{"id":9579,"date":"2019-11-04T10:00:00","date_gmt":"2019-11-04T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=9579"},"modified":"2019-11-05T15:41:50","modified_gmt":"2019-11-05T14:41:50","slug":"libra-facebook-gegen-die-zentralbanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2019\/libra-facebook-gegen-die-zentralbanken","title":{"rendered":"Libra: Facebook gegen die Zentralbanken"},"content":{"rendered":"<h4><strong>\u00abL\u00e4utet Libra die Totenglocke f\u00fcr die Zentralbanken?\u00bb war die Frage eines Kolloquiums der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t. Hier eine kurze Einf\u00fchrung in die Welt des Online-Geldes \u2013 und die Videos s\u00e4mtlicher Vortr\u00e4ge.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Was ist Libra?<br \/>\n<\/strong>Libra ist eine digitale W\u00e4hrung, beziehungsweise: Libra wird eine Digitalw\u00e4hrung sein. Facebook hat ihren Start f\u00fcr 2020 angek\u00fcndigt und ein 12-seitiges Whitepaper publiziert. Seither wird dar\u00fcber diskutiert, wie Libra genau aussehen und welche Folgen es haben wird.<\/p>\n<p>Herausgegeben wird Libra von der \u00abLibra Association\u00bb, einer Stiftung mit Sitz in der Schweiz. Dieser sind nebst Facebook bislang knapp 30 Unternehmen und Organisationen beigetreten, darunter Firmen wie Spotify oder Uber. Paypal, Visa, Mastercard und Ebay haben die \u00abLibra Association\u00bb bereits wieder verlassen. Ebenfalls nicht dabei sind Facebooks Konkurrenten (Apple, Amazon, Google, Twitter, Microsoft). Auch Banken sind nicht mit von der Partie.<\/p>\n<p><strong>Wie soll Libra funktionieren?<br \/>\n<\/strong>Mit Libra sollen Nutzer online einkaufen und Geld verschicken k\u00f6nnen. Man kauft z.B. f\u00fcr Schweizer Franken Libra, speichert sein Guthaben in einer digitalen Geldb\u00f6rse und nutzt es, um im Internet Schuhe zu kaufen oder seinem Schwager in Bolivien Geld zu \u00fcberweisen. Dabei sollen geringere Transaktionskosten anfallen als bisher.<\/p>\n<p>Facebook hat gem\u00e4ss eigenen Angaben explizit auch jene 1,7 Milliarden Menschen im Blick, die kein Bankkonto haben. Sie leben in armen L\u00e4ndern und sind oft starken Wechselkursschwankungen und hoher Inflation ausgesetzt.<\/p>\n<p><strong>Welche St\u00e4rken hat Libra?<br \/>\n<\/strong>Libra will ein technisch besseres Finanzsystem schaffen, welches effizienter und billiger sein soll und damit auch \u00e4rmere Menschen erreicht, die heute f\u00fcr Banken uninteressant sind. Facebook greift damit nebst den klassischen Banken auch Dienste wie Western Union oder Moneygram an, die internationale \u00dcberweisungen anbieten, aber relativ hohe Geb\u00fchren verlangen.<\/p>\n<p><strong>Libra, Bitcoin: Ist das nicht dasselbe?<br \/>\n<\/strong>Nein. Zwar sind beides Kryptow\u00e4hrungen, die Alternativen zum etablierten Finanzsystem anbieten wollen, sie verfolgen aber sehr unterschiedliche Philosophien. Bitcoins Idee kann mit Gold verglichen werden, eine N\u00e4he, die auch sprachlich hergestellt wird: Bitcoins werden von Nutzern \u00abgesch\u00fcrft\u00bb (ihre Computer rechnen komplizierte Operationen durch), wobei grunds\u00e4tzlich alle gleich lange Spiesse haben und die maximale Anzahl Coins beschr\u00e4nkt ist. Das macht Bitcoin resistent gegen Inflation. Es gibt keine Zentralbank und die Transaktionen laufen \u00fcber ein dezentrales Netz, weshalb sie praktisch nicht \u00fcberwacht oder reglementiert werden k\u00f6nnen \u2013 was die W\u00e4hrung auch f\u00fcr Kriminelle interessant macht.<\/p>\n<p>Libra ist herk\u00f6mmlichen W\u00e4hrungen \u00e4hnlicher. Es wird durch die Libra Association herausgegeben, die auch die Wechselkurse gegen\u00fcber den wichtigsten Weltw\u00e4hrungen \u00fcberwacht. Transaktionen werden \u00fcber eine zentrale Datenbank abgewickelt. Libra wird nutzerfreundlicher sein als Bitcoin. Es ist aber anf\u00e4lliger f\u00fcr regulatorische Eingriffe, und weil es an Facebook und andere Grosskonzerne gekoppelt ist, gibt es zumindest ernsthafte Bedenken bez\u00fcglich Datenschutzes.<\/p>\n<p><strong>Weshalb wird Libra kritisiert?<br \/>\n<\/strong>Kritiker monieren, das Projekt Libra sei noch komplett schwammig. Wie ein digitaler Rorschachtest, in den alles M\u00f6gliche hineingelesen wird. Ganz besonders aber wird kritisiert, Libra sei ein typsicher Silicon-Valley-Versuch, soziale Probleme durch technische Mittel zu l\u00f6sen. So ignorieren die Libra-Macher, dass die gern zitierten 1,7 Milliarden Menschen ohne Konto vor allem deswegen keines besitzen, weil sie schlicht kein Geld haben, das sie dort einzahlen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Fragw\u00fcrdig ist aber auch, dass Facebook und Co. die Macht der Zentralbanken \u2013 insbesondere in Entwicklungsl\u00e4ndern \u2013 angreifen. Diese m\u00f6gen nicht perfekt sein, sind aber immerhin besser legitimiert, als die Libra-Konzerne. Die Staaten w\u00fcrden an Einfluss auf das Geld- und Finanzsystem einb\u00fcssen, was nicht im Sinn der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sein kann.<\/p>\n<p>Hinzu kommen Fragen, welche Daten wo gespeichert werden und wer sie alles einsehen kann. \u00abEntweder Libra ist anonym\u00bb moniert ein IT-Berater, \u00abdann ist das gut f\u00fcr die Nutzer, aber auch f\u00fcr Geldw\u00e4scher und Kriminelle. Oder Libra ist nicht anonym \u2013 dann k\u00f6nnen Facebook und seine Partner noch pr\u00e4zisere Nutzerprofile erstellen und eine bombastische Datenmacht erlangen\u00bb.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt sind diverse rechtliche Fragen rund um Libra bislang ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<h3 class=\"nospaceTop\"><strong>Kolloquium\u00a0\u00abL\u00e4utet Libra die Totenglocke f\u00fcr die Zentralbanken?\u00bb<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p class=\"nospaceTop\">Die folgenden Videodateien zeigen Ausschnitte aus dem Kolloquium vom 03.10.2019.<\/p>\n<div><\/div>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/GukGPF_msW8\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2vVWdlGUD9Q\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/xE0j5RnJXbA\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/agenda.unifr.ch\/e\/de\/6563\/\">Kolloquium<\/a>\u00a0mit den Details zum Programm in der Agenda der Unifr.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abL\u00e4utet Libra die Totenglocke f\u00fcr die Zentralbanken?\u00bb war die Frage eines Kolloquiums der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t. 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