{"id":1958,"date":"2016-02-24T14:33:59","date_gmt":"2016-02-24T13:33:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges\/?p=1958&#038;lang=de"},"modified":"2016-02-25T10:26:19","modified_gmt":"2016-02-25T09:26:19","slug":"adieu-susanne-bollinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2016\/adieu-susanne-bollinger?lang=de","title":{"rendered":"Adieu Susanne Bollinger"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Am Dienstag, 16. Februar 2016, hat Susanne Bollinger ihre Augen f\u00fcr immer geschlossen. Die Leiterin des Botanischen Gartens der Universit\u00e4t Freiburg ist einer langj\u00e4hrigen Krankheit erlegen. Im Sinne einer Hommage an diese ebenso engagierte wie fr\u00f6hliche Mitarbeiterin der Universit\u00e4t ver\u00f6ffentlichen wir auf \u00abAlma&amp;Georges\u00bb ein Portr\u00e4t von Susanne Bollinger, das im Juni 2013 in der internen Zeitschrift \u00abunireflets\u00bb publiziert worden war.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>Als sie das Stelleninserat sah, habe sie H\u00fchnerhaut bekommen. Ihre Freude dar\u00fcber, dass es klappte und sie den \u00abJob\u00bb erhielt, sp\u00fcrt man, als sei es gestern gewesen. Dabei war es vor bald zwanzig Jahren. Susanne Bollinger, 52 Jahre alt, seit 1994 Leiterin des Botanischen Gartens der Universit\u00e4t Freiburg, wollte nach der Matura etwas Praktisches machen, gestalten, an wenden. Und so entschied sie sich f\u00fcr die Landschaftsarchitektur an der Hochschule Rapperswil, einem damals noch wenig bekannten Studiengang und Beruf. \u00abAuch weil ein mindestens einj\u00e4hriges Praktikum eine Voraussetzung f\u00fcr das Studium war\u00bb, sagt sie r\u00fcckblickend und machte aus dem Praktikum eine verk\u00fcrzte Lehre von zwei Jahren als Staudeng\u00e4rtnerin. Gestalten, das lernte sie im anschliessenden Studium. Landschaften und G\u00e4rten h\u00e4tten sie stets fasziniert. Sie lernte Pflanzen und ihre Lebensr\u00e4ume kennen, lernte Landschaften beurteilen und erlangte ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, was uns eine Landschaft als angenehm erleben l\u00e4sst. \u00abDie Pflanzen sind bei jeder Gestaltung im Aussenraum das T\u00fcpfchen auf dem I\u00bb, betont Susanne Bollinger. \u00abSelbst ein Parkplatz ohne B\u00e4ume ist kein guter Parkplatz.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Pflanzen bereichern<\/strong><\/p>\n<p>Es folgten sechs Jahre, in denen sie beruflich auf Wanderschaft war: erst drei Jahre in der Stadtg\u00e4rtnerei Bern \u2013 \u00abdie Abl\u00e4ufe in der Verwaltung waren eher schwerf\u00e4llig\u00bb \u2013 dann drei Jahre im Landschaftsarchitektur b\u00fcro von Dieter Kienast, ihrem ehemaligen Dozenten in Rapperswil \u2013 \u00aber hat meine Arbeit stark beeinflusst\u00bb. Mit Pflanzen kann und darf man gestalten, hat sie bei Kienast gelernt. \u00abPflanzen bringen Leben in eine Gestaltung \u2013 durch ihr Bl\u00e4tterkleid, den Bl\u00fctenduft, den Laubfall oder indem wir Menschen sie zu nutzen wissen.