{"id":23686,"date":"2026-10-06T12:08:40","date_gmt":"2026-10-06T11:08:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges?p=23686"},"modified":"2026-10-06T12:17:25","modified_gmt":"2026-10-06T11:17:25","slug":"ein-positives-mindset-bis-in-den-schlaf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2026\/ein-positives-mindset-bis-in-den-schlaf?lang=de","title":{"rendered":"Ein positives Mindset bis in den Schlaf"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Die Psychologin Anna Wick wird f\u00fcr ihre Dissertation mit dem Vigener-Preis ausgezeichnet. Sie befasst sich darin damit, wie wir den Schlaf mit Gedanken und Erwartungen beeinflussen k\u00f6nnen.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>Jede dritte Person in der Schweiz schl\u00e4ft schlecht. Das hat k\u00fcrzlich eine Studie des Bundesamts f\u00fcr Statistik gezeigt. \u00abIn unserer Leistungsgesellschaft kommt der Schlaf oft zu kurz\u00bb, sagt Anna Wick. Sie ist Postdoktorandin und Lehrbeauftragte am Departement f\u00fcr Psychologie und setzt sich schon seit Jahren mit dem Thema auseinander. \u00abIch finde es so spannend, weil man von aussen meinen k\u00f6nnte, Schlaf sei ein passiver Zustand. Dabei ist das keineswegs der Fall. Es ist ein essenzieller Zustand\u00bb, sagt Wick. \u00abWir wissen schon einiges, aber noch lange nicht genug dar\u00fcber, was f\u00fcr wichtige Prozesse im Schlaf vor sich gehen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Kann uns Musik helfen?<br \/>\n<\/strong>Anna Wick hat ihren Teil dazu beigetragen, dass wir wieder ein bisschen mehr wissen \u00fcber diesen immer noch geheimnisvollen Zustand: mit ihrer Dissertation <em>The power of reactivations of memory cues, concepts of pre-sleep appraisels, and emotions during sleep<\/em>. F\u00fcr diese Doktorarbeit wird ihr am Dies Academicus im November der Vigener-Preis \u00fcberreicht werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_23672\" style=\"width: 242px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Picture_AW.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-23672\" class=\"wp-image-23672 size-medium\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Picture_AW-232x300.jpg\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Picture_AW-232x300.jpg 232w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Picture_AW.jpg 407w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-23672\" class=\"wp-caption-text\">Anna Wick<\/p><\/div>\n<p>Wick hat darin versucht, drei Forschungsl\u00fccken zu schliessen. In einer davon ging es um den First-Night-Effekt. Das Ph\u00e4nomen, das besagt, dass Menschen in der ersten Nacht an einem neuen Ort weniger gut schlafen. Die Schlafarchitektur ist schlechter, sie brauchen l\u00e4nger zum Einschlafen und wachen weniger erholt auf. \u00abWir haben uns gefragt: Ist es nur die Umgebung, die st\u00f6rt, oder spielt auch die Situation eine Rolle?\u00bb Also haben Wick und ihr Team nicht nur Proband_innen im Schlaflabor \u00fcberwacht \u00fcbernachten lassen, sondern auch zu Hause. Das Resultat: Auch wenn Proband_innen zu Hause in gewohnter Umgebung waren, schliefen sie in der ersten Nacht schlecht. Wenn auch nicht ganz so schlecht wie im Labor. \u00abDie Erkenntnis hilft, beim First-Night-Effekt besser zu differenzieren. Nicht nur die Umgebung, sondern auch situative Einfl\u00fcsse spielen eine Rolle. In diesem Fall k\u00f6nnte es das Gef\u00fchl sein, beobachtet zu werden. Oder auch der Druck, als Proband_in in einer Schlafstudie m\u00f6glichst schnell einschlafen zu wollen.