{"id":6383,"date":"2018-05-02T13:00:23","date_gmt":"2018-05-02T12:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=6383"},"modified":"2018-05-02T15:50:22","modified_gmt":"2018-05-02T14:50:22","slug":"frauenpower-in-der-naturwissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2018\/frauenpower-in-der-naturwissenschaft","title":{"rendered":"Frauenpower in der Naturwissenschaft"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Aush\u00e4ngeschilder des Adolphe Merke Instituts (AMI), erfolgreiche Wissenschaftlerinnen und Familienfrauen \u2013 Prof. Alke Fink und Prof. Barbara Rothen-Rutishauser teilen sich seit 2011 neben der Professur auch die Leitung der Gruppe Bio-Nanomaterialien an der Universit\u00e4t Freiburg. Im Interview verr\u00e4t Prof. Alke Fink, was man alles erreichen kann, wenn man Spass an seinem Job hat.<\/strong><\/h4>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/AG_AlkeFink_Pt.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-6380 size-full alignleft\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/AG_AlkeFink_Pt.jpg\" alt=\"\" width=\"125\" height=\"194\" \/><\/a>Frau Fink, was ist Ihre Aufgabe an der Unifr?<br \/>\n<\/strong>Ich bin Professorin einer Forschergruppe am Adolphe Merkle Institut, das heisst, wir forschen im Bereich Nanotechnologie und meine Gruppe bildet dementsprechend viele Doktoranden aus. Zudem bin ich zu 40 Prozent als Professorin am Chemiedepartement der Universit\u00e4t Freiburg angestellt.<\/p>\n<p><strong>Mit welchen Fragen kann ich mich an Sie wenden, wenn ich eine Expertenmeinung ben\u00f6tige?<\/strong><br \/>\nIch kann Ihnen weiterhelfen, wenn Sie wissen wollen, wie Sie Nanopartikel messen oder detektieren k\u00f6nnen oder wenn Sie schauen wollen, ob es solche Partikeln in Produkten hat (Kosmetik, Lebensmittel, etc.)<\/p>\n<p><strong>Wann kamen Sie auf die Idee, dass Chemie, bzw. sp\u00e4ter Materialwissenschaften etwas f\u00fcr Sie sein k\u00f6nnten?<\/strong><br \/>\nIn der elften Klasse hatte ich eine superstrenge Chemielehrerin, welche die wenigsten Sch\u00fcler mochten. Durch diese Strenge hat sie aber auch die Leute total herausgefordert. Die hat das dann irgendwie aus mir herausgekitzelt und ab da war klar, dass ich Chemie studieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong>Gab es auch noch andere M\u00e4dchen, die diese Motivation entwickelten?<\/strong><br \/>\nKaum.<\/p>\n<p><strong>Worauf f\u00fchren Sie das zur\u00fcck?<\/strong><br \/>\nIch hab das Gef\u00fchl, dass M\u00e4dchen schon von ganz fr\u00fch an denken, dass sie schw\u00e4cher in Mathematik und Naturwissenschaften sind. Umgekehrt auch bei den Jungs, die eher von sich behaupten, sprachlich nicht so talentiert zu sein.<\/p>\n<p><strong>Wird einem das schon als Kind so eingetrichtert?<\/strong><br \/>\nDas frage ich mich auch. Mir wurde z.B. nicht gesagt, ich sei schlechter in Mathe als in Sprachen. Aber meine Mutter z.B. war der Meinung, ich solle \u00abetwas mit Latein und Sprachen\u00bb machen. Mein Vater fand Mathematik passender. Vielleicht k\u00f6nnen M\u00e4dchen wirklich besser lesen oder sie schreiben lieber \u2013 aber dass einem das eingetrichtert wird, kann ich nicht best\u00e4tigen. Da gibt es aber sicher verschiedene Studien dar\u00fcber.<\/p>\n<p><strong>Zieht es mittlerweile mehr Frauen in die Naturwissenschaften?