{"id":4871,"date":"2017-09-20T13:13:01","date_gmt":"2017-09-20T12:13:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=4871"},"modified":"2020-11-12T09:01:20","modified_gmt":"2020-11-12T08:01:20","slug":"reform-altersvorsorge-2020-ein-gegenvorschlag-von-reiner-eichenberger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2017\/reform-altersvorsorge-2020-ein-gegenvorschlag-von-reiner-eichenberger","title":{"rendered":"Reform Altersvorsorge 2020: Ein Gegenvorschlag von Reiner Eichenberger"},"content":{"rendered":"<h4>Was, wenn die Finanzierung der AHV langfristig nur gesichert werden kann, indem die \u00fcber 60-J\u00e4hrigen l\u00e4nger arbeiten? Nat\u00fcrlich nur mit klingenden Anreizen. Ein L\u00f6sungsansatz von Prof. Reiner Eichenberger, Leiter des Seminars f\u00fcr Finanzwissenschaft.<\/h4>\n<p><strong>Die Reform Altersvorsorge 2020 scheint ein Tropfen auf dem heissen Stein zu sein, w\u00fcrde sie die AHV doch h\u00f6chstens bis Ende des n\u00e4chsten Jahrzehnts im Gleichgewicht halten. Ist das Rentensystem der Schweiz \u2013 ohne radikalere Massnahmen \u2013 im Untergang begriffen?<br \/>\n<\/strong>Vern\u00fcnftige Reformen m\u00fcssen den Alten st\u00e4rkere Anreize geben l\u00e4nger zu arbeiten und die Kosten der Pensionskassen eingrenzen. Die \u201eAltersvorsorge 2020\u201c tut das Gegenteil. Sie senkt die Arbeitsanreize der Alten, indem sie den AHV-Freibetrag ab 65 aufhebt, den Rentenaufschub unattraktiver und den Rentenvorbezug attraktiver macht. Und sie steigert die Kosten, indem sie die monatliche AHV-Rente um 70 Franken erh\u00f6ht.<\/p>\n<p><strong>Angesichts der demografischen (immer mehr Rentnerinnen und Rentner im Verh\u00e4ltnis zu den berufst\u00e4tigen Personen) und \u00f6konomischen (Senkung des Zinssatzes f\u00fcr Anlagen) Entwicklung dr\u00e4ngt sich die Frage auf, wie \u00fcberhaupt die langfristige Fortdauer unseres Rentensystems gew\u00e4hrt werden k\u00f6nnte, ohne das Rentenalter zu erh\u00f6hen oder die Renten zu k\u00fcrzen?<br \/>\n<\/strong>Wir k\u00f6nnen entweder die Renten k\u00fcrzen, die Beitragss\u00e4tze erh\u00f6hen, oder l\u00e4nger arbeiten. Letzteres ist der K\u00f6nigsweg. Wir sollten ihn statt mit Zwang und Schmerz freiwillig und mit Freude gehen. \u00a0Daf\u00fcr empfehle ich \u2013 aufgrund gemeinsamer Arbeiten mit Ann Bauer \u2013 zweierlei:<br \/>\nWer heute l\u00e4nger arbeitet, kann die Rente aufschieben, um daf\u00fcr sp\u00e4ter eine h\u00f6here Rente zu erhalten. Doch das ist v\u00f6llig unattraktiv. Es lohnt sich nur, wenn man sehr alt wird. Die viel bessere Alternative ist, die Rentenbeitragss\u00e4tze der Menschen zu senken, die l\u00e4nger arbeiten wollen. Nach unserer Sch\u00e4tzung k\u00f6nnte man denen, die mit 55 entscheiden, bis 67 arbeiten zu wollen, die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitr\u00e4ge zur AHV und zweiten S\u00e4ule halbieren! So w\u00e4re Arbeit bis 67 sofort sehr beliebt.