\u00bb<\/p>\n<p>In einem zweiten Punkt ging es in der Arbeit um den Prozess der Ged\u00e4chtnisbildung. Es ist einer der vielen Prozesse, an denen der Schlaf beteiligt ist. \u00abIn der Wissenschaft ist die Frage unbeantwortet, welche Schlafstadien alle einen Einfluss auf die Ged\u00e4chtnisbildung haben.\u00bb Auf der Signifikanzebene hat Wick keine Ergebnisse gefunden. M\u00f6glich, dass der Test nicht funktioniert hat. M\u00f6glich aber auch, dass das Tiefschlafstadium nicht<em> das <\/em>essenzielle Stadium f\u00fcr Ged\u00e4chtnisprozesse ist, f\u00fcr das es oft gehalten wird. \u00abEin paar Monate nach unserer Studie wurden in einer anderen Studie ebenfalls keine Unterschiede gefunden. Die Thematik gilt es noch weiter zu erforschen.\u00bb<\/p>\n<p>Und schliesslich hat Anna Wick in ihrer Arbeit auch noch mit Musik experimentiert. \u00abWir wissen, dass man den Ged\u00e4chtnisinhalt mit externer Stimulation verbessern kann. Also haben wir uns gefragt: K\u00f6nnen auch emotionale Zust\u00e4nde reaktiviert werden?\u00bb Und da kommt die Musik ins Spiel. \u00abSie ist ein starkes Mittel, um einen emotionalen Zustand zu aktivieren. Und musikalische Akkorde sind das kleinste Element der Musik, das emotionale Informationen enth\u00e4lt.\u00bb Also hat Wick Proband_innen w\u00e4hrend des Schlafs Dur-, Moll- und dissonante Akkorde vorgespielt und geschaut, ob das Gehirn die Unterschiede \u00fcberhaupt wahrnimmt. \u00abWir haben tats\u00e4chlich Unterschiede gefunden. Und wir haben noch etwas anderes festgestellt: Musiker_innen konnten die Akkorde im Schlaf besser unterscheiden, sie reagierten sensibler darauf.\u00bb Es sind erste Hinweise darauf, dass die Akkorde unterschiedlich verarbeitet werden. \u00abDas heisst aber noch lange nicht, dass sie bewusst wahrgenommen werden oder eine emotionale Reaktion damit einhergeht.\u00bb Es wird noch viele weitere Untersuchungen zu dem Thema brauchen. Und tats\u00e4chlich sind diese bereits im Gange. Professor Bj\u00f6rn Rasch, mit dem Anna Wick eng zusammenarbeitet, hat vom Schweizerischen Nationalfonds einen bedeutenden Forschungsgrant erhalten. Projekttitel: <em>Processing of musical harmony and sounds during sleep and their effectiveness<\/em>\u00a0to improve sleep quality.<\/p>\n<p><strong>Die \u00abMemories of Sleep\u00bb-Hypothese<br \/>\n<\/strong>Die Themen in Wicks preisgekr\u00f6nter Arbeit gehen in verschiedene Richtungen. Sie haben aber etwas gemeinsam: Sie h\u00e4ngen alle mit der \u00abMemories of Sleep\u00bb-Hypothese zusammen. Diese geht davon aus, dass nicht nur die Ged\u00e4chtnisinhalte spontan reaktiviert werden, sondern auch die \u00fcbergeordneten mentalen Konzepte. \u00abBeim First-Night-Effekt w\u00e4re das beispielsweise das Konzept Sicherheit. Oder eben Unsicherheit.\u00bb Denn fr\u00fcher half es den Menschen beim \u00dcberleben, wenn in ungewohnter Umgebung nicht tief geschlafen wurde. Das ist tief in uns verankert. \u00abDeshalb kann es in der ersten Nacht in einem Hotel sinnvoll sein, das Gef\u00fchl der Sicherheit zu aktivieren. Etwa indem man zum Beispiel m\u00f6glichst viele Routinen von zu Hause aufs Hotel zu \u00fcbertragen versucht\u00bb, sagt Wick.