{"id":16637,"date":"2022-10-11T09:32:59","date_gmt":"2022-10-11T08:32:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges?p=16637"},"modified":"2022-10-13T10:54:24","modified_gmt":"2022-10-13T09:54:24","slug":"wer-ist-der-parasit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2022\/wer-ist-der-parasit?lang=de","title":{"rendered":"Wer ist der Parasit?"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Wie wird das Recht im Film dargestellt? Die Auswahl der Rechtswissenschaftlichen Fakult\u00e4t pr\u00e4sentiert Ihnen jedes Jahr sechs Vorf\u00fchrungen mit je einem bestimmten Thema, die zum Entdecken einladen. Mit Prof. Eva Maria Belser haben wir \u00fcber das diesj\u00e4hrige Sujet <em>Krisen<\/em> gesprochen. Die Film-Vorf\u00fchrungen stehen \u00fcbrigens allen Interessierten unserer Universit\u00e4tsgemeinschaft offen!\u00a0<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Eine Filmreihe zum Thema Krise &#8230; Wenn eine Krise nach der anderen kommt, ist das nicht sehr am\u00fcsant!<br \/>\n<\/strong>Wir haben sch\u00f6n etwas gez\u00f6gert, ob wir wirklich das Thema Krise w\u00e4hlen sollen, weil wir doch ein wenig krisenges\u00e4ttigt sind. Wir haben dann aber gefunden, dass wir den Dialog suchen wollen zwischen Filmkunst und Recht. Bei der Filmauswahl haben wir aber darauf geachtet, dass wir nicht eine ganze Zahl erdr\u00fcckender Filme haben. Wir haben auch humorvolle Filme, Satire-Filme \u2026 und wollen Krise durchaus auch als Chance diskutieren; als chaotische M\u00f6glichkeit, etwas Neues zu entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie Ihre Auswahl getroffen?<br \/>\n<\/strong>Michel Heinzmann und ich k\u00f6nnen nicht gleich tausend Filme selektionieren, aber wir haben doch einen langen Prozess der Filmselektion durchlaufen und haben uns auch von Lucie Bader beraten lassen. Wir sind ein ganzes Team; mit Assistentinnen und Assistenten, die recherchieren. Und bevor wir das Programm gemacht haben, haben wir als Team tats\u00e4chlich auch Filmabende gemacht. Wir haben viele Filme visioniert, verworfen, weitergesucht \u2026 Es war doch ein monatelanger Prozess, bis das Programm stand.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Kann das Recht Krisen verhindern? Inwiefern zeigt sich das in den Filmen?<br \/>\n<\/strong>Genau diese Frage m\u00f6chten wir diskutieren. Uns interessieren nicht die Krisen an sich, sondern welche die Rolle des Rechts darin ist. Wann muss man Krisen voraussehen? Wie kann man aus Rechtsordnung Krisen verhindern? Vielleicht Folgen von Krisen abwenden oder mildern? Sind wir \u00fcberhaupt richtig unterwegs in Bezug auf die Krisen, die wir hier vor der T\u00fcr haben? Covid haben wir jetzt extra nicht thematisiert, auch nicht Krisen wie Krieg oder Klima, denn wenn wir an Krisen denken, denken wir auch an Identit\u00e4tskrisen, Beziehungskrisen, Entwurzelungskrisen \u2026 und m\u00f6chten uns bei jedem Thema diese Fragen stellen: Was betrifft uns? Was ist die Rolle des Rechts? Wo kann es unterst\u00fctzen, f\u00f6rdern, sch\u00fctzen? Und machen wir das eigentlich richtig?<\/p>\n<p><strong>Aktueller geht es nicht: Sie zeigen einen Film, der eine Ukrainerin portr\u00e4tiert, die in der Schweiz Zuflucht findet. Was hat das Recht mit dieser Geschichte zu tun?<br \/>\n<\/strong>Das war unser Er\u00f6ffnungsfilm. Wir haben uns gesagt: Wenn wir Krise thematisieren, dann m\u00fcssen wir die Ukraine zum Thema machen. Wir haben es gemacht anhand dieses preisgekr\u00f6nten Schweizer Films <em>Olga<\/em>, der nicht die jetzige Kriegssituation behandelt, sondern die Euromaidan-Revolution. Wir hatten unsere Migrationsexpertin Sarah Theuerkauf dabei, die uns z.B. den Schutzstatus erl\u00e4utert hat, den Personen, die aus der Ukraine haben fl\u00fcchten m\u00fcssen und in die Schweiz gekommen sind, jetzt geniessen. Dieser wurde zum ersten Mal in der Geschichte aktiviert. Wir haben versucht zu verstehen, was das bedeutet und in Kontext gesetzt zu den Geschehnissen in der Ukraine bis zum heutigen Tag. Das Recht ist hier in vielf\u00e4ltiger Weise involviert: Fragen zum Schutzstatus, der Sanktionen gegen\u00fcber Russland, Neutralit\u00e4t, Reisebeschr\u00e4nkungen \u2026 Das Recht ist mittendrin.