<\/strong><br \/>\nIch glaube schon. Wir haben z.B. bei uns in der Gruppe ca. 50 Prozent Frauen und 50 Prozent M\u00e4nner. In Barbara Rothen-Rutishausers Bereich \u2013 der Biologie \u2013 hat es z.B. einen ziemlich hohen Frauenanteil. Durch unser flexibles Arbeitsmodell erhalten wir auch viele Bewerbungen von Wissenschaftlerinnen, die z.B. schon Mama sind und nach einer Teilzeitstelle suchen. Barbara und ich machen ziemlich viel Mentoring und das scheinen die Frauen positiv aufzunehmen.<\/p>\n<p><strong>Wie stellen Sie es bei Ihrer Tochter an, dass die sich f\u00fcr Naturwissenschaften interessiert?<\/strong><br \/>\nDas ist nicht schwierig, wenn Mama und Papa in diesem Bereich arbeiten. Als Jugendliche versucht man zwar meist, in die Gegenrichtung zu steuern, aber sie war nat\u00fcrlich oft bei mir im Labor und diesen Themen deshalb schon seit klein eher \u00abausgesetzt\u00bb. Sie ist jetzt 14 und hat noch keine komplizierte Physik oder Chemie in der Schule. Aber ich versuche sie zu motivieren, indem ich sie positiv unterst\u00fctze, wenn sie z.B. eine etwas anspruchsvollere Mathe-Aufgabe richtig gel\u00f6st hat. Uns ist es wichtig, dass sie versteht, was sie gerade tut und eine Aufgabe nicht einfach nur l\u00f6st, damit sie gel\u00f6st ist.<\/p>\n<p><strong>Also kein Chemiebaukasten zu Weihnachten?<\/strong><br \/>\nUm Gotteswillen, nein! Aber ich muss fairerweise schon gestehen: Sowohl mein Mann als auch ich hatten als Kinder bereits einen eigenen Chemiebaukasten. Viele meiner Chemiker-Kollegen \u00fcbrigens auch.<\/p>\n<p><strong>Woher nehmen Sie die Zeit und Energie, der Familie, 30 Angestellten, eigener Forschung, Publikation und Institutsleitung gerecht zu werden?<\/strong><br \/>\nWenn man Teilzeit arbeitet, entwickelt man eine unglaubliche Effizienz. Da hat man seine fixen Punkte, die zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt sein m\u00fcssen und zwischendurch auch viel Unvorhergesehenes. Priorit\u00e4ten zu setzen ist wichtig, um in der Sache, an der man gerade dran ist, 100 Prozent geben zu k\u00f6nnen. Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass mein Mann auch in einem reduzierten Pensum arbeitet. Wir haben uns privat alles sehr gleichm\u00e4ssig aufgeteilt. Und man muss sich abgrenzen k\u00f6nnen \u2013 das Gehirn braucht auch mal Pause, um wieder kreativ sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie sehen diese Pausen bei Ihnen aus?<\/strong><br \/>\nIch koche sehr viel und gerne und wir r\u00f6sten Kaffee zu Hause. Ein riesiges Hobby ist auch das Reisen \u2013 wir lieben es, jede freie Minute einen neuen Trip zu planen. Und um den Kopf zu leeren nat\u00fcrlich Sport!<\/p>\n<p><strong>Sie teilen sich die Professur und die Leitung der Gruppe Bio-Nanomaterialen mit Prof. Barbara Rothen-Rutishauser \u2013 wie kamen Sie auf die Idee einer Doppel-Professur?<\/strong><br \/>\nF\u00fcr uns beide war klar, dass wir das nur gemeinsam machen m\u00f6chten. Die Gruppenleitung ist eine 150 Prozent-Stelle und wir hatten vor sechs Jahren, als das Thema aktuell war, beide noch kleinere Kinder. Wir hatten das Gl\u00fcck, dass es an der Universit\u00e4t Freiburg bereits andere Doppelprofessuren gab \u2013 also nutzten wir die Chance und bewarben uns gemeinsam. Dass wir unterschiedliche Expertise haben, half sicher auch.<\/p>\n<p><strong>Hat Ihr eigener Lebensentwurf Auswirkungen auf Ihre 30 Angestellten? Z.B. in Sachen Teilzeitarbeit?