{"id":4835,"date":"2017-09-22T14:19:12","date_gmt":"2017-09-22T13:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=4835"},"modified":"2017-11-22T17:03:35","modified_gmt":"2017-11-22T16:03:35","slug":"freude-und-genugtuung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2017\/freude-und-genugtuung","title":{"rendered":"Freude und Genugtuung"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Seit 1992 doziert Prof. Dr. Peter H\u00e4nni an der Universit\u00e4t Freiburg. Seine Zeit an der Rechtswissenschaftlichen Fakult\u00e4t begann aber bereits 1975 mit dem Studium. Nun tritt er in den Ruhestand und erlangt die W\u00fcrde eines Emeritus. Am 28. September h\u00e4lt der aus Burg bei Murten stammende Professor, der ganz nebenbei noch massgeblich an den Arbeiten der neuen Verfassung des Kantons Freiburg mitgewirkt hat, seine Abschiedsvorlesung \u00ab25 Jahre Recht lehren \u2013 Eine Zeitreise\u00bb.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Herr H\u00e4nni, k\u00f6nnen Sie uns eine am\u00fcsante Geschichte aus Ihren 42 Jahren an der Universit\u00e4t Freiburg erz\u00e4hlen?<\/strong><br \/>\nAlso, um genau zu sein: Es sind nicht ganz 42 Jahre, weil ich erstens mein Studium nicht mit 19 oder 20 Jahren begonnen habe und zweitens, weil w\u00e4hrend insgesamt zehn Jahren nicht im engeren Sinne an der Universit\u00e4t t\u00e4tig war. Aber eine Geschichte hat unter den Studierenden und Assistierenden immer wieder f\u00fcr Heiterkeit gesorgt, und zwar ging es um eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung, die der damals f\u00fcr das Zivilrecht (ZGB) zust\u00e4ndige Prof. Dr. Bernhard Schnyder abnahm. M\u00fcndliche Pr\u00fcfungen sind damals wie heute \u00f6ffentlich, was von den Studierenden, die ihre Pr\u00fcfung erst noch abzulegen haben, gerne benutzt wird, um sich ein Bild \u00fcber die Art der Fragestellungen und die geforderten Kenntnisse zu machen. So verhielt es sich auch an der besagten Pr\u00fcfung mit Prof. Dr. Schnyder, d.h. neben dem Assistenten waren auch noch einige Studierende anwesend, darunter ich selber. Prof. Dr. Schnyder stellte Fragen zum Bereich Sachenrecht und dabei war auch die Rede von der rechtlichen Vereinigung von zwei Grundst\u00fccken, was lateinisch auch als \u00abconfusio\u00bb bezeichnet wird. Am Ende der Pr\u00fcfung verliess der Kandidat den Saal und Prof. Dr. Schnyder bat den Assistenten den n\u00e4chsten Kandidaten hereinzurufen, dies mit den Worten: \u00abRufen Sie Herrn Schmid.\u00bb Es stellte sich dann heraus, dass es sich beim vermeintlichen Herrn Schmid in Tat und Wahrheit um Frau Schmid handelte, was Prof. Dr. Schnyder folgenden Spontankommentar entlockte: \u00abHalt, Stopp, confusion totale, ist ja eine Frau!\u00bb Zusammen mit der Walliser F\u00e4rbung seiner Schriftsprache erzeugte dies eine unglaubliche Situationskomik wie man sie besser nicht h\u00e4tte einstudieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was unterscheidet die heutigen Studierenden von jenen der 90er- oder gar den 70er-Jahren?<\/strong><br \/>\nGrunds\u00e4tzlich gibt es keine wesentlichen Unterschiede. Dennoch sind einige wichtige Ver\u00e4nderungen eingetreten. Als ich 1975 mein Studium begann, waren Frauen an unserer Fakult\u00e4t klar in der Minderheit. Heute sind rund zwei Drittel der Studierenden Frauen, was selbstverst\u00e4ndlich nicht ohne Auswirkungen geblieben ist, nicht zuletzt, weil die weibliche Sicht auf die Dinge in den Sozialwissenschaften (und in unserem Fall die Wahrnehmung \u00fcber Recht und Gerechtigkeit, die sich auch in der Wahl der Freif\u00e4cher niederschl\u00e4gt) eine gewisse Rolle spielt. Andere Unterschiede sind eher konjunktureller Natur, beispielsweise der Grad der Politisierung, die in Wellen verl\u00e4uft: Manchmal kommen die Studierenden mit ziemlich festen (gesellschafts-)politischen Standpunkten, manchmal sind sie aber auch fast ein wenig indifferent. Nicht zu \u00fcbersehen sind nat\u00fcrlich auch die ver\u00e4nderten technischen M\u00f6glichkeiten der Kommunikation, das Smartphone ist allgegenw\u00e4rtig. Wenn jemand in einer Lehrveranstaltung eine Behauptung zu gewissen Fakten aufstellt, kann diese sofort auf ihre Richtigkeit \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p><strong>Auf welchen Teil Ihres Schaffens sind Sie besonders stolz?<\/strong><br \/>\nIch m\u00f6chte in diesem Zusammenhang eigentlich nicht von Stolz sprechen. Es geht um Momente der Befriedigung, der Freude und der Genugtuung: Solche starken positiven Emotionen k\u00f6nnen in ganz verschiedenen Zusammenh\u00e4ngen sp\u00fcrbar werden: Wenn z.B. in einer Lehrveranstaltung pl\u00f6tzlich diese ganz besondere Atmosph\u00e4re entsteht, bei der einem klar wird, dass man die Studierenden mit seinen Worten, Erkl\u00e4rungen und Begr\u00fcndungen erreicht hat. Oder wenn man eine Publikation, an der man lange gearbeitet, schliesslich als gedrucktes Buch in den H\u00e4nden h\u00e4lt, erf\u00fcllt das einen mit einem besonderen Gl\u00fccksgef\u00fchl. Wenn Studierende sehr gute Pr\u00fcfungen ablegen, dann empfindet man dar\u00fcber eine stille Genugtuung, genauso verh\u00e4lt es sich, wenn Doktorierende ihre Doktorarbeit zu einem erfolgreichen Ende bringen und wenn es dann noch weitergeht, umso besser: zwei meiner ehemaligen Dissertanten sind heute als Professoren t\u00e4tig. Dar\u00fcber hinaus gab es immer wieder Gelegenheiten, bei denen ich Zeichen der Wertsch\u00e4tzung erfahren durfte.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/ius\/de\/news\/news_fakultat?n=17678\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Informationen zur Abschlussvorlesung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1992 doziert Prof. Dr. Peter H\u00e4nni an der Universit\u00e4t Freiburg. Seine Zeit an der Rechtswissenschaftlichen Fakult\u00e4t begann aber bereits 1975 mit dem Studium. Nun tritt er in den Ruhestand und erlangt die W\u00fcrde eines Emeritus. Am 28. 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