halten. Das war vor vier Jahren. Nun unterrichte ich an sieben Montagen pro Semester und das l\u00e4sst sich wunderbar mit meiner Leidenschaft, dem Filmemachen, verbinden. Ich arbeite mit einer kleinen Gruppe von 14 bis 20 Studierenden. Sie erhalten ein Thema (zwei Filmprojekte), das sie in einem kurzen Zeitraum realisieren k\u00f6nnen und produzieren dazu ein Interview und ein Kurzportr\u00e4t. Die Studierenden k\u00f6nnen im Seminar konkret an der Materie arbeiten und dabei wichtige praktische Erfahrungen im Film- und Fernsehbereich sammeln. Diese wenden viele meiner Studentinnen und Studenten anschliessend bei Unicam an. Der Kontakt mit den Studierenden ist sehr spannend f\u00fcr mich und ich m\u00f6chte sie nat\u00fcrlich alle mit dem Film-Virus \u00abinfizieren\u00bb!<\/p>\n<p><strong>Welche Botschaft geben Sie ihren Studierenden mit auf den Weg?<br \/>\n<\/strong>Da gibt es mehrere: Zum einen m\u00f6chte ich ihnen zeigen, dass ein Film unvorhersehbare Eindr\u00fccke beinhalten kann und man diese neue Sichtweisen an sich heranlassen sollte. Zum anderen muss man in der Filmbranche immer mehr wollen als einfach die Pflicht erf\u00fcllen und man darf bei Widerstand nicht aufgeben, denn der bringt uns weiter. Und abschliessend das Wichtigste: es braucht grosse Leidenschaft!<\/p>\n<p><strong>Wohin f\u00fchrt Sie ihre Filmreise als n\u00e4chstes?<\/strong><br \/>\nEs sind zwar noch Gesuche h\u00e4ngig, aber ich hoffe sehr mein n\u00e4chstes Projekt realisieren zu d\u00fcrfen: einen Film \u00fcber die symbolische Kraft der menschlichen Haare.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"680\" height=\"383\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/iEh5nBfPeC0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<p><em>Anka Schmid wurde\u00a01961 in Z\u00fcrich geboren. Seit 1981 produziert sie eigene Kurzfilme und Videos. 1984-90 Studium an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin). Seither freischaffende Filmemacherin und Videok\u00fcnstlerin. Unterrichtet an der Universit\u00e4t Freiburg das \u00abPraxisseminar Film und Fernsehen\u00bb. \u00abWild Women &#8211; Gentle Beasts\u00bb wird Anfang 2016 in den Kinos der Romandie starten.<\/em><\/p>\n<p><strong>Link:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.wildwomen-film.com\" target=\"_blank\">Wildwomen-film<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/kultur\/film-serien\/ein-blick-hinter-die-kulissen-von-wild-women-gentle-beasts\" target=\"_blank\">Ein Blick hinter die Kulissen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Zirkusmanege in den H\u00f6rsaal: Die Filmemacherin und Lehrbeauftragte Anka Schmid portr\u00e4tiert Frauen, die in der Manege Tiger k\u00fcssen \u2013\u00a0und steckt Freiburger Studierende mit dem Filmvirus an. 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