{"id":15495,"date":"2022-03-22T10:01:17","date_gmt":"2022-03-22T09:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges?p=15495"},"modified":"2022-03-22T10:03:42","modified_gmt":"2022-03-22T09:03:42","slug":"wie-kinder-mit-stress-umgehen-ist-mehr-als-bloss-glueckssache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2022\/wie-kinder-mit-stress-umgehen-ist-mehr-als-bloss-glueckssache?lang=de","title":{"rendered":"Wie Kinder mit Stress umgehen ist mehr als bloss Gl\u00fcckssache"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Ein Team um Psychologie-Professorin Nadine Messerli-B\u00fcrgy untersucht in der STERN-Studie, wie Kinder die F\u00e4higkeit entwickeln, ihre Stressreaktionen zu regulieren. Dazu sucht es dringend Eltern von Kindern, die im Sommer mit dem Kindergarten beginnen.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>Welchen Einfluss hat Stress auf die Entwicklung von psychischen Problemen bei Kindern? Warum k\u00f6nnen gewisse Kinder besser mit Stress umgehen als andere? Wie lernt ein Kind, sein Stresslevel zu regulieren? Und wie k\u00f6nnen ihm seine Eltern dabei helfen? Fragen wie diesen geht ein Team um Studienleiterin Nadine Messerli-B\u00fcrgy in der STERN-Studie nach. STERN steht f\u00fcr Stresserleben, Stressregulation und Gesundheit bei Vorschulkindern. \u00abStress k\u00f6nnen wir nicht ganz aus unserem Leben verbannen \u00ad\u2013 er geh\u00f6rt zu uns\u00bb, erkl\u00e4rt die Professorin. Sie will deshalb genauer wissen, welchen Einfluss der Stress auf die Kinder hat \u00ad\u2013 um in Zukunft den Kleinen und deren Eltern dabei zu helfen, einen m\u00f6glichst gesunden Umgang mit Schwierigkeiten, Gef\u00fchlen und Emotionen zu erlernen.<\/p>\n<p>\u00abWir wissen heute, dass 20 Prozent der Kinder psychische Probleme haben.\u00bb Aber nicht ausreichend, welche Rolle der Umgang mit Stress dabei spielt. Es ist bekannt, dass schwere Stressoren wie Gewalt, Missbrauch oder traumatische Erlebnisse das biologische System schw\u00e4chen. \u00abBei mittleren Stressoren wie etwa dem Eintritt in den Kindergarten gehen wir aber eher davon aus, dass es ein wichtiger Schritt in der Entwicklung ist, bei dem das Kind lernen kann, seine Reaktion auf Stress zu verbessern.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Fast wie ein Muskel im Fitnesscenter<\/strong><br \/>\nFr\u00fcher dachten Forscher_innen, dass einer Person in die Wiege gelegt wird, wie sie mit Stress umgeht. Entweder verf\u00fcgt sie \u00fcber Resilienz oder eben nicht. Gl\u00fcck gehabt \u00ad\u2013 oder Pech. \u00abHeute gehen die Theorien davon aus, dass der Umgang mit Stress ein Entwicklungsprozess ist.\u00bb Nebst genetischen Voraussetzungen spielen auch das Umfeld und insbesondere die Eltern eine wichtige Rolle. In der STERN-Studie wird nun in der Praxis untersucht, wie diese Faktoren zusammenwirken. \u00abFast wie ein Muskel im Fitnesscenter, l\u00e4sst sich auch der Umgang mit Stress trainieren oder erlernen\u00bb, sagt Nadine Messerli-B\u00fcrgy. Die Frage ist nur, wie?<\/p>\n<p>Die Studie setzt beim Kindergarteneintritt an, bei den Vier- bis F\u00fcnfj\u00e4hrigen also. \u00abEs ist ein Alter, in dem die Kinder vermehrt eigene Wege finden m\u00fcssen, um mit Stress umzugehen, weil sie nicht mehr den ganzen Tag von den Eltern betreut werden.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Von Aggression bis R\u00fcckzug<br \/>\n<\/strong>Es ist eine der ersten grossen Ver\u00e4nderungen im Leben eines Kindes und deshalb ein guter Moment, um zu beobachten, was dazu beitr\u00e4gt, dass Kinder psychisch gesund bleiben \u00ad\u2013 und welche Kinder stattdessen empfindlicher werden und nicht aus Stresssituationen lernen. \u00abM\u00fche mit der Stressregulation kann sich auf ganz unterschiedliche Weise \u00e4ussern\u00bb, sagt Jan-Philip Knirsch, Doktorand am Departement f\u00fcr Psychologie, der an der Studie mitarbeitet. \u00abEs kann sein, dass das Kind sehr emotional auf Ver\u00e4nderungen reagiert, schnell in Rage ger\u00e4t, vielleicht sogar aggressiv wird. Dass es Schwierigkeiten hat im Umgang mit anderen. Es gibt aber auch Kinder, die sich zur\u00fcckziehen.