{"id":7684,"date":"2019-01-30T09:13:18","date_gmt":"2019-01-30T08:13:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=7684"},"modified":"2019-01-30T09:41:52","modified_gmt":"2019-01-30T08:41:52","slug":"alleine-aus-asien-sind-im-letzten-jahr-fast-15-millionen-pakete-in-die-schweiz-gekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2019\/alleine-aus-asien-sind-im-letzten-jahr-fast-15-millionen-pakete-in-die-schweiz-gekommen","title":{"rendered":"\u00abAlleine aus Asien sind im letzten Jahr fast 15 Millionen Pakete in die Schweiz gekommen\u00bb"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Das Aufkommen des Online-Shoppings hat den Detailhandel dramatisch ver\u00e4ndert und ein Ende ist nicht absehbar. Sind Diskussionen zu Laden\u00f6ffnungszeiten bald \u00fcberfl\u00fcssig? Und wann kommen Lieferroboter, selbstfahrende Autos und das E-Voting? Die einzelnen Puzzleteile der\u00a0neuen Technologien\u00a0setzen sich allm\u00e4hlich zusammen zur intelligenten Stadt der Zukunft. Am j\u00e4hrlichen Wissenschaftscaf\u00e9 auf Deutsch in D\u00fcdingen stellen sich zwei Uniprofessoren sowie die Leiterin Entwicklung und Innovation der Post den Fragen des Publikums. Dirk Morschett, Experte f\u00fcr Handel und E-Commerce, \u00e4ussert sich in einem Kurzinterview zu diesem spannenden und ebenso komplexen Thema. <\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Herr Morschett, die Shopping-Center verlieren an Umsatz, w\u00e4hrend jene im E-Commerce steigen. Bahnt sich da ein gewaltiger Umw\u00e4lzungsprozess an?<br \/>\n<\/strong>Wir beobachten im Detailhandel bereits seit einigen Jahren, dass Kunden immer seltener in station\u00e4re Gesch\u00e4fte gehen und stattdessen immer h\u00e4ufiger ihren Bedarf online decken. In einigen Branchen, v.a. bei Bekleidung, steht der station\u00e4re Handel unter einem enormen Druck. Auch Unterhaltungselektronik, Spielwaren und einige andere Warengruppen gehen in diese Richtung. Bei Lebensmitteln sieht das noch ganz anders aus, da werden erst knapp 2% des Umsatzes in der Schweiz online erzielt.<\/p>\n<p>Shopping-Center sind in der Schweiz \u00fcber Jahrzehnte hinweg geboomt, aber nun wird es schwer. Wir beobachten Leerst\u00e4nde, weil die Kundenfrequenz zur\u00fcckgeht. Auch hier werden wir einen Umbruch erleben und Shopping-Center werden sich sehr stark in Richtung Freizeitangebot orientieren m\u00fcssen, wenn sie \u00fcberleben wollen.<\/p>\n<p><strong>Welche Vorteile ergeben sich f\u00fcr uns als Kunden? Und welche Nachteile?<br \/>\n<\/strong>Nun, der Online-Handel hat ja f\u00fcr viele Kunden \u2013 v.a. bei den genannten Branchen \u2013 ganz offensichtlich einen Vorteil, denn es zwingt sie ja niemand, dort zu kaufen; sie tun es freiwillig.<\/p>\n<p>Da ist nat\u00fcrlich die Bequemlichkeit ein wichtiger Aspekt \u2013 man kauft zuhause von der Couch aus und die Ware wird nach Hause geliefert. Die Webseiten der H\u00e4ndler bieten zudem ein spannendes Einkaufserlebnis und viele Suchm\u00f6glichkeiten. H\u00e4ufig ist dieser Prozess auch noch mit sozialen Medien verkn\u00fcpft, wo der Kunde oder die Kundin den Freunden auch gleich zeigen kann, was man gekauft hat.<\/p>\n<p>Die Nachteile sehe ich in erster Linie auf einer gesellschaftlichen Ebene \u2013 Leerst\u00e4nde in Innenst\u00e4dten nehmen zu und damit verliert der \u00f6ffentliche Raum an Bedeutung. Zudem ist der station\u00e4re Handel ein wichtiger Arbeitgeber und hier werden wir Einschnitte erleben. Aus Schweizer Sicht nimmt mit dem Online-Handel auch der Kaufkraftabfluss ins Ausland zu. Dies beobachtet man schon heute. Amazon, Alibaba und Zalando geh\u00f6ren zu den wichtigsten Online-H\u00e4ndlern im Schweizer Markt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass gerade diese ausl\u00e4ndischen Anbieter noch st\u00e4rker wachsen werden.