{"id":5934,"date":"2018-03-05T11:17:10","date_gmt":"2018-03-05T10:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=5934"},"modified":"2018-03-06T10:58:08","modified_gmt":"2018-03-06T09:58:08","slug":"gerichtsprozesse-sind-unheimlich-filmogen%e2%80%89","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2018\/gerichtsprozesse-sind-unheimlich-filmogen%e2%80%89?lang=de","title":{"rendered":"\u00abGerichtsprozesse sind unheimlich filmogen!\u00bb\u2009"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Juristerei und Filmerei \u2013 dass diese Kombination mitunter sehr spannend sein kann, beweisen Prof. Walter A. Stoffel und Medienexpertin Lucie Bader in ihrer Veranstaltungsreihe \u00abRecht im Film\u00bb. Rolle und Wahrnehmung von Juristen in Filmen stehen dabei im Fokus.<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Herr Stoffel, Ihre Veranstaltungsreihe \u00abRecht im Film\u00bb scheint ziemlich beliebt zu sein. Worum geht es?<\/strong><br \/>\nEs geht darum, die beiden Gebiete Recht und Film zu konfrontieren. Wie wird das Recht von einem Nicht-Juristen, in diesem Falle vom Filmemacher, gesehen? Welche Rolle spielen die Rechts-Protagonisten in einem Film? Sind sie eher Verursacher oder Bek\u00e4mpfer von Unrecht und Leid? Ganz generell: Welches Aussenbild vermitteln Filme von uns Juristen?<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00e4uft so eine Veranstaltung ab?<\/strong><br \/>\nUnser Format besteht aus einer Einf\u00fchrung zum Film, welche von Medienexpertin Lucie Bader vorgenommen wird. Danach wird der Film gezeigt. In einem zweiten Teil starten wir eine zweisprachige Diskussion am runden Tisch, welcher immer aus einem Mitglied der juristischen Fakult\u00e4t und einem ausw\u00e4rtigen Experten oder einer Expertin besteht. Nat\u00fcrlich wird auch das Publikum einbezogen. Teilweise sind auch die Filmschaffenden vor Ort.<\/p>\n<p><strong>Wer ist das konkret?<\/strong><br \/>\nLetzte Woche beim Film \u00abVierte Gewalt\u00bb, war Regisseur Dieter Fahrer auf dem Podium. Bei \u00abLa belle et la meute\u00bb, welchen wir am 20. M\u00e4rz 2018 zeigen, ist die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania vor Ort. Ein weiteres Beispiel ist der Film \u00abDenial\u00bb (Mick Jackson), der von einem Prozess rund um einen Holocaust-L\u00fcgner handelt (7. M\u00e4rz 2018). Wir werden hier Jacques Picard dabei haben, Kulturanthropologe und ehemaliger Sekret\u00e4r der Bergier-Kommission (Holocaust-Gelder).<\/p>\n<p><strong>Wie lange gibt es die Veranstaltungsreihe bereits?<\/strong><br \/>\nWir sind mittlerweile im 6. Veranstaltungsjahr. Die Veranstaltung hat sich stark entwickelt und wird jetzt auch durch ein Seminar erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p><strong>War es Ihre Idee, diese ins Leben zu rufen?<\/strong><br \/>\nIch trage die Idee seit langem mit mir herum. Ich war schon immer sehr interessiert am Kino. Hinzu kommt, dass Recht einen theatralischen Aspekt hat. Das Recht wird in Szene gesetzt, es gibt Richter in Roben, Anw\u00e4lte, Parteien, dann das formale Ritual, wie alle ihre Anliegen vortragen. Deshalb gibt es auch viele Filme \u00fcber Gerichtsverfahren \u2013 diese sind sehr filmogen. Zusammen mit Lucie Bader konnte ich die Idee dann realisieren.<\/p>\n<p><strong>Wie sind die R\u00fcckmeldungen der Studierenden dazu?<\/strong><br \/>\nIch habe den Eindruck, dass es ihnen sehr gef\u00e4llt. Wir erhalten viele positiven R\u00fcckmeldungen in unseren Evaluationen. Bilingue+ hat das Programm sogar in seinen cursus eingebaut. Die Studierenden haben keine Verpflichtung, in die Veranstaltung zu kommen und wir sind dennoch meistens gut besucht. In der Regel sind 60 bis 80 Personen anwesend, teilweise bis zu 100.<\/p>\n<p><strong>Ist die Veranstaltung auch f\u00fcr Laien interessant?<\/strong><br \/>\nJa, sicher. Nat\u00fcrlich sind das Zielpublikum in erster Linie Angeh\u00f6rige der juristischen Fakult\u00e4t. Wir haben aber immer wieder auch Soziologen, Historiker oder Literaturwissenschaftler, die teilnehmen. Die Reihe ist f\u00fcr alle offen.<\/p>\n<p><strong>Kann man also sagen, dass Sie beruflich vor allem Filme schauen?