{"id":3123,"date":"2016-10-18T07:50:23","date_gmt":"2016-10-18T06:50:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges\/?p=3123&#038;lang=de"},"modified":"2016-10-18T07:50:23","modified_gmt":"2016-10-18T06:50:23","slug":"vom-orientalischen-anderen-zum-muslimischen-fremden-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2016\/vom-orientalischen-anderen-zum-muslimischen-fremden-2?lang=de","title":{"rendered":"Vom \u00aborientalischen Anderen\u00bb zum \u00abmuslimischen Fremden\u00bb"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Der Umgang mit dem Islam animiert nicht erst seit gestern zu regen Diskussionen. Garantiert interessante Auseinandersetzungen zum Thema werden auch am 20. und 21.\u00a0Oktober im Rahmen einer internationalen Konferenz zu Islamophobie und Orientalismus an der Universit\u00e4t Freiburg stattfinden. Unsere Experten Prof. Damir Skenderovic und Prof. Christina Sp\u00e4ti erkl\u00e4ren im Interview, worum es in dieser Debatte geht.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Was bedeuten die beiden Begriffe Islamophobie und Orientalismus?<\/strong><br \/>\nUnter Islamophobie wird Diskriminierung und Ausgrenzung von Musliminnen und Muslimen verstanden, allein aufgrund des Umstands, dass sie einer Religion, in diesem Fall dem Islam, angeh\u00f6ren. Orientalismus beschreibt ganz bestimmte Vorstellungen des \u00abOrients\u00bb, die lange Zeit in der westlichen Welt vorherrschend waren. Der \u00abOrient\u00bb und seine Bev\u00f6lkerung wurden darin als r\u00fcckst\u00e4ndig dargestellt. Man behauptete, dass die Menschen, die dort leben, sich seit Jahrhunderten nicht ver\u00e4ndert h\u00e4tten und aufgrund ihrer religi\u00f6sen oder kulturellen Zugeh\u00f6rigkeit nicht zu einem modernen Leben f\u00e4hig seien. Damit wurde ein scharfer Gegensatz zur westlichen Welt hergestellt.<\/p>\n<p><strong>Sind das nicht einfach Resultate von Klischees?<\/strong><br \/>\nVorurteile und Stereotype spielen in beiden Ph\u00e4nomenen eine wichtige Rolle. Es wird stark mit Pauschalisierungen und Verallgemeinerungen gearbeitet. Solche Stereotype k\u00f6nnen sehr langlebig sein und flexibel immer wieder an neue historische Situationen und gesellschaftliche Kontexte angepasst werden. Daher k\u00f6nnen sie eine grosse Wirkungskraft entfalten. Sie sind Teil von Deutungsmustern, die, wie im Falle des Orientalismus, \u00fcber lange Zeit tradiert wurden. Dabei konnten, gerade im Orientalismus, die Stereotype auch romantisierend gestaltet sein und exotisierenden Phantasien entspringen.<\/p>\n<p><strong>Was waren die Herausforderungen der Vergangenheit?<\/strong><br \/>\nEs dauerte bis in die 1960er\/70er-Jahre, bis die im Westen vorherrschenden Ansichten \u00fcber den \u00abOrient\u00bb in die Kritik gerieten. Man stellte fest, dass sowohl die Wissenschaft \u00fcber den \u00abOrient\u00bb, also die Orientalistik, wie auch die \u00f6ffentliche Meinung \u00fcber die Gebiete \u00f6stlich von Europa und deren Bewohnerinnen und Bewohner stark von solchen Stereotypen und Vorurteilen gepr\u00e4gt waren. Die Orientalistik wurde in der Folge stark erneuert. Es kam beispielsweise die Frage auf, ob die absch\u00e4tzigen Anschauungen \u00fcber den \u00abOrient\u00bb nicht kolonialen Anspr\u00fcchen auf das Gebiet geschuldet waren, die so leichter legitimiert werden konnten.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht das heute aus?