{"id":23213,"date":"2026-03-20T15:18:36","date_gmt":"2026-03-20T14:18:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges?p=23213"},"modified":"2026-03-20T15:18:36","modified_gmt":"2026-03-20T14:18:36","slug":"ki-mein-kostenloser-persoenlicher-professor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2026\/ki-mein-kostenloser-persoenlicher-professor","title":{"rendered":"KI: \u00abMein kostenloser pers\u00f6nlicher Professor\u00bb"},"content":{"rendered":"<h4><strong>\u00abStudierende lassen ihre Arbeiten von KI schreiben\u00bb \u2013 oder umgekehrt: \u00abKI wird die Bildung revolutionieren!\u00bb Diese beiden gegens\u00e4tzlichen Narrative pr\u00e4gen derzeit die \u00f6ffentliche Debatte. Doch wie sieht der tats\u00e4chliche Umgang mit generativer KI im Hochschulalltag aus?<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div>\n<p>Genau hier setzt das EduKIA-Projekt an, dessen erste Ergebnisse im Rahmen der <em>Journ\u00e9e IA et Enseignement<\/em> (J-IA) am Campus P\u00e9rolles der Universit\u00e4t Freiburg vorgestellt wurden.<\/p>\n<p>Die J-IA-Tagung bot einen breiten \u00dcberblick \u00fcber aktuelle Fragen rund um KI in der Hochschulbildung, von gesellschaftlichen Auswirkungen \u00fcber digitale Ungleichheiten bis hin zu neuen Pr\u00fcfungsformaten. Im Panel \u00abGenerative KI an unserer Hochschule\u00bb stellte Sandra Mooser von der Dienststelle f\u00fcr Hochschuldidaktik und Digitale Kompetenzen der Unifr eine aktuelle Befragung von Studierenden und Dozierenden vor, die gemeinsam mit der HES-SO durchgef\u00fchrt wurde. Im Zentrum der Befragung stand nicht die Frage, ob KI gut oder schlecht ist, sondern: Was passiert mit KI an den Hochschulen wirklich?<\/p>\n<p>Insgesamt nahmen 1184 Personen teil, darunter 792 Studierende und 362 Dozierende. Der mehrsprachige Fragebogen umfasste rund 40 Fragen und kombinierte geschlossene sowie offene Antwortformate, um sowohl Nutzung als auch die Wahrnehmung von KI differenziert zu erfassen.<\/p>\n<p><strong>Hohe Nutzung, differenzierte Praxis<br \/>\n<\/strong>Die Zahlen sind eindeutig: Rund 75 % der Studierenden nutzen KI-Tools t\u00e4glich oder mehrmals pro Woche, und das seit mindestens zwei bis drei Jahren. Am h\u00e4ufigsten wird ChatGPT verwendet (94 %), gefolgt von Tools wie Copilot (von der Unifr zur Verf\u00fcgung gestellt), Gemini oder Bildgeneratoren.<\/p>\n<p>Doch die verbreitete Annahme, Studierende w\u00fcrden KI-Texte einfach \u00fcbernehmen, h\u00e4lt den Daten kaum stand: Nur etwa 8 % geben an, generierte Inhalte unver\u00e4ndert zu \u00fcbernehmen, und selbst diese \u00fcberarbeiten sie meist in einem weiteren Schritt.<\/p>\n<p>Die grosse Mehrheit nutzt KI anders: als Ausgangspunkt f\u00fcr eigene Recherchen, zur Strukturierung von Gedanken, f\u00fcr Text\u00fcberarbeitung und \u00dcbersetzungen sowie als Unterst\u00fctzung f\u00fcr Ideenentwicklung. KI wird damit weniger als \u00abGhostwriter\u00bb eingesetzt, sondern vielmehr als eine Art Denkpartner \u2013 oder, wie es eine befragte Person formulierte: als \u00abkostenloser pers\u00f6nlicher Professor\u00bb.<\/p>\n<div id=\"attachment_23220\" style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2697-scaled.jpeg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-23220\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-23220\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2697-scaled.jpeg\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"487\" srcset=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2697-scaled.jpeg 1920w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2697-225x300.jpeg 225w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2697-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2697-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2697-1536x2048.jpeg 1536w\" sizes=\"(max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-23220\" class=\"wp-caption-text\">Sandra Mooser<\/p><\/div>\n<p><strong>Lernen im Selbstversuch<br \/>\n<\/strong>Auff\u00e4llig ist: Trotz intensiver Nutzung fehlt oft eine systematische Anleitung. Viele Studierende bringen sich den Umgang mit KI selbst bei, im Austausch mit Peers oder durch Ausprobieren.