\u00bb In dieser Zeit hatte sie auch einen kleinen Lehrauftrag an der Hochschule Rapperswil in Pflanzen- und Geh\u00f6lzkunde und entdeckte dabei\u00a0 ihre Freude daran, Inhalte zu vermitteln. Und dann sah sie das Stelleninserat. \u00abIch wusste bis dahin nicht, dass es diesen Botanischen Garten gibt\u00bb, erinnert sich Susanne Bollinger. Als sie ihn aber besuchte, war ihr sofort klar, dass dies ihre Traumstelle war. Prof. Jean-Pierre M\u00e9traux, der das Berufungsverfahren leitete, gewichtete die fachliche Voraussetzung einer Leiterin ebenso stark wie praktische Erfahrung und die pers\u00f6nliche Chemie: Er liess die Mitarbeitenden des Botanischen Gartens mitentscheiden, wen sie sich als Chefin w\u00fcnschten. Und so arbeitet Susanne Bollinger seit 1994 in diesem B\u00fcro, mitten im Botanischen Garten, ist Chefin von bis zu 13 Personen und wacht \u00fcber 5000 Pflanzenarten. An diesem Tag Mitte Mai bl\u00fcht der Goldlack vor dem Fenster, die Linden auf dem kleinen Platz vor dem Haus leuchten hellgr\u00fcn. Ab und zu streckt jemand den Kopf durch die T\u00fcr und stellt eine Frage. Wir befinden uns im B\u00fcro der Chefin, doch hier spricht man in erster Linie von G\u00e4rtner zu G\u00e4rtnerin. Nur: Hat sie denn als Leiterin nebst all der administrativen Arbeit die Zeit, selber im Botanischen Garten Hand anzulegen,\u00a0etwas Praktisches zu machen, umzusetzen und zu gestalten?<\/p>\n<p><strong>Fasziniert von der Vielfalt<\/strong><\/p>\n<p>\u00abKaum\u00bb, meint Susanne Bollinger. Hingegen l\u00e4sst sie es sich nicht nehmen, immer wieder Erneuerungen von Gartenteilen zu planen. Zur Zeit ist sie daran, die systematische Abteilung, das Herz des Botanischen Gartens der Universit\u00e4t Freiburg, zu erneuern und weiterzuentwickeln. Es ist ihr Steckenpferd, denn hier kann man die Vielfalt in der Pflanzenwelt und die einzelnen Arten in ihrem geschichtlichen, famili\u00e4ren Kontext kennenlernen. Doch inzwischen herrsche da ein Durcheinander unter den 100 Familien, die durch insgesamt etwa 1500 Arten repr\u00e4sentiert werden. Es habe Verpflanzungen und genetische Mutationen gegeben. \u00abVor allem aber entspricht, was die Verwandtschaftsbeziehungen der Pflanzen betrifft, die Anordnung und Beschriftung nicht mehr den neusten botanischen Kenntnissen.\u00bb Die G\u00e4rtnerin und Landschaftsarchitektin versucht nun, im Zuge dieser Erneuerung auch die Pflege des Systemgartens zu vereinfachen: Breitere Rasenbord\u00fcren und<br \/>\nMetalleinfassungen zwischen Rasen und Pflanzfl\u00e4chen sollen helfen, die aufw\u00e4ndigen Unterhaltsarbeiten in Schranken zu halten. Ihren Gestaltungswillen und das Interesse an der Pflanzenkunde pflegt sie auch im 200 Quadratmeter grossen Garten zu Hause. Susanne Bollinger experimentiert hier mit Pflanzen, kombiniert weisse und blaue Stauden oder pflegt verschiedene Arten von Pfingstrosen und Doldenbl\u00fctlern. Klar g\u00e4be es in ihrem Garten auch Gem\u00fcse und Kr\u00e4uter, nur keinen Rasen, der sei zwar praktisch und funktional, wenn da Kinder w\u00e4ren, aber ansonsten nur arbeitsintensiv.<\/p>\n<p>Ihren Gestaltungswillen und das Interesse an der Pflanzenkunde pflegt sie auch im 200 Quadratmeter grossen Garten zu Hause. Susanne Bollinger experimentiert hier mit Pflanzen, kombiniert weisse und blaue Stauden oder pflegt verschiedene Arten von Pfingstrosen und Doldenbl\u00fctlern. Klar g\u00e4be es in ihrem Garten auch Gem\u00fcse und Kr\u00e4uter, nur keinen Rasen, der sei zwar praktisch und funktional, wenn da Kinder w\u00e4ren, aber ansonsten nur arbeitsintensiv.<\/p>\n<p>Draussen beginnt es wieder zu regen. Das sei gut f\u00fcr den Garten, sagt Susanne Bollinger. In ihrem R\u00fccken, an der Wand, h\u00e4ngt ein Bild. Die Materialien daf\u00fcr stammen aus dem Botanischen Garten. Es heisst Renaissance.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<h5><a href=\"http:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/AG_1602_TeteATete_Bollinger_texte.