<\/p>\n<p><strong>In <em>Woman at War<\/em> geht es auch um zivilen Ungehorsam. Was sagt das Recht dazu? <em>Dura lex sed lex <\/em>oder verdient die Dringlichkeit der Klimakrise im Gegenteil eine gewisse Nachsicht, wie im Prozess gegen die jungen Aktivist_innen bei der Credit Suisse?<br \/>\n<\/strong>Ich will das jetzt nicht vorwegnehmen, weil das in zwei Wochen grosses Diskussionsthema sein wird. Ich glaube nicht, dass unsere Rechtsordnung im Moment eine Antwort bereith\u00e4lt. Es gibt St\u00e4dte und Kantone, Staaten und Provinzen, die den Klimanotstand erkl\u00e4rt haben. Aber welche Bedeutung das rechtlich genau hat, ist nicht klar. Wahrscheinlich muss man auch differenzieren, welche Bedeutung es im \u00f6ffentlichen Recht hat, f\u00fcr die Dringlichkeitsgesetzgebung und f\u00fcr das Strafrecht. Aber wir freuen uns sehr auf die Diskussion. Wir werden unseren Alumnus Raphael Mahaim hier haben. Er ist einer der Anw\u00e4lte, der damals in Lausanne die Jugendlichen verteidigt hat, die in der Credit Suisse Tennis gespielt haben. Er wird nach dem Film genau \u00fcber diese Frage referieren.<\/p>\n<p><strong>Der Film <em>Parasite<\/em> scheint zu zeigen, dass Armut manche Menschen dazu zwingt, das Gesetz zu brechen: Man kann z.B. dazu gezwungen sein, zu stehlen, um sich zu ern\u00e4hren.<br \/>\n<\/strong>Das ist ein ausgezeichneter Film aus S\u00fcdkorea, der tats\u00e4chlich eine Krise thematisiert, die wir wahrscheinlich vernachl\u00e4ssigen, weil wir den spektakul\u00e4ren Krisen hinterherrennen. Es geht um die Krise der wachsenden sozio\u00f6konomischen Ungleichheiten; weltweit ohnehin, aber auch innerhalb jedes Staates. Der Film portr\u00e4tiert eine sehr reiche Familie \u2013 in anderen L\u00e4ndern w\u00fcrde man von einer Oligarchen-Familie sprechen \u2013 und eine Familie am unteren Ende der Skala. Tats\u00e4chlich ist diese Familie, weil das soziale System zu wenig stark ist, darauf angewiesen, sich <em>parasit\u00e4r <\/em>an diese reiche Familie anzudocken. Das Sch\u00f6ne am Film ist aber, dass man am Ende nicht weiss, wer denn nun genau der Parasit ist. Ist nicht jene Familie der Parasit, die von Anfang an diese Ungleichheit hat erzeugen lassen? Es ist ein wunderbarer Film, weil diese ganze Hierarchie unserer Gesellschaft auch filmisch wunderbar in Szene gesetzt wird: Es gibt immer Treppen nach oben, nach unten, Obergeschoss, Keller \u2026 Und es ist ein Film, der dauernd dreht und \u00fcberrascht: Wer ist jetzt Opfer? Wer ist T\u00e4ter? Als Zuschauer_innen werden wir sehr herausgefordert.<\/p>\n<p><strong>Welcher Film hat Ihnen am besten gefallen und warum?<br \/>\n<\/strong>Wir haben viele Filme erst ausgew\u00e4hlt und nach dem Anschauen und langen Diskussionen wieder verworfen. Ich muss sagen, dass ich mich in jeden dieser sechs Filme, die wir zeigen, verliebt habe. Ich bin von jedem einzelnen begeistert. Wenn ich aber spontan einen Lieblingsfilm w\u00e4hlen m\u00fcsste, w\u00fcrde ich <em>Parasite<\/em> nehmen. Gerade, weil mich diese soziale Frage und die filmische Darstellung einfach v\u00f6llig begeistern.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li>Webseite von <a href=\"https:\/\/events.unifr.ch\/droitcinema\/de\/\">Recht im Film<\/a><\/li>\n<li>Webseite von <a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/ius\/belser\/de\/lehrstuhl\/team\/eva-maria-belser.html\">Eva Maria Belser<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wird das Recht im Film dargestellt? Die Auswahl der Rechtswissenschaftlichen Fakult\u00e4t pr\u00e4sentiert Ihnen jedes Jahr sechs Vorf\u00fchrungen mit je einem bestimmten Thema, die zum Entdecken einladen. Mit Prof. Eva Maria Belser haben wir \u00fcber das diesj\u00e4hrige Sujet Krisen gesprochen. 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