{"id":2327,"date":"2016-04-25T09:11:00","date_gmt":"2016-04-25T08:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges\/?p=2327&#038;lang=de"},"modified":"2016-04-25T12:10:04","modified_gmt":"2016-04-25T11:10:04","slug":"bildung-schafft-bruecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2016\/bildung-schafft-bruecken?lang=de","title":{"rendered":"Bildung schafft Br\u00fccken"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Unwissenheit verunsichert; was wir nicht kennen, macht uns Angst. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit anderen Religionen und Kulturen. Mit Weiterbildungen zu Themen rund um den Islam will das Schweizerische Zentrum f\u00fcr Islam und Gesellschaft (SZIG) H\u00fcrden abbauen und Vertrauen schaffen. Ein Gespr\u00e4ch mit dem Leiter des SZIG, Hansj\u00f6rg Schmid.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Hansj\u00f6rg Schmid, das SZIG hat viel Zeit darauf verwendet, den Bereich der bestehenden islambezogenen Weiterbildungen in der Schweiz zu analysieren. Weshalb diese lange Vorlaufzeit?<br \/>\n<\/strong>Der Auftrag des Zentrums f\u00fcr Islam und Gesellschaft besteht ja auch darin, im Bereich der Weiterbildung aktiv zu sein. Aber wir wollten diese nicht auf dem Reissbrett entwerfen, sondern erst mal genau hinschauen, wie die aktuelle Situation im Bereich der Weiterbildung aussieht. Hinzu kommt, dass die Zielgruppen aus den muslimischen Vereinen nicht einfach zu erreichen sind; da galt es zuerst, die daf\u00fcr n\u00f6tigen Kontakte zu kn\u00fcpfen, um auch deren Angebote und Bed\u00fcrfnisse in Erfahrung bringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Welche Personengruppen wurden befragt?<br \/>\n<\/strong>Es wurden einerseits in verschiedenen Teilen der Schweiz Personen befragt, die in muslimischen Vereinen t\u00e4tig sind, wie etwa Vorsitzende, Imame oder auch Jugendleiter oder Frauengruppenleiterinnen. Und dann wurden auch Personen befragt auf Seiten des Staates, die beispielsweise in Verwaltungen t\u00e4tig sind oder auch in sonstigen Funktionen, die mit dem Thema Islam in Ber\u00fchrung kommen.<\/p>\n<p><strong>An wen sollen sich denn die geplanten Weiterbildungen in erster Linie richten?<br \/>\n<\/strong>Sie richten sich sowohl an Muslime und Musliminnen wie auch Personen, die eben ein berufliches oder anderes Interesse am Islam haben. Idealerweise bietet eine Weiterbildung ja auch die M\u00f6glichkeit zum Austausch und zum Networking. Sie soll bestehende Kompetenzen verst\u00e4rken. Dabei macht es einen Unterschied, ob nur abstrakt \u00fcber den Islam referiert wird oder ob ich mit Muslimen \u00fcber ihre Anliegen und Aktivit\u00e4ten spreche. Aber nat\u00fcrlich gibt es unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse zwischen einem Sozialarbeiter beispielsweise, der sich f\u00fcr die Familienstrukturen in muslimischen Familien interessiert, oder den Personen in den muslimischen Vereinen, die vielleicht eher ein Interesse daran haben, das System der Sozialarbeit in der Schweiz zu verstehen. Es gibt sowohl breite Schnittmengen wie auch spezifische Interessen einer bestimmten Zielgruppe.<\/p>\n<p><strong>Sie sprechen von Schnittmengen: Gibt es denn gemeinsame Themen?