<\/p>\n<p>Auch bei Dozierenden zeigt sich ein \u00e4hnliches Bild. Zwar wird KI thematisiert, doch weniger als ein Drittel vermittelt konkret, wie die Tools sinnvoll eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die Integration in Lehrkonzepte bleibt h\u00e4ufig abstrakt. Hier zeigt sich ein Spannungsfeld: W\u00e4hrend Dozierende ihre eigenen KI-Kompetenzen oft als hoch einsch\u00e4tzen, geben sie dieses Wissen bislang nur begrenzt weiter.<\/p>\n<p><strong>Gemeinsame Sorgen \u2013 und klare W\u00fcnsche<\/strong><br \/>\nInteressant ist, dass Studierende und Dozierende die Chancen und Risiken von KI sehr \u00e4hnlich einsch\u00e4tzen. Zu den gr\u00f6ssten Bedenken z\u00e4hlen Fehlinformationen und Halluzinationen, Fragen der akademischen Integrit\u00e4t, die m\u00f6gliche Abnahme der eigenen Denkf\u00e4higkeit, Datenschutz und Transparenz sowie ethische und \u00f6kologische Aspekte.<\/p>\n<p>Gleichzeitig w\u00fcnschen sich 76 % der Befragten klare Richtlinien zur Nutzung von KI. Bemerkenswert: Es geht nicht um Verbote, sondern um Orientierung.<\/p>\n<p><strong>Drei Handlungsfelder f\u00fcr Hochschulen<br \/>\n<\/strong>Aus den Ergebnissen lassen sich drei zentrale Handlungsfelder ableiten:<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Rahmenbedingungen neu denken<\/strong><br \/>\nBestehende Pr\u00fcfungsformate stammen oft aus einer Zeit ohne KI. Heute stellt sich die grundlegende Frage: \u00abWas wollen wir eigentlich messen?\u00bb Die Antwort darauf muss gemeinsam von Studierenden, Fakult\u00e4ten und Hochschulleitungen entwickelt werden.<\/li>\n<li><strong> Kompetenzen praxisnah vermitteln<\/strong><br \/>\nDer Bedarf liegt weniger bei theoretischem Wissen als bei konkreten Anwendungskompetenzen. Studierende und Dozierende wollen wissen: \u00abWas kann ich wie sinnvoll einsetzen \u2013 und wo sind die Grenzen?\u00bb<\/li>\n<li><strong> Angebote sichtbar machen<\/strong><br \/>\nViele bestehende Unterst\u00fctzungsangebote an den Hochschulen sind den Studierenden kaum bekannt. Das Problem ist weniger die Qualit\u00e4t als die Kommunikation. Gefragt sind zielgruppenspezifische Formate, von kurzen Hinweisen im Seminar bis zu niedrigschwelligen Informationsangeboten, um die Vielfalt der bereits zur Verf\u00fcgung stehenden KI-Tools aufzuzeigen.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Eine Einladung zum Gespr\u00e4ch<br \/>\n<\/strong>Die Ergebnisse zeigen: Die Realit\u00e4t im Umgang mit generativer KI ist gepr\u00e4gt von pragmatischer Nutzung, Unsicherheiten und Lernprozessen. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen und miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Denn die entscheidende Frage ist nicht, ob KI die Hochschulen ver\u00e4ndert, sondern wie wir diesen Wandel gemeinsam gestalten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/didanum\/de\/dienststelle\/projekte\/projet-edukia\/\">EduKIA-Projekt<\/a><\/li>\n<li>Website der <a href=\"https:\/\/journee-ia5.ch\/fribourg\/\">J-IA-Tagung\u00a0<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/didanum\/de\/\">Dienststelle f\u00fcr Hochschuldidaktik und digitale Kompetenzen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/showcase\/didanum\/\">LinkedIn-Profil<\/a> der Dienststelle f\u00fcr Hochschuldidaktik und digitale Kompetenzen<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.hefr.ch\/de\/\">HES-SO<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abStudierende lassen ihre Arbeiten von KI schreiben\u00bb \u2013 oder umgekehrt: \u00abKI wird die Bildung revolutionieren!\u00bb Diese beiden gegens\u00e4tzlichen Narrative pr\u00e4gen derzeit die \u00f6ffentliche Debatte. 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