<\/p>\n<p>Und sie f\u00fcgt an: \u00abDas mentale Konzept, das aktiviert ist, h\u00f6rt nicht einfach mit Schlafbeginn auf, sondern beeinflusst den Schlaf weiter.\u00bb Arbeitet man etwa am Abend im Bereitschaftsdienst, wird das Konzept Wachsamkeit aktiviert. Oder setzt man sich unter Druck, unbedingt gut schlafen zu m\u00fcssen, weil man am n\u00e4chsten Tag eine wichtige Pr\u00fcfung hat, wird das Konzept Stress aktiviert. Nach der \u00abMemories of Sleep\u00bb-Hypothese bleiben diese Konzepte in der Nacht aktiviert oder werden wom\u00f6glich reaktiviert und beeinflussen den Schlaf in seiner Physiologie und Erholsamkeit. Wir nehmen ihn in diesem Fall als gest\u00f6rter wahr, weniger erholsam, wir wachen mehr und schneller auf. \u00abEs sei denn, wir aktivieren das Konzept von Entspannung.\u00bb Am Abend vor dem Einschlafen. Oder zur Reaktivierung in der Nacht. Daher die Idee mit der Musik.<\/p>\n<p><strong>Ein Tool, um den Schlaf aktiv zu beeinflussen<br \/>\n<\/strong>Ein \u00fcbergeordnetes Ziel der Schlafforschung lautet, die Zahl der Menschen zu senken, die schlecht schlafen. Verfestigt sich die \u00abMemories of Sleep\u00bb-Hypothese, k\u00f6nnte sie dabei eine wichtige Rolle einnehmen. \u00abSie w\u00e4re ein neuer Hebel, um den Schlaf zu verbessern. Ein Tool, um ihn aktiv zu beeinflussen, indem entspannende Konzepte vor dem Schlaf aktiviert und w\u00e4hrend des Schlafs reaktiviert werden k\u00f6nnen.\u00bb Den Schlaf positiv beeinflussen \u2013 und am n\u00e4chsten Tag davon profitieren, dass man gut geschlafen hat. Eine Aufw\u00e4rtsspirale. Ein positives Mindset ist nicht nur am Tag wichtig, sondern auch in der Nacht.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li>Profil von <a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/directory\/de\/people\/58451\/8112c\">Anna Wick<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/psycho\/de\/\">Departement f\u00fcr Psychologie<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/psycho\/de\/\">Schlaflabor<\/a><\/li>\n<li>Website von <a href=\"https:\/\/events.unifr.ch\/gouters\/de\/\">Wissenschaft zum Zvieri<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p style=\"background-color: orange; font-size: 100%; padding: 1em;\"><strong>Kinderuni \u00abEine Reise in die Welt des Schlafes\u00bb<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><br \/>\nJeder Mensch und sogar jedes Tier muss schlafen. Abends, wenn es dunkel wird, werden wir m\u00fcde. Doch warum ist das so? Die n\u00e4chste Ausgabe von \u00abWissenschaft zum Zvieri\u00bb behandelt das Thema Schlaf. Kinder zwischen 8 und 12 Jahren entdecken, warum Schlaf viel mehr ist als nur Erholung mit geschlossenen Augen, und was das Sonnenlicht am Tag mit unserem Schlaf in der Nacht zu tun hat.<br \/>\nMittwoch, 11. November 2026, 13.45 \u2013 15.45 Uhr<br \/>\nUniversit\u00e4t Freiburg \/ P\u00e9rolles, Geb\u00e4ude PER 21, Auditorium A120<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Psychologin Anna Wick wird f\u00fcr ihre Dissertation mit dem Vigener-Preis ausgezeichnet. Sie befasst sich darin damit, wie wir den Schlaf mit Gedanken und Erwartungen beeinflussen k\u00f6nnen. Jede dritte Person in der Schweiz schl\u00e4ft schlecht. Das hat k\u00fcrzlich eine Studie des Bundesamts f\u00fcr Statistik gezeigt. \u00abIn unserer Leistungsgesellschaft kommt der Schlaf oft zu kurz\u00bb, sagt Anna Wick. 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