<\/p>\n<p>Aus individueller Sicht ist die Thematik der Daten, die der Online-Handel \u00fcber den Kunden sammelt, sicherlich aufmerksam zu beobachten. Einerseits hilft dies dem Kunden, weil der Handel dem Kunden damit genau die Produkte anbieten kann, die auch relevant sind f\u00fcr ihn. Andererseits geht damit nat\u00fcrlich auch eine enorme Macht der Online-H\u00e4ndler einher, die ihr Wissen vielf\u00e4ltig ausnutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Von der virtuellen in die reale Welt, denn Produkte m\u00fcssen letztlich immer zugestellt werden: Welche Innovationen darf man von den Akteuren in diesem liberalisierten Markt k\u00fcnftig erwarten?<br \/>\n<\/strong>Alleine aus Asien sind im letzten Jahr fast 15 Millionen Pakete in die Schweiz gekommen. Diese und alle anderen Pakete m\u00fcssen auch zugestellt werden, mit den logischen Konsequenzen f\u00fcr das Verkehrsaufkommen. Das ist nicht nur schlecht f\u00fcr die Umwelt, sondern die Online-H\u00e4ndler stehen sich damit letztlich auch selbst im Weg. Wenn immer mehr Pakete versendet werden, wird es immer schwieriger, p\u00fcnktlich zu liefern.<\/p>\n<p>Es laufen deshalb zahlreiche Tests, wie man dieses Dilemma l\u00f6sen kann. Lieferungen per Drohne sind vermutlich nicht die L\u00f6sung. Lieferroboter werden ausprobiert und sicherlich werden autonome Fahrzeuge langfristig ein Element der Online-Logistik sein. Aber mittelfristig werden wahrscheinlich andere Konzepte \u2013 vom Velo-Kurier \u00fcber kleine, elektrische Lieferfahrzeuge \u2013 eingesetzt werden. Zentrale Paketboxen, bei denen der Kunde sein Produkt auf dem Heimweg dann mitnimmt werden wichtiger. Und man wird versuchen, Paketanlagen beim Kunden zuhause (z.B. in grossen Mehrfamilienh\u00e4usern) zu installieren, damit man wenigstens kein zweites Mal anfahren muss, nur weil der Kunde gerade nicht zuhause ist.<\/p>\n<p><strong>Viele Rabatte gibt es \u00fcberhaupt erst f\u00fcr jene, die ihre Daten preisgeben. Das bedeutet also auch, dass Daten einen Wert haben. <\/strong><br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich haben Daten einen Wert. Einige der gr\u00f6ssten Unternehmen der Welt \u2013 z.B. Google, Amazon, Facebook \u2013 erzielen hohe Gewinne damit, dass sie genaue Informationen \u00fcber den Kunden haben. Das ist nicht nur negativ f\u00fcr den Kunden, denn es hat eine enorme Bequemlichkeit und gute Probleml\u00f6sungen mit sich gebracht. Aber es ist wichtig, dass der Kunde einerseits transparent weiss, welche Daten \u00fcber ihn gesammelt werden und dass er andererseits auch wieder st\u00e4rker die Kontrolle dar\u00fcber zur\u00fcckerh\u00e4lt.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Das <a href=\"https:\/\/events.unifr.ch\/cafes-scientifiques\/fr\/programme\/saison-2018-2019.html\">Wissenschaftscaf\u00e9 zum Thema E-Commerce<\/a> findet am Donnerstag, 7. Februar 2019 um 18.00 Uhr im Restaurant &amp; Hotel Buffet D\u00fcdingen (beim Bahnhof) statt.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www3.unifr.ch\/intman\/en\/chair\/morschett.html\">Dirk Morschett<\/a>, Professor am Lehrstuhl f\u00fcr Internationales Management, ist Experte f\u00fcr Handel und E-Commerce.<\/li>\n<li>Weitere Teilnehmende:<br \/>\nClaudia Pletscher, Leiterin Entwicklung und Innovation, Schweizerische Post<br \/>\nProf. Dr. Edy Portmann, Experte fu\u0308r Smart Cities und Cognitive Computing<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Aufkommen des Online-Shoppings hat den Detailhandel dramatisch ver\u00e4ndert und ein Ende ist nicht absehbar. Sind Diskussionen zu Laden\u00f6ffnungszeiten bald \u00fcberfl\u00fcssig? Und wann kommen Lieferroboter, selbstfahrende Autos und das E-Voting? 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