<\/strong><br \/>\nAuf jeden Fall! Wir haben in der Gruppe zahlreiche Familienmodelle, von teilweise Home Office zu reduzierten Pensen usw. und unterst\u00fctzen das mit Leib und Seele. Man hat auch ein anderes Verst\u00e4ndnis, wenn mal jemand wegen eines Kindes ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong>Solche Chefinnen w\u00fcnscht sich doch jeder!<\/strong><br \/>\nIch denke, jeder, der selber solche Situationen erlebt hat, kann sich da reinf\u00fchlen. Es ist nicht immer einfach, einen Weg zu finden, der f\u00fcr sich, die Familie und den Job passt \u2013 und f\u00fcr andere ist es manchmal schwierig, Verst\u00e4ndnis aufzubringen.<\/p>\n<p><strong>Welches sind momentan die wichtigsten Projekte, an denen Ihr Team arbeitet?<\/strong><br \/>\nWir sind eine sehr interdisziplin\u00e4re Gruppe. Chemiker, Physiker, Biologen \u2013 alles bunt gemischt. Dies f\u00fchrt zu einem ausgedehnten Forschungsgebiet. Wir arbeiten vor allem mit Nanopartikeln und forschen dort, wie Nanopartikel mit z.B. Zellen, wechselwirken. In den letzten Monaten hatten wir einige sehr grosse Projekte. Es ging darum, Methoden zu finden, diese Nanopartikel in Konsumentenprodukten wie z.B. Kosmetika oder Lebensmitteln zu detektieren. Wir befassen uns vor allem damit, wie man diese Nanopartikel erfassen und analysieren kann. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird dies f\u00fcr die Verbraucher auf den Verpackungen deklariert werden m\u00fcssen. Diese Nanopartikel sind manchmal wie die Nadel im Heuhaufen \u2013 und genau damit besch\u00e4ftigen wir uns.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die Zukunft des Lehrstuhls?<\/strong><br \/>\nIch w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass das Arbeiten auf universit\u00e4rer Ebene noch familienfreundlicher wird. Meetings beispielsweise auf die Mittagspause legen und nicht abends auf 18 oder 19.30 Uhr. Klar ist das manchmal schwierig zu organisieren. Andererseits ist es oft auch schwierig, abends noch eine Kinderbetreuung aufzutreiben.<\/p>\n<p><strong>Und was w\u00fcnschen Sie sich privat?<\/strong><br \/>\nAbends nach Hause zu kommen und einfach Feierabend zu haben. Forschung ist eine Sache, die einen irgendwie immer verfolgt. Da kommen die Ideen auch, wenn man gerade nicht arbeitet. Wenn man seinen Job liebt, ist es manchmal schwierig, das Hirn auszuschalten. Andererseits ist es genau diese Leidenschaft, die eine enorme Energie und Motivation verleiht.<br \/>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n_________<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/ami.swiss\/en\/groups\/bionanomaterials\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Webseite der Gruppe BioNanomaterials von Prof. Fink und Prof. Rothen-Rutishauser<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aush\u00e4ngeschilder des Adolphe Merke Instituts (AMI), erfolgreiche Wissenschaftlerinnen und Familienfrauen \u2013 Prof. Alke Fink und Prof. Barbara Rothen-Rutishauser teilen sich seit 2011 neben der Professur auch die Leitung der Gruppe Bio-Nanomaterialien an der Universit\u00e4t Freiburg. Im Interview verr\u00e4t Prof. Alke Fink, was man alles erreichen kann, wenn man Spass an seinem Job hat. Frau Fink, was ist Ihre Aufgabe an der Unifr? Ich bin Professorin einer Forschergruppe am Adolphe Merkle Institut, das heisst, wir forschen im Bereich Nanotechnologie und meine Gruppe bildet dementsprechend viele Doktoranden aus. 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