{"id":6945,"date":"2018-08-23T08:01:34","date_gmt":"2018-08-23T07:01:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=6945"},"modified":"2020-11-13T09:47:58","modified_gmt":"2020-11-13T08:47:58","slug":"problematische-arten-mit-naturlichen-feinden-bekampfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2018\/problematische-arten-mit-naturlichen-feinden-bekampfen?lang=de","title":{"rendered":"Problematische Arten mit nat\u00fcrlichen Feinden bek\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Vom 26. bis 31. August findet in Engelberg ein internationales Symposium zur biologischen Bek\u00e4mpfung invasiver Pflanzen statt. Dazu einige Fragen an Keynote-Speaker und Mitorganisator Heinz M\u00fcller-Sch\u00e4rer von der Universit\u00e4t Freiburg.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Herr M\u00fcller-Sch\u00e4rer, Sie sind Mit-Organisator einer Tagung \u00fcber die biologische Bek\u00e4mpfung invasiver Pflanzen. Worum geht es da?<br \/>\n<\/strong>Von den Pflanzenarten, die wir in der Schweiz haben, sind 20 Prozent eingewandert. Ein Prozent, d.h. ca. 40 Arten machen Probleme. Das heisst, sie sorgen etwa f\u00fcr gesundheitliche Probleme, Ernteausf\u00e4lle oder reduzieren die Biodiversit\u00e4t, weil sie einheimische Arten verdr\u00e4ngen. Die Frage ist: Wie bek\u00e4mpft man diese problematischen Arten? Sie k\u00f6nnen das mechanisch machen: durch Ausreissen, M\u00e4hen oder Abbrennen. Das ist aber ein riesiger Aufwand und kaum praktikabel. Sie k\u00f6nnen chemisch mit Herbiziden gegen problematische Pflanzen vorgehen, was aber aus guten Gr\u00fcnden meist verboten und viel zu teuer ist. Die dritte Variante ist die biologische Bek\u00e4mpfung durch den Import ihrer nat\u00fcrlichen Feinde aus dem Herkunftsgebiet. Daf\u00fcr kann man aber nat\u00fcrlich nicht irgendeinen Fressfeind nehmen. Bevor man das tut, muss sichergestellt sein, dass der Feind nur diese Pflanze bek\u00e4mpft und nicht selber f\u00fcr neue Probleme sorgt.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie das an einem Beispiel zeigen?<br \/>\n<\/strong>Zuerst muss ich sagen, dass wir in der Schweiz noch nie eine Art importiert haben, um eine andere zu bek\u00e4mpfen. Wie das funktionieren k\u00f6nnte, haben wir aber in den letzten Jahren sehr gut anhand der Ambrosia-Pflanze und des Blattk\u00e4fers Ophraella communa studieren k\u00f6nnen. Ambrosia ist ein \u00e4usserst unangenehmes Unkraut. Es ist ein Ackerunkraut in verschiedenen Kulturen und sorgt bei vielen Menschen f\u00fcr allergische Reaktionen bis zu Asthma. Und daf\u00fcr reicht bereits eine halb so grosse Pollenkonzentration, wie beispielsweise bei Birken- oder Gr\u00e4serpollen. Wir haben k\u00fcrzlich errechnet, dass sich die zur Zeit Gesundheitskosten durch Ambrosia-Pollen in Europa aktuell auf 9 Milliarden Euro j\u00e4hrlich belaufen. Dies, weil die Leute sich Medikamente kaufen m\u00fcssen oder am Arbeitsplatz ausfallen.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren ist aber auch der Ophraella-K\u00e4fer hier aufgetaucht, der, wie auch die Ambrosia, aus Nordamerika stammt. Zun\u00e4chst vor allem in der Gegend des Flughafens Milano-Malpensa und im Tessin. Und dieser K\u00e4fer frisst Ambrosia, und wie! Wir wussten aber ehrlich gesagt zuerst nicht, ob wir uns dar\u00fcber freuen sollten.<\/p>\n<h6><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC079455b15d-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-6943\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC079455b15d-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"517\" height=\"388\" srcset=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC079455b15d-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC079455b15d-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC079455b15d-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSC079455b15d-1.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 517px) 100vw, 517px\" \/><br \/>\n<\/a>Ophraella-communa-K\u00e4fer knabbert an einer Ambrosia-Pflanze.<\/h6>\n<p><strong>Warum?<br \/>\n<\/strong>Wir hatten schon nach nat\u00fcrlichen Feinden der Ambrosia gesucht, hatten diese Ophraella-Art aber nicht auf unserer Liste, denn sie findet auch Sonnenblumen schmackhaft. Also haben wir \u00fcber die letzten 4 Jahre eine Reihe von Wirtsspezifit\u00e4ts-Untersuchungen in unserer Quarant\u00e4ne an der Universit\u00e4t Freiburg, aber auch im Feld in Norditalien durchgef\u00fchrt &#8211; und wir wurden positiv \u00fcberrascht. Am meisten Ophraella-K\u00e4fer gibt es im Herbst &#8211; dann, wenn auch Ambrosia bl\u00fcht. Die Sonnenblumen hingegen werden schon im August geerntet und der Schaden ist minimal und nicht relevant.<\/p>\n<p>Ophraella hat sich nun schon bis nach Kroatien und Slowenien ausgebreitet. Wir haben berechnet, dass es mit einer aktiven Verbreitung des K\u00e4fers in Europa 2.6 Millionen weniger Allergie-Patienten geben k\u00f6nnte, wodurch sich Kosten von rund 1.7 Milliarden Euro pro Jahr einsparen liessen. Das zust\u00e4ndige Ministerium in Frankreich hat bereits reagiert und beschlossen: sollte der K\u00e4fer auf nat\u00fcrlichem Weg nach Frankreich einwandern, soll nichts unternommen werden, um die Spezies zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Wie wichtig ist nun diese Tagung in Einsiedeln?<br \/>\n<\/strong>Sehr. Es werden ca. 250 Forschende aus 35 Nationen anwesend sein. Und diese neuen Arten kommen ja immer von irgendwo her! Das heisst, jemand am anderen Ende der Welt hat Erfahrungen mit dieser Art, weiss, wie sie sich dort verh\u00e4lt und von wem sie gefressen wird. Unsere Arbeit ist also immer international. Ausserdem k\u00fcmmern sich die Arten wenig um Landesgrenzen. In Nordamerika m\u00fcssen sich drei Regierungen einig sein, um griffige Regeln f\u00fcr einen ganzen Kontinent zu erlassen. In Australien und China sogar nur eine. Im stark fragmentierten Europa ist zu hoffen, dass sich die Zusammenarbeit noch weiter verbessert, denn nur so k\u00f6nnen die Probleme, welche einige Arten verursachen, koordiniert und wirksam bek\u00e4mpft werden \u2013 hoffentlich bald auch mit ihren nat\u00fcrlichen Feinden.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Presse_Einladung_def.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Medienmitteilung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/isbcw-2018.com\/index.php?cat=show_start\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Website<\/a> der Veranstaltung<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 26. bis 31. 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