\u00bb Auch wenn Kinder nicht mehr schlafen, pl\u00f6tzlich einn\u00e4ssen, zu wenig oder zu viel essen, kann das auf Probleme mit der Stressregulation hindeuten.<\/p>\n<p>\u00abVielfach werden diese Probleme gar nicht richtig erkannt\u00bb, sagt Nadine Messerli-B\u00fcrgy. \u00abWir sind aber nicht nur Wissenschaftler_innen, sondern auch Therapeut_innen und wollen deshalb wissen, wo wir m\u00f6glichst fr\u00fch ansetzen k\u00f6nnen. Oft kommen die Kinder sp\u00e4ter als Teenager zu uns, weil sie auff\u00e4llig werden und die ganze Familie stark belastet ist. Zu diesem Zeitpunkt ist schon viel passiert, das man h\u00e4tte beeinflussen und wom\u00f6glich verhindern k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Fragen und Messungen<br \/>\n<\/strong>Deshalb wollen Nadine Messerli-B\u00fcrgy und ihr Team noch genauer verstehen, was die wichtigsten Einflussfaktoren sind. Ist es die Art der Erziehung oder das Temperament des Kindes? Kommt es darauf an, wie gestresst die Eltern selbst sind? 2018 begann das Team im Rahmen der STERN-Studie Kinder, die ins erste Kindergartenjahr eintreten, zu begleiten. Stellte Fragen, schaute im Labor, wie ein Kind auf eine Niederlage im Spiel reagiert, mass Herzfrequenzen und Stresshormone \u2013 und zwar in den Monaten vor und nach dem Kindergarteneintritt. Gut 60 Kinder wurden so begleitet, die Corona-Pandemie hat den Studienverantwortlichen jedoch bald einmal das Leben schwer gemacht.<\/p>\n<p><strong>200 Franken und ein Gratis-Feedback<br \/>\n<\/strong>F\u00fcr den Schlussspurt hoffen sie deshalb nun m\u00f6glichst rasch noch einmal auf rund 60 teilnehmende Familien. Begleitet werden diese diesmal nur vor dem Kindergarteneintritt, die Studie endet im Sommer, im Herbst sollen die ersten Daten der STERN-Studie pr\u00e4sentiert werden. Zuvor aber bitten Nadine-Messerli-B\u00fcrgy und ihr Team Eltern, deren Kinder diesen Sommer in den Kindergarten kommen, um Hilfe. \u00abWir haben unser Konzept an die Pandemie angepasst. Wir machen nichts mehr im Labor, alles kann von zu Hause aus erledigt werden. Dadurch k\u00f6nnen nun Eltern und Kinder aus der ganzen Deutschschweiz mitmachen\u00bb, sagt Jan-Philip Knirsch.<\/p>\n<p>Wer mitmacht, kriegt per Telefon einige Fragen gestellt, f\u00fcllt einen Online-Fragebogen aus und erh\u00e4lt ein Paket mit Speichelproben und einem zweifr\u00e4nklergrossen EKG-Ger\u00e4t nach Hause geschickt. W\u00e4hrend zwei Tagen kleben sich das Kind und mindestens ein Elternteil das Ger\u00e4t auf die Brust, um die Herzfrequenz zu messen. Gleichzeitig entnehmen sie sich selbst regelm\u00e4ssig Speichelproben, die sp\u00e4ter dazu dienen, die Anzahl Stresshormone zu berechnen. \u00abDie Eltern leisten damit einen Beitrag zur Gesundheitspr\u00e4vention, eine Teilnahme kann f\u00fcr sie aber auch pers\u00f6nlich interessant sein\u00bb, sagt Knirsch. Und zwar nicht nur, weil sie mit 200 Franken entsch\u00e4digt werden. \u00abWenn sie das wollen, erhalten sie am Ende kostenlos ein inhaltliches Feedback.\u00bb<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li>Mehr Informationen und Anmeldung <a href=\"https:\/\/tinyurl.com\/STERN-UniFribourg\">hier<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Team um Psychologie-Professorin Nadine Messerli-B\u00fcrgy untersucht in der STERN-Studie, wie Kinder die F\u00e4higkeit entwickeln, ihre Stressreaktionen zu regulieren. Dazu sucht es dringend Eltern von Kindern, die im Sommer mit dem Kindergarten beginnen. 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