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1961\" src=\"http:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/AG_1602_TeteATete_Bollinger_texte-1024x660.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/AG_1602_TeteATete_Bollinger_texte-1024x660.jpg 1024w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/AG_1602_TeteATete_Bollinger_texte-300x193.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><br \/>\n<\/a><em>Erfreute sich auch nach zwanzig Jahren noch an \u00abihrem\u00bb Garten: Susanne Bollinger, Leiterin des Botanischen Gartens. \u00a9 Jean-Daniel Sauterel<br \/>\n<\/em><\/h5>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<hr \/>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Kreuz und Quer<\/strong><\/p>\n<div data-canvas-width=\"267.34499999999997\"><em><strong>An einem sonnigen Tag findet man mich<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"249.16499999999996\">In meinem Garten oder am Spazieren<\/div>\n<div data-canvas-width=\"186.23999999999998\"><em><strong>Das gr\u00f6sste Gl\u00fcck auf Erden<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"124.38\">Pflanzen und Tiere<\/div>\n<div data-canvas-width=\"201.25499999999997\"><em><strong>Auf meinem Nachttisch stehen<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"191.44499999999996\">Zeitschriften und B\u00fccher, die sich stapeln, weil ich zu schnell einschlafe<\/div>\n<div data-canvas-width=\"142.8\"><em><strong>Traurig machen mich<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"189.59999999999994\">Das Abholzen der Tropenw\u00e4lder und das Abschmelzen der Eiskappen<\/div>\n<div data-canvas-width=\"106.25999999999999\"><em><strong>Freuen tut mich<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"236.9099999999999\">Der Gesang der Amseln am Morgen<\/div>\n<div data-canvas-width=\"127.785\"><em><strong>Eine Pers\u00f6nlichkeit<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"277.87499999999994\">David Bittner, Biologe und B\u00e4renforscher<\/div>\n<div data-canvas-width=\"152.64\"><em><strong>Meine Lieblingspflanze<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"161.17499999999998\">Immer gerade was bl\u00fcht<\/div>\n<div data-canvas-width=\"266.955\"><em><strong>Eine Gabe, \u00fcber die ich verf\u00fcgen m\u00f6chte<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"88.42499999999998\">Mehr Geduld<\/div>\n<div data-canvas-width=\"75.975\"><em><strong>Mein Motto<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"151.90499999999997\">\u00abEs kommt schon gut\u00bb<\/div>\n<div data-canvas-width=\"107.25\"><em><strong>Nerven tut mich<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"183.10499999999996\">Mein schlechtes Ged\u00e4chtnis<\/div>\n<div data-canvas-width=\"259.66499999999996\"><em><strong>Auf diesen Luxus k\u00f6nnte ich verzichten<\/strong><\/em><\/div>\n<div data-canvas-width=\"273.555\">Auf die vielen Kaffees bei Chocolat Villars<\/div>\n<div data-canvas-width=\"273.555\"><\/div>\n<div data-canvas-width=\"273.555\"><div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div><\/div>\n<div data-canvas-width=\"273.555\">\n<hr \/>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>Dieser Artikel wurde zuerst im Juni 2013 in der internen Zeitschrift \u00ab<a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/scm\/pdf\/ur\/2013\/UR06_12_13.pdf\" target=\"_blank\">unireflets<\/a>\u00bb publiziert.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Dienstag, 16. 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