{"id":19062,"date":"2023-10-26T09:33:36","date_gmt":"2023-10-26T08:33:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges?p=19062"},"modified":"2023-10-31T08:45:35","modified_gmt":"2023-10-31T07:45:35","slug":"inklusion-und-reprasentation-eine-konversation-uber-literary-and-cultural-disability-studies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2023\/inklusion-und-reprasentation-eine-konversation-uber-literary-and-cultural-disability-studies","title":{"rendered":"Inklusion und Repr\u00e4sentation: Eine Konversation \u00fcber Literary and Cultural Disability Studies"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Professor Tom Shakespeare, renommierter Wissenschaftler und Aktivist, gew\u00e4hrt Einblicke in die Literary and Cultural Disability Studies und deren Auswirkungen auf die Darstellung von Menschen mit Behinderungen in Kunst und Kultur.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Welche Themen und Fragen werden in den Literary and Cultural Disability Studies behandelt?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Ich bin mir nicht ganz sicher, aber das sind die Fragen, die mich interessieren: Wie werden Menschen mit Behinderungen in B\u00fcchern, Filmen, Theaterst\u00fccken, Gedichten, Musik, Kunst und anderen Kulturproduktionen dargestellt? Was macht es f\u00fcr einen Unterschied, diese Formen dazu zu benutzen, um Behinderung zu erforschen?<\/p>\n<p>Sind Menschen mit Behinderungen genauso in der Lage, Literatur-, Kunst- und Musikschaffende zu werden? K\u00f6nnen Menschen mit Behinderungen genauso in den Genuss kommen, zu schreiben und an anderen Kulturproduktionen teilzuhaben? Vor allem wollen wir nicht nur eine weitere akademische Disziplin: Wir wollen die Dinge verbessern.<\/p>\n<p><strong>Was hat Sie pers\u00f6nlich dazu motiviert, sich wissenschaftlich mit dem Thema Behinderung auseinanderzusetzen?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Ich habe Beeintr\u00e4chtigungen, ich sehe die Barrieren, die mich und andere behinderte Menschen behindern, und deshalb m\u00f6chte ich meinen Beitrag leisten, um dagegen anzuk\u00e4mpfen. Gleichzeitig finde ich viele bestehende Arbeiten zum Thema Behinderung unzureichend und m\u00f6chte besser nachdenken, schreiben und sprechen.<\/p>\n<p><strong>In einem fr\u00fcheren Statement haben Sie betont, dass Sie aufgrund Ihres Privilegs und Ihrer Stimme die Verantwortung versp\u00fcren, \u00fcber das Thema Behinderung zu sprechen. Gibt es Momente, in denen Sie sich trotzdem von Erkl\u00e4rungsm\u00fcdigkeit \u00fcberw\u00e4ltigt f\u00fchlen, \u00e4hnlich wie es bei anderen Aktivist_innen vorkommt? Und wurden Ihnen jemals \u00abVoreingenommenheit\u00bb in Bezug auf dieses Thema vorgeworfen, \u00e4hnlich wie es bei einigen trans Wissenschaftler_innen der Fall ist?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Nat\u00fcrlich bin ich von Erkl\u00e4rungsm\u00fcdigkeit \u00fcberw\u00e4ltigt worden! Ich sage seit 30 Jahren dieselben Dinge. Jedes Mal, wenn man vor ein neues Publikum tritt, muss man es wieder geduldig sagen, weil es f\u00fcr diese Personen vielleicht das erste Mal ist.<\/p>\n<p>Ich denke nicht, dass mir jemals Voreingenommenheit vorgeworfen wurde. Die Leute wissen, woher ich komme, aber sie k\u00f6nnen auch sehen, dass ich versuche, fair gegen\u00fcber verschiedenen Perspektiven zu sein, zum Beispiel denen von Mediziner_innen, Eltern von behinderten Menschen und anderen Forschenden.<\/p>\n<p><strong>Hybridans\u00e4tze, die die Akademie und den Aktivismus zusammenf\u00fchren, gewinnen an Bedeutung. Neue Medien experimentieren mit Publikationen, die Forschung und Aktivismus verbinden. Was ist Ihre Einsch\u00e4tzung dazu?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Ich glaube, wir ben\u00f6tigen gute Belege. Es ist unsere Pflicht als Akademiker_innen, die uns bestm\u00f6gliche Forschung zu betreiben. Gleichzeitig ben\u00f6tigen wir aber auch starke Geschichten. Wir m\u00fcssen die Wahrheit auf eine Art und Weise erz\u00e4hlen, die die Menschen ber\u00fchrt. Ich habe nie das kurze Gedicht von Brecht vergessen, das so lautet (aus dem Ged\u00e4chtnis):<\/p>\n<p><em>Ich habe immer gedacht<\/em><br \/>\n<em>Dass die allereinfachsten Worte gen\u00fcgen m\u00fcssen<\/em><br \/>\n<em>Wenn ich sage wie die Dinge sind<\/em><br \/>\n<em>Muss jedes Herz bluten<\/em><br \/>\n<em>Dass du untergehst, wenn du dich nicht wehrst<\/em><br \/>\n<em>Das wirst du doch einsehn.<\/em><\/p>\n<p><strong>Als Keynote-Sprecher werden Sie bald zum Thema \u00abRepresenting Disabled People\u2019s Lives\u00bb an der Unifr sprechen. Welche Hoffnungen hegen Sie f\u00fcr die Zukunft in Bezug auf die Darstellung des Lebens von Menschen mit Behinderungen und welche konkreten Schritte halten Sie f\u00fcr notwendig, um diese Hoffnungen zu verwirklichen?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Ich hoffe, dass wir die Vielfalt der Leben von Menschen mit Behinderungen repr\u00e4sentieren und kommunizieren k\u00f6nnen. Menschen sind grundverschieden \u2013 jung und alt, mit unterschiedlichen Geschlechtern, Ethnien und sexuellen Orientierungen, unterschiedlichen sozio\u00f6konomischen Hintergr\u00fcnden sowie ihrer Bandbreite von Beeintr\u00e4chtigungen. Wir brauchen gute Forschung und gutes Schreiben, um diese Komplexit\u00e4t zu erfassen!<\/p>\n<p><strong>Als renommierter Wissenschaftler haben Sie sicher schon viele Universit\u00e4ten besucht. Was tun Sie, wenn Sie feststellen, dass die Institutionen, die Sie einladen, noch Nachholbedarf in Bezug auf Barrierefreiheit haben? Dass also das, was gerne gef\u00f6rdert wird, selbst noch nicht umgesetzt wird?