{"id":2567,"date":"2016-06-20T12:25:24","date_gmt":"2016-06-20T11:25:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges\/?p=2567"},"modified":"2016-06-21T09:38:43","modified_gmt":"2016-06-21T08:38:43","slug":"gott-wuerfelt-doch-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2016\/gott-wuerfelt-doch-2","title":{"rendered":"Gott w\u00fcrfelt doch!"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Physik und Theologie haben einander etwas zu sagen. In seiner Abschiedsvorlesung res\u00fcmierte Prof. Dr. Dr. Dieter Hattrup in einer gemeinsamen Veranstaltung mit Prof. Antoine Weis wesentliche Einsichten seiner Forschungen und st\u00fctzte sich dabei auf den \u00abechten Zufall\u00bb als Ergebnis der Physik. Damit widerspricht er Albert Einstein und ermutigt am Ende seiner Lehrt\u00e4tigkeit an der Universit\u00e4t Freiburg zu einem Dialog der Theologie mit den Naturwissenschaften. Ein Eindruck von Prof. Barbara Hallensleben.<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>Ein nicht allt\u00e4gliches Ereignis fand am Mittwoch, 1. Juni 2016, im gro\u00dfen H\u00f6rsaal der Physik der Universit\u00e4t Freiburg statt: Prof. Dr. Dr. Dieter Hattrup, seit elf Jahren Gastprofessor der Dogmatik an der Theologischen Fakult\u00e4t, hielt seine Abschiedsvorlesung vor einem gemischten Publikum aus der Theologischen und der Naturwissenschaftlichen Fakult\u00e4t. Die Gastfreundschaft von Antoine Weis, Professor der Physik, machte das Ereignis zu einer Sternstunde. Dieser pr\u00e4sentierte in gut nachvollziehbarer Weise, die doch die Komplexit\u00e4t seines Fachgebiets erahnen lie\u00df, einen von Experimenten begleiteten Vortrag zum Thema \u00abWellen oder Teilchen? Die duale Natur des Lichts\u00bb. Das Ergebnis hat nicht nur physikalische, sondern auch philosophische, ja theologische Bedeutung: Im Bereich der Quantenphysik beruht der Zufall nicht auf unserer Unkenntnis bzw. auf mangelhaften Messmethoden. Hier gilt das Prinzip des \u00abreinen Zufalls\u00bb, den Physiker im Laufe des 20. Jahrhunderts entdeckten und doch nur widerwillig hinnahmen: \u00abGott w\u00fcrfelt doch!\u00bb<\/p>\n<p><strong>Freiheit in der Natur<\/strong><\/p>\n<p>Die Forschungen zeigen: 1) In Bezug auf das Licht: Man kann nicht vollst\u00e4ndig voraussagen, wie sich in verschiedenen experimentellen Anordnungen die Photonen des Lichts verhalten werden. 2) Allgemeiner: Gleiche Anfangszust\u00e4nde in der Vergangenheit k\u00f6nnen zu verschiedenen Endzust\u00e4nden in der Zukunft f\u00fchren. 3) Die Physik muss sich aufgrund eigener Ergebnisse von dem mechanischen Weltbild einer kausal determinierten Natur verabschieden.<\/p>\n<p>Unter diesen Bedingungen wird Freiheit in der Natur wieder denkbar. Hier konnte Hattrup mit seinem Vortrag ankn\u00fcpfen. Er tat dies unter Bezug auf eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MbV4wjkYtYc\" target=\"_blank\">Aussage<\/a> von Werner Heisenberg, der um 1970 sagte: \u00abSie wissen ja, dass durch die Atomphysik und durch das, was man in ihr gelernt hat, sehr allgemeine Probleme anders aussehen als fr\u00fcher, etwa das Verh\u00e4ltnis von Naturwissenschaft zur Religion, allgemeiner zur Weltanschauung. Das sieht jetzt anders aus, seit wir wissen, dass selbst in der Atomphysik die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt nicht mehr so einfach aussieht wie in der klassischen Physik.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Schattenspiel von Zufall und Notwendigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Zuh\u00f6renden lernten, dass die Physik in der Tat in der Theologie ernsthaft mitzureden hat: \u00abWenn die Wissenschaft zeigen kann, in der Natur sei Freiheit nicht zu denken, dann m\u00fcssten wir den personalen Gott aufgeben\u00bb warnt Hattrup. Doch sie lernten auch, dass es heute mit der Physik einfacher ist, an Gott zu glauben, als ohne oder gar gegen sie. Die Aussagen des Theologen bildeten einen erstaunlichen Einklang mit den Ergebnissen des Physikers: \u00abIm Gegensatz zum subjektiven (kausalen) Zufall in der klassischen Physik haben wir es in der Quantenwelt mit einem objektiven (akausalen) Zufall zu tun\u00bb erg\u00e4nzt Weis. Der \u00abechte Zufall\u00bb, den Albert Einstein um jeden Preis vermeiden wollte (\u00abGott w\u00fcrfelt nicht!\u00bb), ist noch kein Gottesbeweis. Doch das Schattenspiel von Zufall und Notwendigkeit, die beide nachweisbar sind, kann als Widerschein einer Freiheit interpretiert werden, die sich unweigerlich unserem Begreifen entzieht; es ist die Bedingung der M\u00f6glichkeit, um von Freiheit in der Natur sprechen zu k\u00f6nnen. Damit wird auch der Vorrang des Personalen vor dem anonymen Gesetz plausibel. Mit der Freiheit Gottes, in der Welt zu handeln, ist auch die Freiheit des Menschen wieder aussagbar \u2013 \u00abund allein der akausale Quantenzufall gesteht uns eine offene Zukunft zu\u00bb erkl\u00e4rt der Physiker.<\/p>\n<p>Nach Hattrup war die mechanische Naturwissenschaft die (einzig plausible) Quelle des Atheismus in der Neuzeit. Wenn heute auf neue Weise ein angeblicher \u00abwissenschaftlicher Atheismus\u00bb proklamiert wird, dann sollten die Theologen vielleicht einfach die Physiker sprechen lassen \u2013 noch besser: mit ihnen sprechen?!<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Physik und Theologie haben einander etwas zu sagen. 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Juni 2016, im gro\u00dfen H\u00f6rsaal der Physik der Universit\u00e4t Freiburg statt: Prof. Dr. Dr. Dieter Hattrup, seit elf Jahren Gastprofessor der Dogmatik<\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":2551,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[89,75],"tags":[578,584,138],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2567"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/users\/25"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2567"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2567\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2578,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2567\/revisions\/2578"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2551"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}