<br \/>\n<\/strong>Wir bieten die Weiterbildungsseminare an der Weiterbildungsstelle der Uni an, wo sich sowohl Muslime wie auch Nicht-Muslime einschreiben, je nach Interesse. Was die spezifischen Angebote f\u00fcr die Zielgruppen in den muslimischen Vereinen angeht, so werden wir diese in einem Folgeprojekt noch genauer ber\u00fccksichtigen. Ein Beispiel ist etwa die Seelsorge in Gef\u00e4ngnissen. Eine diesbez\u00fcgliche Weiterbildung richtet sich sowohl an die Muslime, welche die Seelsorge betreiben wie auch an das Gef\u00e4ngnispersonal, das sich mit dem Islam etwas intensiver befassen m\u00f6chte. Das Gef\u00e4ngnispersonal interessiert sich dabei spezifisch f\u00fcr Themen wie etwa das Fasten oder das Beten im Islam, das ja auch den Alltag im Gef\u00e4ngnis beeinflusst, w\u00e4hrend die muslimischen Seelsorger sich eher mit den Dynamiken und Regeln des Gef\u00e4ngnisses als Institution vertraut machen m\u00f6chten. Die Schnittmenge hierbei ist der Erfahrungsaustausch der beiden Gruppen, der nicht zuletzt dazu dient, bestehendes Misstrauen abzubauen.<\/p>\n<p><strong>Erleben Sie von beiden Seiten Interesse und Bereitschaft, zu einem solchen Erfahrungsaustausch, einer direkten Begegnung?<br \/>\n<\/strong>Grunds\u00e4tzlich ja. Aber man darf sich das auch nicht zu idealistisch vorstellen. Vielfach geht es einfach darum, etwa von Seiten des Gef\u00e4ngnispersonals, den Alltag durch besseres Verst\u00e4ndnis zu erleichtern. Ein anderes Beispiel ist die Jugendarbeit. Muslimische Jugendliche interessieren sich daf\u00fcr, wie diese in der Schweiz funktioniert, wie man sich austauschen kann, von welchen Seiten es welche Unterst\u00fctzung gibt.<\/p>\n<p><strong>Aus der Bedarfsanalyse ging auch hervor, dass viele Weiterbildungsangebote die muslimischen Zielgruppen nicht erreichen?<br \/>\n<\/strong>Wir haben verschiedene Hindernisse festgestellt: Das Geld, denn Weiterbildung ist auch ein kommerzieller Markt und oftmals teuer; die Zeit, es geht ja oft um ehrenamtliche Arbeit in den muslimischen Vereinen; die Themen, die oftmals nicht spezifisch genug auf die Anliegen der Zielgruppen eingehen, und schliesslich das Vertrauen, das manchmal noch fehlt. Es ist sehr wichtig, dass wir auch die bestehenden Angebote zur Weiterbildung in den muslimischen Vereinen w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p><strong>Sie sprechen im Bericht von einem hohen Mass an \u00dcbereinstimmung zwischen staatlichen Akteuren und den Muslimen selbst?<br \/>\n<\/strong>Wir haben diese beiden Gruppen interviewt und beide gefragt, was sie sich w\u00fcnschen f\u00fcr die Muslime in der Schweiz. Da besteht eine grosse \u00dcbereinstimmung. Die muslimischen Organisationen wollen Bestandteil sein von unserer vielf\u00e4ltigen Zivilgesellschaft. Sie m\u00f6chten auch Ansprechpartner sein, wenn Fragen auftauchen im Zusammenhang mit dem Islam. Und die staatlichen Akteure sind sehr daran interessiert, die muslimischen Organisation in diesem Wunsch zu best\u00e4rken und zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Was ist das Hauptziel der islambezogenen Weiterbildung?<br \/>\n<\/strong>Das Hauptziel ist ein friedliches und konstruktives Zusammenleben in einer Gesellschaft, die sehr vielf\u00e4ltig ist. Neue Akteure einer Zivilgesellschaft m\u00fcssen auch lernen, wie diese funktioniert, sie m\u00fcssen Kompetenzen erwerben k\u00f6nnen, um mitmachen zu k\u00f6nnen. Und die Gesellschaft muss lernen, mit neuen Akteuren und neuen Fragen umzugehen. Das braucht es ein hohes Mass an interkultureller Sensibilit\u00e4t. Dabei ist es wichtig, dass der Islam nicht als monolithischer Block betrachtet wird.<\/p>\n<p><strong>Kann Weiterbildung auch Pr\u00e4vention leisten im Bereich von Extremismus?<br \/>\n<\/strong>Sicherlich. Das ist eines der zentralen Themen, die sehr nachgefragt sind. Im Mai findet an der Weiterbildungsstelle der Uni ein erstes Seminar statt unter dem Titel \u00abComprendre la radicalisation pour la pr\u00e9venir\u00bb, durchgef\u00fchrt von meiner Kollegin Dr. Mallory Schneuwly Purdie. Das Seminar war so schnell ausgebucht, dass wir es im Herbst wiederholen werden. Was uns wichtig ist dabei, ist die Zusammenarbeit mit muslimischen Experten und Multiplikatoren. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Muslime \u2013 in der Schweiz und anderswo \u2013 sind ja Partner, nicht Gegner. Es ist wichtig, dass hier auch Netzwerke aufgebaut werden, dass beispielsweise auch Schulen Ansprechpartner haben oder auch Moscheen oder Jugendzentren f\u00fcr den Fall, dass mal ein Verdacht von Radikalismus auftaucht.<\/p>\n<p><strong>An wen richtet sich konkret diese erste zweit\u00e4gige Weiterbildung zum Thema der Radikalisierung im Islam?<br \/>\n<\/strong>Sie richtet sich an Personen \u2013 Muslime wie auch Nicht-Muslime \u2013 aus den Bereichen Schule, soziale Arbeit, Sicherheitsbeh\u00f6rden, muslimische Gemeinden etc. Es geht auch darum, auf die vielf\u00e4ltigen Faktoren und Ph\u00e4nomene in Zusammenhang mit Radikalisierung Bezug zu nehmen. Es geht ja nicht um ein rein religi\u00f6ses Problem. Weshalb radikalisiert sich jemand? Es geht um das Gef\u00fchl des Ausschlusses, der Gewalterfahrungen, der Sinnsuche&#8230; Welche Massnahmen sind m\u00f6glich und sinnvoll? Welche Signale braucht es, auch gegen\u00fcber der muslimischen Jugend in der Schweiz? Sehr wichtig ist auch der Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden, das Analysieren von Fallgeschichten.<\/p>\n<p><strong>Das Zentrum f\u00fcr Islam und Gesellschaft gliedert das aufzubauende Weiterbildungsangebot in zwei Bereiche. Weshalb diese Unterteilung?<br \/>\n<\/strong>Das eine sind eben diese offen ausgeschriebenen Weiterbildungsseminare an der Weiterbildungsstelle, aus welchen wir auch sp\u00e4ter ein CAS entwickeln wollen. Andererseits gibt es das Projekt \u00abMuslimische Organisationen als gesellschaftliche Akteure\u00bb, mit welchem wir den bisher nicht abgedeckten Bedarf an Weiterbildung aufbauen und entwickeln m\u00f6chten. Daf\u00fcr arbeiten wir eng mit den muslimischen Organisationen zusammen, die einen Teil dieser Weiterbildungen dann auch selber durchf\u00fchren werden. Es ist ein sehr partnerschaftliches Projekt.<\/p>\n<p><strong>Welche Themen stehen im Vordergrund im Bereich der Weiterbildung dieses Projekts?<br \/>\n<\/strong>Wir haben f\u00fcnf Themenfelder identifiziert f\u00fcr das neue Projekt. Es sind dies die Stellung der muslimischen Gemeinde in der Gesellschaft und damit zusammenh\u00e4ngend das Thema der Kommunikation, Jugendarbeit, Seelsorge in Gef\u00e4ngnissen und Spit\u00e4lern, Gender und K\u00f6rper, d.h. Fragen der Familie und auch der Gesundheit, und schliesslich Radikalisierung und Pr\u00e4vention.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Finanzierung geregelt?<br \/>\n<\/strong>Wir haben zwei F\u00f6rderer: Einerseits das Staatssekretariat f\u00fcr Migration aus den Mitteln des Integrationskredits des Bundes und andererseits die Fachstelle f\u00fcr Rassismusbek\u00e4mpfung des Eidgen\u00f6ssischen Departements des Innern.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">___________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Kontakt<\/strong>: Dr. Hansj\u00f6rg Schmid, Leiter des SZIG, <a href=\"mailto:hansjoerg.schmid@unifr.ch\">hansjoerg.schmid@unifr.ch<\/a>, +41 26 300 90 40<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.unifr.ch\/news\/de\/15803\/\" target=\"_blank\">Pressemitteilung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.unifr.ch\/szig\/de\/training\/muslimorganisations\" target=\"_blank\">Projekt \u00abMuslimische Organisationen als gesellschaftliche Akteure\u00bb <\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unwissenheit verunsichert; was wir nicht kennen, macht uns Angst. 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