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Ich seufze auf, schlage mich damit herum und weise auf die Probleme hin. Ich bin selbst nicht der Typ, der anderen eine Szene macht. Aber ich erinnere mich: Als ich in Genf lebte, wollte ich eine neue Ausstellung in einem bestimmten Museum besuchen. Ich war emp\u00f6rt, als ich feststellte, dass ich sie nicht besuchen konnte, weil sie in einem nicht zug\u00e4nglichen Stockwerk des Museums zu sehen war. Das w\u00fcrde in meinem Land nie passieren.<\/p>\n<p><strong>Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren in der Schweiz in Bezug auf die Wahrnehmung und Inklusion von Menschen mit Behinderungen, insbesondere im akademischen Umfeld, erzielt?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Ich denke, es geschieht so langsam. Die Schweiz ist bei der Anerkennung von Behinderungen nicht so schnell gewesen wie das Vereinigte K\u00f6nigreich, die USA und die skandinavischen L\u00e4nder. Aber es \u00e4ndern sich Dinge, zum Beispiel durch die Bereitstellung von unabh\u00e4ngigem Wohnen und pers\u00f6nlicher Assistenz.<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie noch erheblichen Handlungsbedarf, insbesondere in Bezug auf Bildungseinrichtungen, um die Chancengleichheit f\u00fcr Menschen mit Behinderungen sicherzustellen?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Ich m\u00f6chte nicht behaupten, dass ich daf\u00fcr ein Experte bin. Aber Menschen mit Behinderungen machen 15 % der Bev\u00f6lkerung aus, sie sollten also ungef\u00e4hr auch ein Sechstel der Studierenden und ein Sechstel der Akademiker_innen ausmachen. Wir m\u00fcssen gemeinsam daran arbeiten, alle Barrieren zu beseitigen, auch negative Einstellungen. Das ist unser Ziel: Fairness.<\/p>\n<p><strong>Welche Ratschl\u00e4ge w\u00fcrden Sie jungen Aktivist_innen sowie Forschenden geben, die sich f\u00fcr die Rechte und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen engagieren m\u00f6chten?<br \/>\n<\/strong><em>Shakespeare:<\/em> Sprechen Sie mit Menschen mit Behinderungen: Lernen Sie von ihnen, beziehen Sie sie ein. Sie werden feststellen, dass Sie bessere Gespr\u00e4che f\u00fchren und bessere Antworten auf eine ganze Reihe von Problemen finden werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_19064\" style=\"width: 292px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/tom-3-scaled.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-19064\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-19064 \" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/tom-3-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/tom-3-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/tom-3-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/tom-3-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/tom-3-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/tom-3-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/tom-3-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19064\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Tom Shakespeare. Bild: Belinda Mason<\/p><\/div>\n<p><strong>Die \u00abLiterary and Cultural Disability Studies. British and Continental Perspectives\u00bb ist eine internationale Konferenz, die das Ziel hat, die Literary Disability Studies im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Sie findet vom 2. bis 4. November 2023 an der Unifr statt. Die Anmeldung f\u00fcr die Konferenz ist obligatorisch und die Anmeldefrist endet am 1. November 2023.<\/strong><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">_________<\/span><br \/>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div>\n<ul>\n<li>Informationen zur Konferenz und <a href=\"https:\/\/agenda.unifr.ch\/e\/de\/14560\">Anmeldung<\/a><\/li>\n<li>Webseite von <a href=\"https:\/\/www.lshtm.ac.uk\/aboutus\/people\/shakespeare.tom\">Prof. Tom Shakespeare <\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\"><div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professor Tom Shakespeare, renommierter Wissenschaftler und Aktivist, gew\u00e4hrt Einblicke in die Literary and Cultural Disability Studies und deren Auswirkungen auf die Darstellung von Menschen mit Behinderungen in Kunst und Kultur. Welche Themen und Fragen werden in den Literary and Cultural Disability Studies behandelt? Shakespeare: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber das sind die Fragen, die mich interessieren: Wie werden Menschen mit Behinderungen in B\u00fcchern, Filmen, Theaterst\u00fccken, Gedichten, Musik, Kunst und anderen Kulturproduktionen dargestellt? Was macht es f\u00fcr einen Unterschied, diese Formen dazu zu benutzen, um Behinderung zu erforschen? Sind Menschen mit Behinderungen genauso in der Lage, Literatur-, Kunst- und<\/p>\n","protected":false},"author":48,"featured_media":19063,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[85,75],"tags":[503],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19062"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19062"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19062\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19067,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19062\/revisions\/19067"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19063"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19062"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19062"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}