<br \/>\nZweitens sollte den Menschen, die \u00fcber 67 hinaus arbeiten, die Einkommenssteuern auf Arbeitseinkommen stark gesenkt, z.B. halbiert werden. Heute unterliegt das Arbeitseinkommen von Rentnern einer enormen Steuerbelastung, weil sie voll in die Steuerprogression kommen. Mit unserem Modell der Halbbesteuerung w\u00fcrden viele weiterarbeiten, die ganze Volkswirtschaft w\u00fcrde massiv profitieren<\/p>\n<p><strong>Dieser K\u00f6nigsweg, die Erh\u00f6hung des Rentenalters also, k\u00f6nnte an den herrschenden Realit\u00e4ten auf dem Arbeitsmarkt scheitern: Gerade f\u00fcr \u00fcber F\u00fcnfzigj\u00e4hrige ist es sehr schwierig, eine neue Arbeit zu finden. Gibt es L\u00f6sungsans\u00e4tze, um die \u00fcber 50- und \u00fcber 60-j\u00e4hrigen Berufst\u00e4tigen l\u00e4nger in der Arbeitswelt einsetzen zu k\u00f6nnen?<br \/>\n<\/strong>Die Arbeitsmarktchancen von Alten h\u00e4ngen weniger vom biologischen Alter ab, als von ihrer Restlaufzeit bis zur Pensionierung. Es macht f\u00fcr Arbeitgeber einfach wenig Sinn, 62-J\u00e4hrige einzustellen, wenn sie sicher nicht l\u00e4nger als bis 65 arbeiten. Mit unserem Anreizmodell hingegen w\u00fcrde der Zeithorizont der Alten im Arbeitsmarkt wachsen und damit auch die Bereitschaft der Arbeitgeber, sie einzustellen und weiterzubilden.<br \/>\nZudem sind Alte oft zu teuer. Das liegt an den altersabh\u00e4ngigen Pensionskassenbeitr\u00e4gen sowie an manchen Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen, die oft f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitnehmer abstruse Lohnvorgaben machen. Dank unserem Anreizmodell k\u00f6nnten die Firmen den Alten mehr Freiheiten bei einem tieferen Lohn bieten. So w\u00fcrden die Lohnkosten der Arbeitgeber sinken und die Nettol\u00f6hne der alten Arbeitnehmer dank Halbbesteuerung steigen. Zugleich w\u00fcrde auch der Staat profitieren, weil er von arbeitenden Alten trotz Halbbesteuerung immer noch mehr bekommt als von nicht-arbeitenden.<br \/>\nNoch zur Angst, es g\u00e4be nicht gen\u00fcgend Arbeitspl\u00e4tze: Je mehr Alte arbeiten, desto wettbewerbsf\u00e4higer wird die Volkswirtschaft und desto mehr Jobs f\u00fcr Alte und Junge werden geschaffen. Auch deshalb gilt: Alte an die Arbeit!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was, wenn die Finanzierung der AHV langfristig nur gesichert werden kann, indem die \u00fcber 60-J\u00e4hrigen l\u00e4nger arbeiten? Nat\u00fcrlich nur mit klingenden Anreizen. Ein L\u00f6sungsansatz von Prof. Reiner Eichenberger, Leiter des Seminars f\u00fcr Finanzwissenschaft. Die Reform Altersvorsorge 2020 scheint ein Tropfen auf dem heissen Stein zu sein, w\u00fcrde sie die AHV doch h\u00f6chstens bis Ende des n\u00e4chsten Jahrzehnts im Gleichgewicht halten. Ist das Rentensystem der Schweiz \u2013 ohne radikalere Massnahmen \u2013 im Untergang begriffen? Vern\u00fcnftige Reformen m\u00fcssen den Alten st\u00e4rkere Anreize geben l\u00e4nger zu arbeiten und die Kosten der Pensionskassen eingrenzen. Die \u201eAltersvorsorge 2020\u201c tut das Gegenteil. 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