<\/strong><br \/>\nSeit Beginn der 2000er-Jahre stellen wir einen starken Anstieg von anti-muslimischen Ressentiments in der \u00f6ffentlichen Debatte fest. Nachdem in den 1990er-Jahren noch vor allem rechtspopulistische Parteien mit Vorurteilen und Klischees \u00fcber Musliminnen und Muslime und Islam in den politischen Diskussionen operiert haben, sind solche Vorstellungen inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angelangt. Vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen wie Terrorismus, Migration und Flucht sind Pauschalisierungen, Bedrohungsszenarien und Feindbilder zum festen Bestandteil der Wahrnehmung und des Umgangs mit Musliminnen und Muslime geworden. In den Vorstellungen ihrer fundamentalen Andersartigkeit erhalten insbesondere Religion und Kultur eine herausragende Bedeutung und werden dabei \u00abkulturalisiert\u00bb. Mit anderen Worten, es wird davon ausgegangen, dass Musliminnen und Muslime eine homogene Gruppe bilden, die anders sei und sich nicht ver\u00e4ndern k\u00f6nne: Es gebe den Muslimen, die islamische Religionsgemeinschaft oder den Islam und ihnen sei gemeinsam, dass sie keinerlei Entwicklungen und Wandlungen durchmachen.<\/p>\n<p><strong>Wie kann Islamophobie eine Weiterentwicklung von Orientalismus sein?<\/strong><br \/>\nIm Vergleich zum Orientalismus sind von Islamophobie vor allem muslimische\u00a0 Bev\u00f6lkerungsgruppen betroffen, die in den europ\u00e4ischen und nordamerikanischen Gesellschaften leben. Zwischen dem Orientalismus des 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts und dem Umgang mit Islam und muslimischer Migration bestehen jedoch zahlreiche historische und inhaltliche Kontinuit\u00e4ten. Gerade die Vorstellungen und Deutungen des \u00aborientalischen Anderen\u00bb oder eben des \u00abmuslimischen Fremden\u00bb erweisen sich aus einer Perspektive der longue dur\u00e9e als langlebig und z\u00e4h. Aber die Frage nach den Kontinuit\u00e4ten wird in der Wissenschaft durchaus kontrovers diskutiert und sicher auch an der <a href=\"https:\/\/lettres.unifr.ch\/de\/hist\/gmzg\/tagungen\/tagung-islamophobie.html\" target=\"_blank\">Konferenz<\/a> zu debattieren geben.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>__________<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li>Die <a href=\"https:\/\/lettres.unifr.ch\/de\/hist\/gmzg\/tagungen\/tagung-islamophobie.html\" target=\"_blank\">internationale Konferenz \u00abFrom Orientalism to Islamophobia\u00bb<\/a> findet am 20.\/21. Oktober statt<\/li>\n<li>Weitere Informationen zu <a href=\"https:\/\/lettres.unifr.ch\/de\/hist\/gmzg\/team\/skenderovic.html\" target=\"_blank\">Prof. Dr. Damir Skenderovic<\/a><\/li>\n<li>Weitere Informationen zu <a href=\"https:\/\/lettres.unifr.ch\/de\/hist\/gmzg\/team\/spaeti.html#c7621\" target=\"_blank\">Prof. Dr. Christina Sp\u00e4ti<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Umgang mit dem Islam animiert nicht erst seit gestern zu regen Diskussionen. Garantiert interessante Auseinandersetzungen zum Thema werden auch am 20. und 21.\u00a0Oktober im Rahmen einer internationalen Konferenz zu Islamophobie und Orientalismus an der Universit\u00e4t Freiburg stattfinden. Unsere Experten Prof. Damir Skenderovic und Prof. Christina Sp\u00e4ti erkl\u00e4ren im Interview, worum es in dieser Debatte geht. Was bedeuten die beiden Begriffe Islamophobie und Orientalismus? Unter Islamophobie wird Diskriminierung und Ausgrenzung von Musliminnen und Muslimen verstanden, allein aufgrund des Umstands, dass sie einer Religion, in diesem Fall dem Islam, angeh\u00f6ren. 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