{"id":6879,"date":"2018-08-20T06:54:46","date_gmt":"2018-08-20T05:54:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=6879"},"modified":"2018-08-29T13:47:54","modified_gmt":"2018-08-29T12:47:54","slug":"__trashed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2018\/__trashed","title":{"rendered":"Was tun wir eigentlich, wenn wir Wissenschaft betreiben?"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Romanistikprofessor Walter D. Mignolo hat an seinem Vortrag zum dekolonialen Bewusstsein provokante Fragen gestellt, Forschenden Mut gemacht und sich vor allem dezidiert gegen jegliche Denkschranken ausgesprochen.<\/strong> <div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div><\/h4>\n<p>Auf Einladung des Studienbereichs Erziehungswissenschaften und des am Studienbereich Zeitgeschichte angegliederten transdisziplin\u00e4ren Doktoratsprogramms \u201eMigration and Postcoloniality Meet Switzerland\u201c hielt Walter D. Mignolo am 23. Mai 2018<\/p>\n<ul>\n<li class=\"wp-first-item current\"><a class=\"wp-first-item current\" href=\"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges\/wp-admin\/edit.php\">Tous les articles<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>an der Universit\u00e4t Freiburg einen \u00f6ffentlichen Vortrag zum Thema \u201eLa conscience d\u00e9coloniale. The Call of the Humanities\u201c. Mit dieser Einladung war die Idee verbunden, von einem der renommiertesten Denker im Forschungsfeld der decolonial theory Einblicke in die M\u00f6glichkeiten dekolonialer Wissenschaft in den Sozial- und Geisteswissenschaften zu erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Leben f\u00fcr Kritik an westlicher Geschichtsschreibung<br \/>\n<\/strong>Walter D. Mignolo ist Professor f\u00fcr Romanistik und Direktor des Center for Global Studies and the Humanities an der Duke University in den USA. Der geb\u00fcrtige Argentinier hat unter anderem in Paris studiert und einige autobiografische Erfahrungen aus dieser Zeit zum Ausgangspunkt seines Vortrags \u00a0genommen. Er f\u00fchlte sich stets als immigrant und dies hat dazu gef\u00fchrt, dass sich bei ihm ein \u201amigrantisches Bewusstsein\u2018 ausbildete. Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen des Nie-ganz-Dazugeh\u00f6rens, des Anders-Seins, hat Mignolo fast sein ganzes Leben als Forscher der Kritik an der westlichen und eurozentristischen Geschichtsschreibung sowie am Kolonialismus als ,The Darker Side of Western Modernity\u2018 gewidmet. Mit diesen Themen gehen bedeutsame Fragen einher: Wie kann am hegemonialen Wissensfundament der westlichen Moderne ger\u00fcttelt werden und wie kommt Dekolonialisierung zum Beispiel in der Wissensproduktion an Universit\u00e4ten oder anderen Bildungsinstitutionen zum Tragen?<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/tube.switch.ch\/embed\/275d8ec8\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" data-mce-fragment=\"1\"><\/iframe><div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Keine universellle Wahrheit, sondern immer Optionen<\/strong><br \/>\nDiesen und anderen Fragen ging Mignolo in seinen \u00e4usserst interessanten und mit viel Leidenschaft vorgetragenen Ausf\u00fchrungen nach. So wies er beispielsweise darauf hin, dass die \u201adekoloniale Option\u2018 in einem universit\u00e4ren Kontext eine M\u00f6glichkeit unter vielen darstellt und dass es eine universelle Wahrheit, die f\u00fcr alle gilt, nicht gibt. \u201eWhatever you do is an option\u201c und weiter: \u201eDon\u2019t pretend that your option is universal and valid for everybody\u201c.<br \/>\nMit Aussagen wie diesen regte uns Mignolo zum Denken an und brachte uns dazu, unsere eigene Positionierung als Studierende und Dozierende an einer westlichen Universit\u00e4t kritisch zu reflektieren. Was tun wir eigentlich, wenn wir Wissenschaft betreiben? Welchem Wissen verleihen wir den Status von g\u00fcltigem, anerkanntem Wissen? Und welches Wissen wird marginalisiert? Oder mit Mignolos Worten: \u201eWho is saying what, when, how and what for?\u201c Damit machte uns der Vortragende darauf aufmerksam, dass es nicht nur wichtig ist, die Inhalte von (wissenschaftlichen) Aussagen kritisch infrage zu stellen, sondern dass es auch darum geht, \u00fcber die Art und Weise nachzudenken, wie die Aussagen zum Ausdruck kommen (the enunciation) und welche machtvollen Effekte sie zeitigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Ungehorsam gegen\u00fcber Zw\u00e4ngen \u2013 auch und gerade im akademischen Umfeld<br \/>\n<\/strong>Es gibt nun verschiedene M\u00f6glichkeiten, wie diesen Aspekten aus einer dekolonialen Perspektive begegnet werden kann. Mignolo kam in diesem Zusammenhang unter anderem auf das delinking im Sinne eines epistemischen Ungehorsams etwa gegen\u00fcber bestimmten disziplin\u00e4ren Zw\u00e4ngen zu sprechen. Kurz gesagt ist damit gemeint, dass uns auch innerhalb eines universit\u00e4ren Kontextes immer mehrere Handlungs- und Denkwege offenstehen und dass wir stets mehr M\u00f6glichkeiten haben, als wir manchmal meinen. Es kommt dann darauf an, unsere M\u00f6glichkeiten unter ethischen Gesichtspunkten abzuw\u00e4gen und uns in verantwortungsvoller Weise zu entscheiden.<br \/>\nInwieweit die von Walter D. Mignolo in seinem Vortrag diskutierten dekolonialen Denkans\u00e4tze gegenw\u00e4rtige sozial- und geisteswissenschaftliche Diskurse irritieren und weiterbringen, bildet lediglich eine der aufgeworfenen Problematisierungsrichtungen, die es aus unserer Sicht auf jeden Fall auch an der Universit\u00e4t Freiburg weiterzudenken lohnt.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n__________<br \/>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Lekt\u00fcretipps:<\/strong><\/p>\n<p>Mignolo, W. D. (2011). The Darker Side of Western Modernity: Global Futures, Decolonial Options. Durham: Duke University Press.<\/p>\n<p>Mignolo, W. D. (2012). Epistemischer Ungehorsam: Rhetorik der Moderne, Logik der Kolonialit\u00e4t und Grammatik der Dekolonialit\u00e4t. Wien: Turia + Kant.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Romanistikprofessor Walter D. Mignolo hat an seinem Vortrag zum dekolonialen Bewusstsein provokante Fragen gestellt, Forschenden Mut gemacht und sich vor allem dezidiert gegen jegliche Denkschranken ausgesprochen. Auf Einladung des Studienbereichs Erziehungswissenschaften und des am Studienbereich Zeitgeschichte angegliederten transdisziplin\u00e4ren Doktoratsprogramms \u201eMigration and Postcoloniality Meet Switzerland\u201c hielt Walter D. Mignolo am 23. Mai 2018 Tous les articles an der Universit\u00e4t Freiburg einen \u00f6ffentlichen Vortrag zum Thema \u201eLa conscience d\u00e9coloniale. The Call of the Humanities\u201c. 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