<\/strong><br \/>\nMeine Hauptaktivit\u00e4t ist es nach wie vor, juristischer Professor zu sein. Ich unterrichte und publiziere im Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht sowie im internationalen Recht. Aber nat\u00fcrlich schaue ich mir viele Filme an, auch an Filmfestivals. Wir zeigen keinen Film, den wir nicht gesehen haben und unsere Augen und Ohren sind immer offen f\u00fcr neue Werke. Gemeinsam mit Lucie Bader, welche dies professionell macht, sind wir da auf einem guten Informationsstand.<\/p>\n<p><strong>Ist das Interesse an der Veranstaltungsreihe so gross, weil die Rechtsstudierenden neben \u00abParagrafen-Reiten\u00bb auch etwas Verspieltes, Emotionales zur Abwechslung ben\u00f6tigen?<\/strong><br \/>\nIch glaube, f\u00fcr die heutigen Studierenden ist das bewegte Bild Alltag. Das spielerische und das emotionale Element sind sicher wichtig, aber da gibt es noch mehr. Recht ist nie Recht alleine. Recht entsteht immer im Zusammenhang mit einem Lebenssachverhalt. Psychologie, Wirtschaft, Geschichte, die Probleme des Klienten usw. Mit den Filmen haben wir das im Saal.<\/p>\n<p><strong>Gibt es bestimmte Genres, welche Sie besonders gerne behandeln?<\/strong><br \/>\nWir haben f\u00fcr jede Veranstaltungsreihe ein bestimmtes Thema, um welche sich die verschiedenen Filme drehen. Dieses Jahr ist es die Wahrheit, z.B. in der Presse (Fake News) oder im Gerichtssaal, wenn der Richter \u00fcber die historische Wahrheit befinden muss, wie bei \u00abDenial\u00bb. Oder die Wahrheit \u00fcber sich selbst in der \u00abTruman Show\u00bb (Peter Weir), welche wir letzte Woche gezeigt haben. Wir sind da ziemlich breit aufgestellt.<\/p>\n<p><strong>Gibt es dabei auch sehr heikle Themen?<\/strong><br \/>\nWir zeigen nat\u00fcrlich keine Pornografie, auch keine Gewalt- oder Actionfilme, unterziehen uns aber keiner Zensur. Unsere Studierenden sind erwachsene Leute, denen man grunds\u00e4tzlich alles zumuten kann. Wir m\u00f6chten einfach gute Filme zeigen, welche zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Darunter gibt es auch heikle und schwere Themen.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie einen Lieblingsfilm?<\/strong><br \/>\nEin Film, der mir sehr gut gef\u00e4llt und den wir hier im ersten Jahr und seither auch an anderen Orten (London) gezeigt haben, ist \u00abEl secreto del sus ojos\u00bb. In dem Thriller geht es gleichzeitig um eine argentinische Liebesgeschichte und um das Verhalten von Juristen in einer Diktatur \u2013 ein Meisterwerk von Jos\u00e9 Campanello. \u00abThe death and life of Otto Bloom\u00bb von Chris Jones, einen Film, welchen wir am 28. M\u00e4rz 2018 zeigen werden, mag ich auch sehr gerne. Er handelt von einem Mann, der die Vergangenheit sofort vergisst, sich aber an die Zukunft \u00aberinnert\u00bb. Er versucht, trotz dieser Umst\u00e4nde eine Beziehung zu einer Frau aufzubauen. Oder \u00abDer Staat gegen Fritz Bauer\u00bb (Lars Kraume), der am 14. M\u00e4rz 2018 bei uns laufen wird, ist auch sehr eindr\u00fccklich.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li>Webseite von <a href=\"http:\/\/www.unifr.ch\/ius\/stoffel\/accueil\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prof. Walter A. Stoffel<\/a><\/li>\n<li>Veranstaltungen <a href=\"http:\/\/www.unifr.ch\/ius\/stoffel\/ledroitcinema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Recht im Film<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juristerei und Filmerei \u2013 dass diese Kombination mitunter sehr spannend sein kann, beweisen Prof. Walter A. Stoffel und Medienexpertin Lucie Bader in ihrer Veranstaltungsreihe \u00abRecht im Film\u00bb. Rolle und Wahrnehmung von Juristen in Filmen stehen dabei im Fokus. Herr Stoffel, Ihre Veranstaltungsreihe \u00abRecht im Film\u00bb scheint ziemlich beliebt zu sein. Worum geht es? Es geht darum, die beiden Gebiete Recht und Film zu konfrontieren. Wie wird das Recht von einem Nicht-Juristen, in diesem Falle vom Filmemacher, gesehen? Welche Rolle spielen die Rechts-Protagonisten in einem Film? Sind sie eher Verursacher oder Bek\u00e4mpfer von Unrecht und Leid? 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